Jahresband 1903

Archiv des Vereins für die
Geschichte des Herzogthums Lauenburg
 


MARIA BENIGNA FRANZISKA, FÜRSTIN PICCOLOMINI.

Von M. A. Stolzenburg.
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Unter den Steinfliesen des St. Stefansdomes in Wien, jener wunderbar schönen gothischen Hallenkirche mit dem gewaltigen Turm, ruhen – wenig bekannt und wohl fast vergessen – die irdischen Reste der Fürstin Piccolomini.

Dieser vorzüglichen Frau, anscheinend dazu bestimmt gewesen, an der Seite des im dreißigjährigen Kriege so berühmt gewordenen Octavio Piccolomini eine bedeutende Rolle auf der Bühne des Lebens zu spielen, hat das Schicksal nicht gehalten, was es ihr versprach. – Wir wollen in Folgendem versuchen ein Lebensbild der herzensguten und vielgeprüften Fürstin zu geben.

Maria Benigna von Sachsen (Lauenburg) war im Jahre 1635 in Regensburg geboren. Ihr Vater war der regierende Herzog Julius Heinrich von S. L., aus altem askanischen Geschlecht, ihre Mutter dessen dritte Gemahlin, Anna Magdalene geb. von Lobkowitz aus Böhmen.

Obwohl der Herzog mehrere Schlösser in seinem Lande besaß – besonders malerisch lag das leider bis auf wenige Ueberreste niedergebrannte Schloß zu Lauenburg an der Elbe – so residierte er doch meistens auf seinen Gütern in Böhmen. Besonders bevorzugte er Schlackenwerth, welche Herrschaft ihm 1622 Kaiser Ferdinand II. geschenkt hatte. Er wurde in früher

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Jugend katholisch in der Erwartung, das Bistum Osnabrück zu erlangen, war jedoch im Innern dem Protestantismus zugetan, in welcher Lehre er seinen ältesten Sohn Franz Erdmann erziehen ließ.

Julius Heinrich war ein guter Freund Wallenstein’s. Er wurde sogar beschuldigt, dessen Pläne gegen den Kaiser geteilt zu haben, und wurde nach Wallenstein’s Ermordung nach Wien in Haft gebracht. Erst nach dem Prager Frieden wurde er wieder entlassen und lebte auch dann bis an seinen Tod im Jahre 1665 in Böhmen.

Doch kehren wir nun zum Fürsten Octavio und seiner jungen, schönen und liebenswürdigen Gemahlin zurück.

Piccolomini wurde sechszehn Jahre nach der Ermordung Wallenstein’s (1650) in den Fürstenstand erhoben. *) Damit zeigte sich also der Vorwurf, den Schiller Piccolomini am Schluß des Trauerspiels „Wallenstein’s Tod“ macht, als er ihn vom Kaiser in den Fürstenstand erhoben darstellt, als dichterische Licenz. Die Standeserhebung hatte offenbar nichts mit der Eger’schen Katastrophe zu tun.

1651 fand in Prag die Vermählung des zweiundfünfzigjährigen Fürsten mit der noch nicht sechszehnjährigen Prinzessin Maria Benigna Franziska, „Freylein zu Sachsen“ statt. Piccolomini, welcher als einfacher Adliger seine glänzende Kriegslaufbahn begonnen hatte, konnte mit Recht stolz darauf sein, die Tochter eines regierenden Herzogs, eines Nachkommen Albrecht’s des Bären, seine Gemahlin nennen zu dürfen.

Das Heiratsgut der jungen Fürstin bestand in „zwantzigtausendt Reichsthalern gutter Wehrung“, und Octavio gelobte seiner künftigen Gemahlin beim Abschließen des Ehepactes ebenso viel und noch zehntausend
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*) So entnehmen wir der sehr interessanten Quellen-Studie aus dem Schloß-Archiv zu Nachod des Freiherrn von Weyhe-Eimke „Octavio Piccolomini als Herzog v. Amalfi“ etc.

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Thaler dazu, „also, daß das Heurathsguth sambt der Widerlag funfzig Tausendt Reichsthaler austragen thune.“ Octavio ging noch weiter. Er versprach ferner: „Damit Wir hierdurch öffentlich an Tag legen, wie hoch Wir Fürst Octavio Piccolomini, Herzog zu Amalfi, hochgedachte Unßere zukünftige Ehegemahlin in Ansehung dero fürstlichen und fürtrefflichen Qualitäten ästimiren thuen, versprechen geben und schenken Wir Ihrer Liebden über gedachte Funfzig Tausendt Reichsthaler noch einmal so viel, nemblich noch andere Funfzig Tausendt Reichsthaler, jedoch nur dergestalt, das Ihro Liebden davon nur allein die jetzt landtgebräuchlichen Interesse als Sechs von Hundert gerechnet, zu genießen haben sollen, so lang Sie leben werde, da Sie schon auch Ihrer Wittib Standt wider Verhoffen verändern thäten, zu genießen haben sollen.“

Ferner bestimmte der Fürst, daß nach seinem Tode die Witwe den halben Teil der Intraden von der Herrschaft Nachod haben sollte, und daß bei seinem Ableben die Fürstin Witwe – ob aus der Ehe Kinder hervorgegangen seien oder nicht, - sich durch einen „Pragerischen Kämmerling von der Königlichen Landtafel in Herrschaft und Schloß Nachod ordentlich einführen lasse.“ –

Leider ist diese Ehe kinderlos geblieben und somit war es dem Fürsten Piccoloini nicht vergönnt, seinen Fürstenstand in directer Linie zu vererben. Eine natürliche Tochter Octavio’s, nach seiner Mutter Violante getauft, vertrauerte ihr Leben in einem florentinischen Kloster. Es wäre durchaus den Anschauungen damaliger Zeit entsprechend gewesen, dieses Kind zu legimitiren und ihm das nie gekannte Glück des Elternhauses zu geben. Aber der große Altersunterschied zwischen der Tochter und ihrer jungen Stiefmutter – es waren 8 Jahre – hielt den Fürsten vielleicht davon ab, diese Tochter an sein Herz zu nehmen. Sie starb alt und

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vergessen in den Klostermauern, welche sie als neunjähriges Kind schon aufnahmen. –

Octavio und Maria Benigna scheinen indessen sehr glücklich gelebt zu haben. Teils wohnten sie auf Schloß Nachod in Böhmen, welche Herrschaft Kaiser Ferdinand II. Piccolomini geschenkt hatte, teils in Prag und Wien.

Doch nur von kurzer Dauer war diese Ehe. Schon im August 1656 starb Fürst Octovio in Wien.

Wenige Wochen vor seinem Tode hatte der Fürst ein Testament gemacht, in welchem er seinen Großneffen Aeneas Silvio Piccolomini zum Nachfolger des Fideicommisses Nachod bestimmte, und seine Gemahlin zu Administratorin von Nachod mit einem Einkommen von 9000 Gulden, bis zur Großjährigkeit des Erben, ernannte.

Die kaum zwanzigjährige Witwe hat sich nicht wieder vermählt. Sie lebte ganz dem Andenken ihres heimgegangenen Gemahls, und hat in ihrem langen Witwenstande vielerlei Kümmernisse erfahren. Mit Eifer und Fleiß nahm sie sich nun der Administration Nachods, wohin sie ihren Wohnsitz verlegte, an. Sie hatte indessen viel mit pekuniären Schwierigkeiten zu kämpfen. Große Neubauten, welche Piccolomini in Achod aufführen ließ und andere, ältere Schulden waren zu begleichen, - der Fürst war ein großer Freund des Spiels gewesen, welche Leidenschaft seiner Gemahlin „viel hertzbrechende Zähren ausgepreßt.“ Diese Klage ist aber auch die einzige, welche Maria Benigna über ihren Gatten verlauten ließ. Sonst war ihr das Andenken an ihren Gatten heilig und teuer; und damit dieser in jeder Beziehung makellos dastände, gab sie sich die erdenklichste Mühe, seine hinterlassenen Schulden zu decken.

Die schöne Herrschaft Gradlitz, welche Octavio 1652 von dem bekannten dänischen Reichshofmeister Corsitz Ulfeldt gekauft hatte, war sie gezwungen, weiter zu verkaufen, trotzdem sie selbst rührend anspruchlos lebte. Stets hatte sie eine offene Hand für Arme und Nothleidende.

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Als die Stadt Nachod 1663 durch einen großen Brand fast ganz gestört war, ließ die Fürstin in opferwilligster Weise auf ihre Kosten mehrere Häuser wieder aufführen und erbarmte sich in jeder Weise der Obdachlosen mit Nahrung und Unterkunft.

Die Glocken der Stadtkirche in Nachod tönen noch heute das Lob der guten Maria Benigna. Eine ist der hl. Maria geweiht und hat folgende Inschrift:

„Ich schmelzte, als die Stadt Nachod in Feuer verbrandt
Welches von der losen Rott der Juden her entstand,
Das ich nun kann zu Gottes Ehre wieder klingen
Ließ mich in diesen Standt eine Fürstin wiederbringen.“

Unter dem Piccolominischen Wappen: „Maria Benigna verwittibte Fürstin Piccolomini de Arragona gebohrene Herzogin zu Sachsen.“

Die zweite Glocke ist dem hl. Octavius geweiht. –

Obwohl das Feuer durch „die loste Rott der Juden“ entstanden war, erlaubte die großmütige edle Fürstin in einem Decret von 1664 den Juden, daß dieselben ein jüdisches Gotteshaus und zehn Häuser, ein jedes von zwei (!) Stuben wieder aufbauen könnten und ihre Nahrung suchen und ihren Handel und Wandel wie vorher treiben und exerciren möchten.

So führte die Fürstin ein segensreiches und ausgefülltes Leben. Auch nachdem der Erbe, Aeneas Silvio majorenn geworden war, änderte sich nichts, denn der junge Fürst kannte und schätzte die hohen Tugenden und die Herzensgüte seiner Großtante. Er schloß einen Vergleich mit ihr, laut welchem sie die Administration der Herrschaft Nachod behielt, und zwar so lange, bis von der einen oder anderen Seite eine, ein Jahr vorher erfolgende Kündigung, geschehen würde, u. s. w.

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Die Fürstin versprach dagegen dem jungen Erben den Fürstentitel, der ihm nach der Urkunde, durch die Octavio Piccolomini von Ferdinand III. in den Reichsfürstenstand erhoben war, zukam (nur Octavio’s direkte Nachkommen sollten sämtlich dem Fürstenstande angehören), „sambt den darzu benötigten Insinuationen auf ihre eigenen Spesen und Unkosten, so sie sich beiläufig bis in zehentausend Gulden belauffen möchten“.

Dieser Vergleich wurde in Prag im Jahre 1671 geschlossen, und in einem höflichen Schreiben bedankte sich bald darauf Aeneas Silvio bei der Fürstin für die Administration, wobei er erwähnte, daß weder er noch seine Erben jemals weitere Rechenschaft darüber fordern sollten und wollten.

Zum Unglück Maria Benigna’s starb dieser Neffe schon zwei Jahre später an einer im Duell erhaltenen Stichwunde. Bis 1679 lebte die Fürstin noch in Ruhe und Frieden, allgemein verehrt von ihren Unterthanen. Aber dann brach das Schicksal über sie herein, und verfolgte sie bis an’s Grab.

Der nunmehrige Fideikommiß-Erbe war ein jüngerer Bruder des Aeneas Silvio, Fürst Lorenzo Piccolomini. Er war ein schwacher Charakter, und ganz in der Hand eines intriguanten Schwagers, des Marchese Peter von Guadagni. Dieser hatte sich Vollmachten von Lorenzo geben lassen und sich in Wien einen kaiserlichen Befehl erschlichen, laut welchem der verwitweten Fürstin Piccolomini der Besitz und die Administration des Schlosses und der Herrschaft Nachod entzogen werden sollte.

Mit diesem überfiel er plötzlich die nichts Böses ahnende Fürstin und spielte sich in rücksichtslosester Weise als Herr auf. Die unglückliche Maria Benigna fügte sich zwar dem kaiserlichen Befehl in Bezug auf die Abtretung der Administration, protestierte aber feierlich gegen jedes weitere Vorgehen des Marchese, soweit derselbe den ihr rechtmäßig zukommenden Witwensitz im

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Schloß und „die ihr gebührenden beneficia“ betreffen würde. Sie räumte dem Marchese einen Teil des Schlosses zur Wohnung ein und sandte die Schlüssel hierzu an den Königgrätzer Stadthauptmann Grafen Walstein, den sie überhaupt um Hülfe und Schutz anrief.

Es begann nun eine schlimme Zeit für die fürstliche Witwe. Der Marchese Guadagni schickte die treuen Diener, und die Musketiere, welche zum Schutz des Schlosses dienten, fort, und behielt nur diejenigen, die sich ihm demütig zuwandten. Die Fürstin schreibt hierüber: „er sagte den mir treuen Leuten zum höchsten Schimpfe ab, wodurch er einen Aufruhr unter den Unterthanen verursachte, welche nach so vieljährig genossenen aller leib- und geistlichen Werken der Barmherzigkeit ganz unerträgliche Schimpfreden ausgestoßen, derowegen meine Ehre zu defendiren ich mich des Wittib-Sitzes versichern mußte.“

Natürlich traf die Fürstin alle möglichen Gegenmaßregeln. So wandte sie sich Hülfe erbittend an Kaiser Leopold, welcher indessen mit einer Sequestrierung der Herrschaft Nachod drohte, falls die „Querelen“ zwischen beiden Parteien nicht aufhörten; sie stellte ihre Forderungen an den Erben Lorenzo zusammen, und der Marchese machte eine „spöttliche und kahlmeiserliche“ Gegenrechnung, welche die Fürstin auf das Höchste erbitterte und kränkte. – Kurz, die arme Maria Benigna hatte üble Tage. Und obwohl sie 1681 den Gerichten ihr Recht so klar vor Augen legte, daß die königlich böhmischen Landrechte erkannten und bestimmten, daß der Widerspruch des Fürsten Lorenzo gegen die Einführung der Fürstin als Administratorin zu kassieren und dieselbe in allen ihren Rechten zu belassen sei, so nützte diese Entscheidung gar nichts, denn Guadagni protestierte aufs Neue. So schleppte sich der Prozeß noch mehrere Jahre hin. Endlich trafen sich die Fürstin und Fürst Lorenzo einmal und es fand eine Aussprache

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und Versöhnung statt. Man einigte sich 1683 dahin, daß die Fürstin außer der Aussteuer von 100 000 Gulden sich mit einer jährlichen Rente von 4000 Gulden aus der Herrschaft Nachod begnügte.

Dieser lange Prozeß hatte Unsummen gekostet, und Marie Benigna war gezwungen gewesen, viele ihrer Kleinodien zu verpfänden. Das Verzeichnis derselben ist im Archiv zu Nachod vorhanden und enthält u. A.: „Ein Walfisch in Goldt gefaßt von Perlen undt mit Rubinen carmisirt … Ein perlener Mann … Ein Bortel von Perlen u. Rubinen … Ein Jaspis Uhrl …“

Wenn auch diese Kostbarkeiten nach dem Vergleich wieder eingelöst wurden, so mußte die Fürstin doch schon 1686 in Prag, wohin sie von Nachod übergesiedelt war, für mehrere Tausend Gulden Diamanten verkaufen.

Es scheint nun eine friedlichere Zeit für Maria Benigna gekommen zu sein. Das Verhältnis zur Familie Piccolomini war seit der Aussöhnung ein herzliches und gutes. Davon geben zwei im Archiv vorhandene Briefe der Fürstin Zeugnis. Der erste ist eine Erwiderung auf die Vermählungsanzeige des Fürsten Lorenzo und lautet:

„Hochgebohrner Fürst! Geehrter Herr Vetter!

Euer Liebden Schreiben empfing ich mit Vergügung weillen mir’s dero vohrhobende Heyrath erzählt, der göttliche Segen überschütte Euer Liebden so lobwürdiges Vorhaben und lasse dadurch diesen glorwürdigen Nahmen unzählbare Jahre floriren, so zu einem absonderlichen Trost ich zu erleben verlang, mit welchem mich in Eure Liebden verharrende Gedächtnuß befiehl, als die man begraben wirdt.

Euer Liebden dienstwillige Mahms (Muhme) u. Dienerin

M. B., Fürstin Piccolomini d’Arragona
Wittib, gebohrene Hertzogin zu Sachsen.“

Der zweite ist zur Geburt eines Sohnes beim

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Fürsten Lorenzo geschrieben, und sie nimmt die Pathenstelle bei diesem mit Dank an. Sie würde sich freuen, wenn daß liebe Kindt nach dem Herrn Unkel der Nahme Octavio kunnte geben werden, und wünscht dem „neugebornen Söhndl daußendt Glück“.

Inzwischen war der Vater der Fürstin gestorben, die Regierung des Herzogtums Lauenburg auf seinen Sohn Franz Erdmann, und nach dessen tode auf den Bruder, Julius Franz, übergegangen. Dieser war ebenfalls 1689 in Reichsstadt in Böhmen verstorben, ohne Söhne zu hinterlassen, und mit ihm erlosch der askanische Mannesstamm des Hauses Sachsen-Lauenburg. Das Herzogtum kam nach vielen Streitigkeiten an Braunschweig-Lüneburg-Celle.

Das bedeutende Allodium, zu welchem die vielen Güter in Böhmen gehörten, wurde unter die Prinzessinnen verteilt. Selbstverständlich beanspruchte auch die Fürstin Piccolomini ihren Anteil. Sie hatte nun aber einmal kein Glück in Geld-Angelegenheiten, und mußte einen Prozeß mit den anderen Erbinnen führen, welcher sie so viel Geld kostete, daß sie sich sogar ein Armutszeugnis ausstellen ließ, in der festen Hoffnung, daß der Prozeß zu ihren Gunsten entschieden würde. Aber damals waren die Gerichte entsetzlich langsam und das Verfahren dauerte Jahre.

Endlich nahm der Kaiser, an welchen die Fürstin sich hülfesuchend gewandt, sich dieser an, und erreichte einen Vergleich der Erben, in welchem Maria Benigna allerdings nur den 12. Teil dessen, was ihr zukam, erhielt.

Die Schulden der Fürstin waren durch den Prozeß sehr groß geworden. Ihre Einkünfte aus Nachod waren auf Jahr hinaus, verpfändet, und sie, welche so gern und reichlich gab, sah sich gezwungen, sehr sparsam und haushälterisch zu leben.

Abermals wandte sie sich an den Kaiser und dessen Gemahlin Eleonora Magdalena und bat, sie möchten ihr

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„genugsam Mittel zum Leben zu bewilligen, da doch viele Witwen die kaiserliche Gnade genossen hätten, deren Ehemänner treugeleistete Dienste mit denen ihres seligen Gemahls nicht zu vergleichen gewesen wären.“ Auch bittet sie den Kaiser, ihr das Schloß Murau in Ober-Ungarn zum Witwensitz, welches schon viele Ministerwitwen hätten bewohnen dürfen, „ad dies vitae, allergnädigst anzuweisen“.

Um ihre Angelegenheiten besser betreiben zu können, reiste die Fürstin nach Wien. Sie hat indessen ihren Zweck wohl nicht erreicht, denn sie starb Anfang Dezember oder Ende November desselben Jahres (1701), nach dem Zeugnis des Dr. Bitter „an einem langwierig abgezehrten Fieber und kaltem Brande“.

Im Hause des ihr jedenfalls gut befreundeten Hofkammerrats von Pertholotti schloß Maria Benigna Fürstin Piccolomini die müden Augen für diese Welt. Ueber fürstlichen Glanz und Schimmer breiteten sich, je älter diese edle Frau wurde, um so mehr die dunklen Wolken der Sorge und des Kummers und erst der Tod befreite sie von allem Leiden.

(Hb. Nachr. Belletr.-litterar. Beilage No. 42.)



 

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