Jahresband 1895

Archiv des Vereins für die
Geschichte des Herzogthums Lauenburg


Contributionsrechnungen
des Amtes Schwarzenbek
aus den Jahren 1670-79

[Dr. Hellwig, Ratzeburg]

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In der Zeit der Überführung der alten Verwaltungseinrichtungen des vormaligen Herzogtums Lauenburg zur Übereinstimmung mit den Einrichtungen im Königreich Preußen, also etwa zwischen 1869 und 76 wurden die Archive der Regierung und der Ämter einer Sichtung unterworfen und alles nach dem Dafürhalten des dazu verordneten preußischen Beamten Wertlose herausgenommen und zum Einstampfen vekauft. Leider hat man damals nicht den rechten Mann mit diesem Geschäft betraut, und es ist unendlich viel dabei verloren gegangen, was für unsre Geschichte, sowie auch für die allgemeine deutsche Geschichte und Kulturgeschichte vom größten Werte gewesen sein würde. Einige Kleinigkeiten sind von einsichtigen Leuten damals gerettet worden, unter andern auch ein Bündel Contributionsakten des Amtes Schwarzenbek aus den Jahre 1670-79, enthaltend: 1) 4 Vieh- und Hufenschatzregister und zwar eins von 1671, Kladde und Reinschrift, ein undatiertes von 1673 und eins von 1674; 2) 10 Contributionsgeldregister von 1670-79; 3) eine Specifikation der gesamten ordinären und extraordinären Contributionsausgaben von 1674-78;

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4) 9 Anmahnungsschreiben der hochfürstlichen Regierung an die Beamten in Schwarzenbek wegen Abtragung der ordinären Contribution von 1676 und 1677.

Es sind also sämtlich veraltete Steuersachen, die nach der Ansicht des erwähnten Archivrevisors keines Menschen Interesse mehr erregen konnten. Der reiche Inhalt, den die folgenden Mitteilungen nicht einmal erschöpfen, wird wohl etwas andres lehren.

Zum besseren Verständnis mögen die Verwaltungseinrichtungen des Herzogtums Lauenburg während des 17ten Jahrhunderts, soweit sie hier von Wichtigkeit sind, kurz angegeben werden. Herzog von Lauenburg war von 1666-89 Julius Franz, katholischer Religion, meist auf seinen böhmischen Gütern lebend, bei seiner Anwesenheit im Lande aber auf dem Schlosse in Neuhaus residierend. Seinem Hofstaate stand vor der Obermarschall Reichsgraf Joh. Ernst von Wallenrodt und unter diesem der Marschall von Wedel. Kommandeur der fürstlichen Truppen und Kommandant der Festung Ratzeburg war der Major von Falckenberg mit dem Titel Hochedel und Se. Gestrengen. Er leitete zugleich, soweit man davon sprechen kann, das Kriegsdepartement. Exerciermeister des Bauernaufgebots war ein alter Rittmeister aus dem dreißigjährigen Krieg, Namens Mathias von Junge. An der Spitze der Landesregierung stand der Kanzler Dr. Johann Eichel von Rautenkron, Vicekanzler war der Rat Bunkenburg, Kanzlei- bezw. Kammerräte die Herren Heiland und Pellicerus. Landmarschall war Herr von Bülow, einer der (4) Landräte ein von Bodeck. Es gab damals 4 Ämter, nämlich Ratzeburg, Lauenburg, Schwarzenbek und Neuhaus, denn die Vogtei Mölln war noch bei Lübeck und Steinhorst noch bei Holstein. Amtmann in Schwarzenbek war bis 1670 Johann Busch. Nach seinem Tode führte die Contributionsrechnungen der Kornschreiber Johann Ulrich Sehl und seit 1676 der Amtsschreiber August Schmidt. Unter dem Amte stand der Hausvogt Jürgen Havemann und die Waldgräfen Hans Meyer in Brunstorf, August von Stade in Aumühle

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und Franz Lülf Höltich in Schwarzenbek; Amtsdiener waren Franz Brandt und Franz Marggraf; Wildschütz (Förster) Ludolf Hagen in Schwarzenbek. Die Ämter hatten im wesentlichen die Polizei, die Domänenverwaltung und die Einziehung der Steuern und Gefälle zu besorgen.

Unter Contribution ist die ehemalige einzige direkte Steuer zu verstehen, mit welcher die Ausgaben zur Unterhaltung der kleinen stehenden Truppe, welche seit dem 30jährigen Kriege gehalten wurde, und die Reichs- und Kreisanlagen bestritten wurden. Erst 1669 hatte das Land auch die Beiträge zum Kammergericht (Kammerzieler), 304 Thlr. 32 Kreuzer jährlich, welche bis dahin aus der fürstlichen Kasse gezahlt worden waren, übernommen. Über die Höhe der alle Jahre nötigen Steuersumme einte sich die Regierung mit dem nach Büchen berufenen Landtage. 1669 waren im ganzen 6000 Thlr. zu zahlen, 1670 mit Einschluß von Legationsspesen und 15 Römermonaten bereits 8000 Thlr. Die Römermonate sind eine Reichssteuer, ursprünglich zur Erhaltung des Reichskriegsheeres bestimmt. Ein Römermonat stellte den Sold des Reichskriegsheeres für einen Monat dar und war nach dem Reichstagsabschied von 1521 auf 118000 Gulden festgestellt. Lauenburgs Contingent zum Reichsheere bestand aus 8 Leuten zu Pferd und 30 zu Fuß. Ein einfacher Römermonat stellte für Lauenburg die Summe von 189 Thlr. in Gold dar. Bewilligt wurde diese Steuer zwar vom Reichstag, doch geschah die Specialbewilligung oder Unterverteilung durch die einzelnen Kreistage, so für den Niedersächsischen Kreis durch den Kreistag zu Lüneburg.

Von der Gesamtsumme der Contribution übernahm Ritter- und Landschaft einschließlich der Städte Lauenburg und Ratzeburg 1/3, die vier Ämter verteilten die übrigen 2/3 zu gleichen Tilen unter sich, doch mußte Ratzeburg dem Amte Schwarzenbek 1/10 wieder abnehmen wegen der Vogtei Borstorf (Borstorf und Bälau), die also bei Einziehung des Klosters Marienwohlde ursprünglich dem Amte Schwarzen-

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bek zugelegt wurde, später aber unter die Verwaltung Ratzeburgs kam. Diese Abrechnung unterblieb übrigens seit 1676, außer soweit es sich um die Beiträge zur Landesmiliz handelte. Dagegen mußten Schwarzenbek, sowie die beiden andern Ämter auf fürstlichen Befehl eine Zeitlang 10 Thlr. Contribution per Monat für Neuhaus übernehmen, wahrscheinlich nachdem Neuhaus im Frühling 74 stark durch andauernde Überschwemmung gelitten. Die Unterverteilung der Contribution innerhalb der Ämter auf die einzelnen Dorfschaften geschah seit 1670 nach dem Viehschatz. Die ältere Verteilungsart war die nach dem Hufenschatz gewesen, wonach auf die Vollhufe 6 Thlr. entfiel. Diese ältere Verteilungsart wurde bisweilen noch nebenbei angewandt zur Verteilung der Zusatzsteuer, wenn der Viehschatz etwa nicht ausreichte, oder wo der Viehbesitz ein zu geringer war. Der Viehschatz bezog sich auf Pferde, Rinder, Ziegen, Schafe und Bienenstöcke. Schweine und Federvieh blieben außer Ansatz, da von ihnen bereits Naturalabgaben unter dem Namen Domanialgefälle eingehoben wurden.

Der Einschätzung zur Steuer ging eine Viehzählung voraus: Die Bauern wurden in die Bauervogteil bestellt und mußten die Stückzahl ihres Viehs angeben. Manche weigerten sich zu kommen und mußten erst mit Gewalt dazu genötigt werden. Die gemachten Angaben waren aber sehr unzuverlässig. Erst eine Nachzählung des Viehs durch die Amtsdiener ergab die richtige Anzahl. Das Vieh der Beamteten mit Einschluß der Baumschließer (Zoll- und Wegewärter) und Bauknechte (Gutsleute auf den Domänenhöfen) hatte Befreiung, ebenso das der Pensionarien, d. h. der Pächter herrschaftlicher Güter, Mühlen, Krüge u.s.w.; doch mußten die Handwerker, Papiermacher, Kupferschmiede, Amtsschäfer (in Schwarzenbek, Aumühle, Fahrendorf und Rotenbek) eine Kopfsteuer für sich und ihre Knechte zahlen. Die Einziehung der Gelder geschah durch die Bauervögte, die die gesammelte Summe entweder selbst zu Amt trugen oder sie von den Amtsdienern und Waldgräfen abholen

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ließen. Jeder Bauer hatte sein Contributionsbuch, worin ihm der gezahlte Betrag quittiert und etwaige Reste vermerkt wurden. Die Einzelbeträge machten aus für 1 Pferd, Rind oder Ziege je 8 ßl., für ein Fohlen, Kalb, Zicklein 4 ßl., ebensoviel für ein Schaf; für einen Bienenstock 8 ßl. Natürlich wurde nur soviel eingezogen, als nötig war, um die jedesmal fällige Steuerrate davon abzahlen zu können.

Die Viehzählungen, bei denen aber, wie gesagt, das steuerfreie Vieh nicht mitgezählt wurde, ergaben:
 

1671: Pferde 675, Fohlen 198; Kühe und Ochsen 1173, Jungvieh 813; Schafe 1654, Lämmer 1073; Altziegen 155, Jungziegen 87; Bienenstöcke 9. *)
 
1673: bei schärferer Zählung: Pferde 1037 und 86 Fohlen; Rinder 1542 und 845 Stück Jungvieh; Schafe 2030 und 1406 Lämmer; Ziegen 99 und 64 Zicklein, aber keine Bienenstöcke.
 
1674: Pferde 910 und 175 Fohlen; Rinder 1350 und 794 Jungvieh; Schafe 922 und 614 Lämmer; Ziegen 85 und 39 Zicklein; dazu 18 Bienenstöcke [in Börnsen (3), Wohldorf (4), Havekost (2), Kasseburg (5) und Möhnsen (4)].


Zu bemerken ist noch, daß die Amtsschäfereien zu Rotenbek, Aumühle, Fahrendorf und Schwarzenbek keinen Viehschatz, sondern Kopfsteuer entrichteten. Gleichwohl ist in dem Viehschatzregister von 1674 die Zahl der Schafe und Ziegen in diesen Schäfereien gesondert angegeben: in Rotenbek 416 Schafe, 36 Lämmer und 7 Ziegen; in Schwarzenbek 194 Schafe und 12 Lämmer; in Fahrendorf 230 Schafe und 20 Lämmer; in Aumühle 400 Schafe, 63 Lämmer und 1 Ziege. Gleichwohl wird gerade damals von den Schäfern geklagt, daß der üble Winter von 1673/74
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*) Zur Vergleichung seien hier die Resultate der Viehzählung im Herzogtum Lauenburg vom 15ten Februar 1862 angegeben:
Es entfielen damals auf das Amt Schwarzenbek 1050 Pferde, 4281 Stück Hornvieh und 4506 Schafe.

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ihnen ein großes Viehsterben gebracht, weshalb sie sich für diesmal der Kopfsteuer zu entziehen gedachten.

Das Amt Schwarzenbek umfaßte damals folgende Dörfer: Schwarzenbek, Brunstorf, Dassendorf, Horn, Escheburg, Börnsen, Kröppelshagen, Wentorf Wohldorf Grabau, Grove, Havekost, Möhnsen, Kasseburg, Kuddewörde, Talkau, Fuhlenhagen, Mühlenrade, Köthel, Schönberg und Franzdorf, letztere beiden unter einem Bauervogt. Außerdem waren fürstliche Vorwerke in Aumühle, Fahrendorf, Schwarzenbek und Rotenbek. Die angegebene Reihenfolge der Dörfer ist die offizielle. Talkau, Fuhlenhagen, Mühlenrade und Köthel waren nach 50jähriger Verpfändung an den Grafen von Oldenburg erst 1631 wieder ans Amt gekommen, Schönberg mit Franzdorf war lange Zeit Lehngut und wurde erst unter Julius Heinrich 1657 wieder zum Amte Schwarzenbek geschlagen; 1775 ist es bekanntlich zum Amte Steinhorst gelegt worden. Somit hat die amtliche Reihenfolge ihre guten geschichtlichen Gründe. In Escheburg und Schönberg waren Postspeditionen. Escheburg liegt an der alten Straße Bergedorf-Lauenburg, Schönberg am Winkel der alten Straßen Hamburg-Lübeck und Oldesloe-Mölln.

Interessant werden die vorliegenden Steuerregister durch die Verwendungszwecke, zu denen die Steuern flüssig gemacht wurden. Es ist ja das Jahrzehnt des 2ten Raubkriegs Ludwig XIV. von Frankreich gegen die Republik Holland und des von ihm veranlaßten schwedisch-brandenburgischen Krieges. Wir werden mitten hineingeführt in die üble Lage eines deutschen Kleinstaates, dem die Leiden des Krieges in vollem Maße zugemessen werden, während er doch weder imstande ist, an den Kriegsoperationen teilzunehmen, noch seine Neutralität aufrecht zu erhalten. Das Jahr von Maitag (Georgii) 1670 bis Maitag 1671 freilich verfloß den Lauenburgern im tiefsten Frieden. Nur in Sachen des Sachsenwaldes mußte eine militärische Demonstration gemacht werden. Im Perleberger Vertrag von 1420 hatte der halbe Sachsenwald den vereinigten Städten Ham-

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burg und Lübeck abgetreten werden müssen. Lauenburg aber deutete den Vertragspunkt später so, daß nur an einem bestimmten Orte des Waldes, den man willkürlich als den Herzogswald bezeichnete, von den Städten Brennholz geschlagen werden dürfe. Darüber entstand ein Reichsgerichtsprozeß, der von 1549 bis 1684 dauerte und trotz günstiger Entscheide doch für die Städte keinen Vorteil brachte; denn Lauenburg hinderte sie trotzdem mit Gewalt an ihrem Rechte. Am 12ten Dezember 1670 war vom Reichsgericht entschieden worden, was zum Sachsenwald zu rechnen sei, und Lauenburg aufgegeben worden, die klagenden Städte in den Genuß der Hälfte dieses Bezirks treten zu lassen. Im Februar 1671 versuchten nun die Städte wirklich Besitz zu ergreifen, und es wurde ihnen der entbehrliche Teil der Ratzeburger Garnison bis Dassendorf entgegengeschickt. Es dürften dies höchstens 50 Mann gewesen sein unter dem Befehle des Lieutenant Grothausen, des Fändrich Quetz und des Cornet Wanck. *) Nach 8 Tagen zogen die Soldaten wieder ab; das „Attentat“, wie die Rechnungen sagen, auf den Sachsenwald war glücklich abgeschlagen. Der ganze Kriegszug kostete dem Lande 40 Thlr. 28 ßl., denn schonender Weise wurde die „Soldatesque“ ohne Verpflegung einquartiert. Kaum ernster gestaltete sich die Sache im November 1671, wo man die Bauern einiger Dörfer, die Einspänniger **) und die Schwarzenbeker Garnison ***), bestehend aus einem Sergeanten und 4 Soldaten, aufbot und über 14 Tage
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*) Die kleine Armee des Fürsten, seine Leibgarde, bestand höchstens im ganzen aus einer Kompagnie und zwar einer aus Leuten zu Fuß und zu Pferd gemischten, wenn nicht etwa unter letzteren die Einspänniger zu verstehen sind (s. unten).
**) Einspänniger sind zum Gensdarmeriedienst abkommandierte Soldaten oder zum Dienst eingezogene bewaffnete und berittene Bauervögte.
***) Die Schwarzenbeker Garnison hatte ein Wachtlokal, das heutzutage noch steht (corps de gardi) beim Amtshaus, das zugleich als Gefängnis diente. Darin stand auch die Prügelbank (Esel), die oft genug angewandt wurde. 1674 wurde auf Befehl des Herrn Majors
 

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beieinander hielt zur „BEOBACHTUNG der städtischen Attentaten“. Der Ausdruck zeigt, daß es sich wiederum nur um eine Demonstration handelte. Immerhin kostete die Sache diesmal 170 Thlr. 33 ßl. 6 Pfg.

Anfang 1672 begann das Kriegsgewitter in der Ferne zu grollen. Man hörte, daß Frankreich und England sich verbündet hätten, um gemeinsam den Holländern den Garaus zu machen. Man vernahm aber auch, daß der große Kurfürst von Brandenburg der bedrohten Republik seine Hülfe angeboten hatte, und so war es gar nicht unwahrscheinlich, daß der Krieg nicht nur an den Grenzen Deutschlands toben, sondern sich auch ins Innere ziehen würde. Deshalb versammelte sich schon im April des Jahres in Lüneburg der Kreistag des niede5rsächsischen Kreises, um zu den sich vorbereitenden Ereignissen Stellung zu nehmen. Es konnte indessen kaum eine Gemeinschaft geben, in der so widerstreitende Interessen vertreten waren, als gerade hier. Der katholische Herzog von Hannover war französisch gesinnt und hätte am liebsten seine Truppen zu denen Ludwig XIV. stoßen lassen, wie der Bischof von Münster und der Erzbischof von Köln thaten. Die Schweden, die wegen der säkularisierten und ihnen im westfälischen Frieden zugesprochenen Bistümer Bremen und Verden dem Kreise angehörten, hatten einen heimlichen Subsidienvertrag mit Frankreich geschlossen, der sie verpflichtete, die deutschen Feinde Ludwigs XIV. erforderlichen Falls mit den Waffen anzugreifen; sie wünschten indessen ihre Subsidien in Frieden zu genießen, keinesfalls aber durften sie zulassen, daß der Kreis Partei gegen Frankreich nahm. Die Dänen, welche wegen ihres Anteils an Holstein ebenfalls dem Kreise angehörten, befanden sich mit den Schweden in einer Art Waffenstillstand, den sie bei ehester
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von Falkenberg eine neue gebaut. In Zeiten fremder Einquartierung mußten die Soldaten aus ihren Quartieren (in der Wache?) weichen und sich selbst im Dorfe ausquartieren. Dafür bezogen sie an Service monatlich der Mann 12 ßl., der Sergeant Scharr aber 20 ßl.

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Gelegenheit zu brechen wünschten. Die Herzöge von Celle und Wolfenbüttel waren im ganzen nicht abgeneigt, ihr Schwert aus der Scheide zu ziehen, wenn es dabei Land und Leute zu gewinnen galt; mit dem Brandenburger aber gemeinsame Sache zu machen, fiel ihnen nicht ein, vielmehr mißtrauten sie ihm. Die kleineren Kreisstände, wie Lauenburg, konnten unter diesen Umständen einen Einfluß überhaupt nicht ausüben; sie mußten die Majoritätsbeschlüsse gutheißen. Es ist daher nicht zu verwundern, wenn in Lüneburg zunächst die bewaffnete Neutralität beschlossen wurde, die den ausgesprochenen Zweck hatte, JEDER feindlichen Macht, vor allem aber dem Brandenburger, den Durchzug durch das Kreisgebiet zu sperren.

Am 21ten Mai sollten die Kreistruppen – Kreisdefensionsvölker – auf dem Sammelplatze bei Giffhorn sich zusammenfinden. Lauenburg mußte 6000 Thlr. Subsidiengelder zahlen in 2 Terminen, August und September – und zwar an die fürstliche Rentkammer in Lauenburg – und sein Kreistruppenkontingent stellen. an Schanzgerät wurden ihnen mitgegeben 54 Schubkarren, 12 Spaten und 69 Schaufeln, wenigstens ließ das Amt Schwarzenbek soviele anfertigen. Ihre Verpflegung, doch wohl einschließlich des Soldes, kostete 1200 Thlr. monatlich. Es dürften deshalb etwa 3 Kompagnieen gewesen sein, wovon freilich ein Teil als Besatzung der Festung Ratzeburg zurückgeblieben sein wird. In Neuhaus wurde die Kreiskasse eingerichtet, der der Sekretär Klopstock vorstand. Gemeiniglich unterzeichnete der Fürst die Quittungen für die eingehenden Verpflegungsgelder eigenhändig, in seiner Abwesenheit und wenn auch der Sekretär Klopstock nicht da war, wohl einmal der Musterschreiber. Aus der Bezeichnung Kreiskasse und daraus, daß der Fürst in Briefwechsel mit dem Grafen Ranzau in Breitenburg, dem Statthalter im königlich dänischen Anteil von Holstein, wegen der Defensionsvölker steht, auch aus den eigenhändigen Quittungen für die Verpflegungsgelder dürfte mit ziemlicher Sicherheit der Schluß gezogen

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werden, daß der Fürst nicht nur den Befehl über sein Kontingent, sondern über die gesamten Kreistruppen übernommen hatte. Über die Bewegungen dieser Truppen ist aus den Rechnungen nichts zu ersehen. Nur wird im Oktober 74 angegeben, daß dieselben sich in Marsch gesetzt haben und im April 76 wird erwähnt, daß dieselben bei der Reichsarmee am Rhein gestanden haben, während sie schon vom Mai 75 an als REICHS- UND Kreisvölker bezeichnet werden. Es ist also anzunehmen, daß die Kreisvölker im Oktober 74 nach dem Rheine aufbrachen, um sich mit der Reichsarmee zu vereinen. Inzwischen war übrigens das Kontingent bereits seit Januar 74 um 1/3 verringert worden, da von da an nur noch 800 Thlr. monatlich an Verpflegungsgeldern zu zahlen waren. Es war nämlich damals die Hoffnung auf baldige Beendigung des Krieges rege geworden. Nachdem der große Kurfürst sich schon am 6ten Juli 1673 genötigt gesehen hatte, den Separatfrieden von Vossem mit Frankreich zu schließen, war von Schweden ein Friedenskongreß nach Köln berufen worden, der von England, Frankreich und Schweden beschickt wurde und bis zum Februar 74 zusammenblieb. Wahrscheinlich hat sich Lauenburg durch den braunschweigischen Gesandten an diesem Kongresse mit vertreten lassen, wenigstens sind im Juli 73180 Thlr. braunschweigische Legationskosten aufzubringen. Der Friedenskongreß aber war seitens der Hauptmächte gar nicht ernstlich gemeint und wurde auch von den besser unterrichteten Mächten nicht so aufgefaßt; schloß doch der König von Dänemark vielmehr in demselben Monat mit der Republik Holland ein Bündnis ab. Durch den erfolgreichen Herbstfeldzug Montecuccolis wurde übrigens die Stimmung in Deutschland eine ganz andere. Es machte sich eine Art patriotischen Aufschwungs bemerkbar, der selbst die Fürsten sich nicht entziehen konnten. Im Februar 74 fiel vollends England von dem Bündnis mit Frankreich ab, und am 24ten April 74 schlossen die Herzöge von Celle, Wolfenbüttel und Osnabrück ein Bündnis mit dem Kaiser gegen Frankreich.

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Die Verhandlungen scheinen in Hamburg geführt worden zu sein, wenigstens hielt sich ein kaiserlicher Gesandter während des Aprils dort auf. Am 4ten April kam ein Eilbote aus Hamburg nach Neuhaus zum Herzog Julius Franz, der den bevorstehenden Aufbruch des kaiserlichen Gesandten zu melden hatte. Am 19ten und 25ten April kamen wiederum Boten an Se. Excellenz den Herrn Kanzler nach Neuhaus mit Briefen, „woran hochgelegen“. Letztere Botschaft war vielleicht die Anzeige von dem erfolgten Abschluß des braunschweigischen Bündnisses mit dem Kaiser. Am 24ten Mai 74 endlich ward der Reichskrieg gegen Frankreich vom Reichstag in Regensburg beschlossen. Endlich am 1ten Juli 1674 trat auch der Kurfürst von Brandenburg der Koalition gegen Frankreich wieder bei, aber erst Ende August brach er mit seinen Truppen von Magdeburg aus auf. Inzwischen bereitete sich der Schlag gegen ihn vor, den Schweden im Solde von Frankreich diesem gewichtigsten Gegner von hinterrücks beizubringen gedachte. Am 10ten August 1674 passierte der schwedische Regierungsrat Straußberg auf der Rückseite von Ratzeburg Schwarzenbek mit ratzeburgischem Regierungsfuhrwerk. Offenbar hatte dieser Herr mit der mecklenburgischen und lauenburgischen Regierung Verhandlungen wegen Durchmarsches einer Abteilung Schweden durch diese Länder gepflogen, der im November des Jahres stattfand.

Hierbei zeigt sich nun die Ohnmacht des Kleinstaates Lauenburg im hellsten Licht. Während seine Truppen wahrscheinlich schon auf dem Wege waren sich dem Reichskriegsheere zum Kampfe gegen Frankreich anzuschließn, mußte es dem Verbündeten Frankreichs sein Land erschließen und ihn mit Proviant versehen, die Generals- und Stabspersonen traktieren und um Haltung guter Mannszucht unter den Truppen noch besonders beschenken. Am 19ten November 74 gingen die Schweden bei Artlenburg über die Elbe durch Lauenburg nach Pommern. Sie trugen kein Bedenken Bremen und Verden einstweilen von Truppen

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zu entblößen, da auch die Braunschweig-Lüneburger samt den Kreistruppen wahrscheinlich schon am Rhein standen, während der Herzog Johann Friedrich von Hannover im heimlichen Einverständnis mit den Schweden stand und bereit war seine Armee für die fechten zu lassen. Auch die Schwarzenbekschen Unterthanen mußten bei dem Durchzug Wagen und Pferde als Vorspann und zur Nachführung des Proviants stellen. Amtsdiener waren 4 Tage unterwegs, um dieselben sicher aus mecklenburg zurückzubringen. Auch der Kommandant von Ratzeburg, umgeben von einem Stabe von Wildschützen und berittenen Bauervögten schloß sich dem Zuge an. Bei solcher Gelegenheit mußten selbst die Regierungsräte, der Landmarschall und andere Würdenträger zugegen sein, um den fremden Offizieren die Honneurs des Landes zu machen und sie zu traktieren. Der Durchzug kostete dem Lande 937 Thlr. 27 ßl. 6 Pfg. Im Dezember 74 erfolgte dann bekanntlich von Pommern aus der Einfall der Schweden in die Mark Brandenburg. Im April 75 kam ein Teil der Schweden aus Pommern auf demselben Wege zurück, weil inzwischen der freventliche Überfall eines deutschen Landes doch die Fürsten aufgeregt hatte und die Schweden für ihre bremischen Besitzungen fürchten mochten. Den Rückmarsch leitete der Oberst Kuhnstorf. Diesmal kostete er dem Lande nur 340 Thlr. 11 ßl. Im Juni erlitten die Schweden bei Fehrbellin jene wohlverdiente Niederlage, die den Ruf ihrer Unbezwinglichkeit für immer vernichtete. Der Kurfürst aber begnügte sich nicht damit die Feinde aus dem Lande zu treiben, sondern er wollte sie überhaupt ihrer deutschen Besitzungen berauben und Pommern für sich erwerben, daher sah er sich nach Bundesgenossen um und fand sie in dem König von Dänemark und den braunschweigischen Herzögen. Auch der Kaiser trat bald dieser Koalition gegen Schweden bei und ließ dieselben außerdem zu Reichsfeinden erklären. Nach von Kobbe III p. 85 soll der Kaiser damals den Dänen gestattet haben ihre Truppen in alle diejenigen Staaten des niedersächsischen Kreises einzuquartieren, die der

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Koalition gegen Schweden nicht beigetreten waren. In der That sammelte sich die dänische Armee im August 76 im Lauenburgische. Ins Schwarzenbeksche kam zuerst das Dragonerregiment des Oberst Heinrich von Seestedt. Der Oberst selbst nahm Quartier auf dem adlichen Gut Basthorst. Der Oberstlieutenant Claus von Örtzen lag in Schönberg, der Major von Angeloch in Escheburg, der Regimentsstab in Börnsen und zwar der Regimentsquartiermeister Heinrich Oldenborg, der Feldprediger, der Auditär, der Adjutant, der Regimentsfeldscher, der Regimentsgewaltiger (Profoß), Pauker und Trompeter. Das Regiment hatte 6 Kompagnien, zu je etwa 80 Pferden und zwar des Obersten Leibkompagnie, die des Oberstlieutenant von Oertzen, die des Majors von Angeloch, die des Rittmeisters Dühring, die des Rittmeisters Powisch und die des Rittmeisters Wackerbart. Der Oberst ließ sogleich durch seine Offiziere durch „Execution und scharfe Pressur“ der Unterthanen einen vollen Monatssold für sein Regiment einheben. Derselbe betrug uneingerechnet des Soldes des Obersten selbst und der drei Rittmeister, die wahrscheinlich ebenfalls in adlichen Gütern lagen 1809 Thlr. 32 ßl. Der Oberstlieutenant bezog 96 Thlr., der Major nur 30, ebensoviel der Regimentsquartiermeister, der Feldprediger 17 Thlr., Auditör und Adjutant je 23 Thlr., der Regimentsfeldscher 31 Thlr. 32 ßl., der Regimentsgewaltiger 14 Thlr., Pauker und Trompeter 18 Thlr. In diesen Summen sind indessen die Verpflegungsgelder mit inbegriffen. Denn die Offiziere führten ihre eigene Küche samt Dienerschaft mit ins Feld, jedem folgte ein Rüst- oder Küchenwagen. Sie verlangten und empfingen jedoch teils von Amtswegen, teils von den Unterthanen noch besondere Geschenke an Geld und Viktualien, die ihnen die Wirtschaft erleichterten. Jede Compagnie bezog an Monatssold 254 Thlr. 24 ßl. Da mit einer gewissen Gerechtigkeit verfahren wurde, ist anzunehmen, daß die übrigen Landesteile ganz gleich belegt und beschatzt wurden und daß an Geld bloß für die wahrscheinlich eingerückten 6 Regimenter

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allein etwa 12000 Mk. in diesem Monat ausgegeben werden mußten, abgesehen von den besonderen Kosten die den Quartierwirten aus der Verpflegung der Truppen und Fütterung der Pferde erwuchsen. Kommandeur der dänischen Armee scheint der Generallieutenant Friedrich von Arnstorff gewesen zu sein. Im Juli hatte er sein Hauptquartier in Schiffbeck. Dorthin begab sich der lauenburgische Marschkommissar von Wackerbart mit einem Trompeter und mehreren Dienern zu Pferd im Auftrag der fürstlichen Regierung. Am 31ten August war Arnstorff in Mölln, und dorthin begab sich der Hofrat Heiland, der Landrat Bodek und der Amtsschreiber Hartwich Brunsich von Lauenburg, um Sr. Excellenz 300 Thlr. als Geschenk zu überreichen, zur „Abwendung androhender Gefahr der Winterquartiere aufs ganze Land“. Auch seine Majestät der König Christian V. von Dänemark war bereits im Anzuge. Ende August hatte er noch sein Hauptquartier in Quickborn, einem Dorfe an der Landstraße von Altona nach Kiel. Am 2ten Oktober gingen die 4 Compagnien seiner Leibgarde zu Pferd unter Führung des Majors Fromm bei Reinbek über die Grenze und passierten Schwarzenbek; sie hatten eigentlich Ordre im Amte stehen zu bleiben. Ein Geschenk von 62 Thlr. veranlaßte aber den Major weiter zu ziehen. Im Vorbeigehen reichte man noch eine Seite Speck – 2 Thlr. an Wert – in seinen Rüstwagen. Sie nahmen ihren Weg durchs Amt Lauenburg nach Valluhn in Mecklenburg, wo sie etwa am 5. und 6. Okt. standen. Ein Pferd, das von ihnen aus der Koppel in Schwarzenbek mitgenommen worden, wurde dort von den nachgesandten Amtsdienern gefunden. Am 1ten Okt. passierte der Graf Ranzau Oldesloe. Schon vorher muß der König gekommen sein. Es wurde ihm nach Mölln und Salem für seine Hofhaltung Proviant geliefert im Werte von 600 Thlr. Der Proviant ward bis Mölln und Salem gefahren, darunter auch Wildwerk im Werte von 52 Thlr. aus dem Sachsenwalde. Es wird ausdrücklich angegeben, daß das Wildwerk zu beschaffen war für Se. Majestät von Dänemark und kurfürstliche

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Durchlaucht von Brandenburg. In der That hat eine Zusammenkunft beider Fürsten am 25ten Sept. in Gadebusch d. i. nach altem Stil am 15ten Sept. stattgefunden, woselbst der Kriegsplan verabredet wurde. Lauenburg überbot sich in Geschenken und Versprechungen für die dänische Armee. Noch im Oktober wurden in Lübeck 100 Tonnen Roggen und 100 Tonnen Hafer geliefert und aus Ratzeburg 100 Tonnen Rommeldeus à Tonne 6 Mk. 4 ßl. erkauft. Doch erreichte man damit wenig. Die Dänen hatten sich inzwischen aus dem Lande begeben und lagen vor Wismar. Von dort aus kam der Befehl die beiden dänischen Dragonerregimenter im Lager während der Kampagne mit Proviant zu versehen. Es war das schon genannte Seestedtsche Regiment und das des Generalmajors Sandberg.

Als dem Befehle nicht sofort nachgegeben wurde, erschien am 14ten November der Regimentsquartiermeister Heinrich Splett vom Sandbergschen Regiment mit etwa 65 Leuten zur Execution und blieb bis zum 11ten Dezember. Die Executionsgebühr betrug für 72 Portionen – 7 bekam der Quartiermeister – à Portion pro Tag 12 ßl., außerdem mußte bis zum 28ten Nov. noch pro Portion 14 ßl. Verpflegungsgeld gezahlt werden, erst dann gestattete man die Einquartierung der Mannschaften bei den Bauern. Die erste Lieferung war für die Woche vom 11ten bis 18ten November nach Wismar zu schaffen und zwar von jedem Amt für 2 Kompagnieen, von der Ritterschaft aber für 4, die zweite vom 18ten bis 25ten November und die dritte vom 25ten November bis zum 2ten Dezember; sie gingen in Wirklichkeit ab am 25ten November und am 3ten und 7ten Dezember. Es waren jedesmal zu liefern 2983 Pfd. Brot, 1491 Pfd. Fleisch, 12 Tonnen Bier und 91 Sack Hafer. Die Portion scheint somit zu 2 Pfd. Brot, 1 Pfd. Fleisch und 1 Kanne Bier gerechnet worden zu sein. Das Pfund Brot stand im Werte von 1 ßl., das Fleisch von 1 ½ ßl. Als Bier wurde das Schwarzenbeker Amtsbier geliefert, das pro Tonne 1 Thlr. 36 ßl. galt. Der Sack Hafer galt 1 ½ Thlr. Zuerst lieferte

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man alles getreulich in natura, hatte also die weite beschwerliche Wagenfuhr und mußte Amtsdiener ausschicken, um die Geschirre auch wiederzubekommen. Das Brot hatte man in Lauenburg vom Schäffer und von Jochim Jürgens erkauft, 3 Ochsen im Werte von 11-15 Thlr. trieb man hin, den Hafer erkaufte man in der Marschvogtei. Aber im Lager wurde alles nachgewogen und nachgemessen, und es ergab sich ein gewaltiges Manko. Die Rechnungen behaupten, daß die Regimentswaage unrichtig gewesen sei und daß man den Hafer über Gebühr mit Tonnen gemessen; kurz es mußte noch 195 Pfd. Brot, 191 Pfd. Fleisch und 12 ½ Sack Hafer mit Geld bezahlt werden, auch erhielt man die ledigen Biertonnen nicht zurück, man bezahlte sie denn mit 8 ßl. pro Stück. (Der Wert einer Tonne wird zu 16 ßl. angegeben.) Das zweite Mal lieferten die Unterthanen das Brot in natura, nun fehlten gar 334 Pfd.; Fleisch und Hafer zahlte man einfach in Geld. Das dritte Mal ließ man das Brot bei Jochim Dosse und Marx Weiner und Jochim Schwenn in Mölln backen, und diesmal fehlten bloß 22 Pfd., alles übrige wurde mit Geld abgemacht. Die Erlaubnis hierzu mußte von dem Regimentsquartiermeister mit Geld erkauft werden.

Den Offizieren wurden Viktualien in die Küche geliefert, beispielsweise dem Obersten von Seestedt 1 Kalb (3 Thlr.), 3 Gänse (à 12 ßl.), 3 Kammaun (à 12 ßl.), 14 Hühner (à 2 ßl.), 17 Pfd. Butter (à 4 ßl.), 1 ½ Seiten Speck (à 2 Thlr.), 1 Schock Schafkäse (24 ßl.), 3 Pfd. Lachs (à 5 ßl.) und 1 Tonne Rommeldeus (à 2 Thlr. 4 ßl.).

Im ganzen kosteten diese 3 Lieferungen dem Amte Schwarzenbek 728 Thlr. 35 ßl., dem ganzen Lande also rund 3600 Thlr. oder pro Woche 1200 Thlr. Wenn das Land nicht völlig ruiniert werden sollte, durfte das nicht so fortgehen. Glücklicherweise ergab sich Wismar den Dänen noch im Dezember, und der Rückmarsch der Regimenter nach Holstein begann. Sie hatten, wie sich später ergab, auf Winterquartiere in Lauenburg gerechnet, fanden sich aber

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getäuscht, denn hier rückten inzwischen kaiserliche Regimenter ein. Schon am 8ten Dezember kamen kaiserliche Quartiermeister nach Schwarzenbek, um die Quartiere festzustellen. Am 12ten rückte das Regiment des Obersten Christof Freiherr von Degenfeld ins Land und bezog Quartiere bis zum 17ten Februar 1776. Der Oberst kam zunächst mit 30 Personen und 36 Pferden nach Schwarzenbek und ging von da in das ihm und seinem Stabe angewiesene Quartier Börnsen. Er selbst mit seinem Troß logierte bei Michel Steffens, Peter Kiehn und Marten Lüdemann, der Oberstlieutenant bei Claus Kiehn und Benecke Steffens, der Oberstwachtmeister bei Hans Lüdemann und Michel Grimm, der Regimentsquartiermeister bei Franz Lüdemann. Börnsen war damals ein Dorf von 9 Hufnern und 3 Großkäthnern, von den Hufnern hatte jeder im Durchschnitt 10 Pferde und 20 Kühe im Statt, die Großkäthner hatten 4 Pferde und 3-5 Kühe.

Es war also jedenfalls ein sehr stattliches Dorf und wahrscheinlich auch durch die Ansehnlichkeit seiner Gebäude ausgezeichnet. Die Einquartierung des kaiserlichen Regimentsstabs sollte ihm aber zum Unheil gereichen. Die Bauern mußten den Offizieren Service zahlen und Fourage und Viktualien schaffen, viel mehr als ihnen zukam. 544 Thlr. 14 ßl. betrug das, was sie in Anrechnung bringen durften, aber auch das bekamen sie erst nach Jahr und Tag ersetzt, weil die Amtskasse außer Stande war zu zahlen. Durch unvorsichtiges Umgehen mit Licht entstand noch dazu ein Brand, der die Gewese von Benke Steffens und Hans Lüdemann in Asche legte. Außerdem bezog der Stab aber auch seinen Sold für die 10 Wochen von den 4 Ämtern und zwar im ganzen 1589 Thlr. 2 Kr. (kleine Groschen). Zu alledem mußten dem Herrn Oberst noch Viktualien vom Amt in die Küche verehrt werden, diese wurden berechnet vom Amt Neuhaus mit 34 Thlr. 10 ßl., vom Amt Schwarzenbek mit 40 Thlr, 3 ßl. Die Soldaten des Regiments scheinen indessen nur ihre Verpflegung in den Bauerquartieren, aber

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aber keinen Sold erhalten zu haben. Eigentlich sollten noch 6 Kompagnieen Schacksche Dragoner in Lauenburg gleichzeitig lagern. Man verehrte indessen dem kaiserlichen Generalquartiermeister Steinhaus und dem Stallmeister des Generals Graf Copp (Cop?), zu dessen Corps die Dragoner gehören mochten, 220 Thlr., und es war weiter von der unangenehmen Sache keine Rede. Die nach Holstein zurückmarschierenden Dänen – durch Schwarzenbeck kamen 2 Kompagnieen des Regiments des Oberst Gottfried, die des Oberstlieutenant Goldstein und die des Baron von Pletten und das Sestedtsche Regiment – scheinen ziemlich übler Lauen gewesen zu sein, daß ihnen die Kaiserlichen die Winterquartiere nahmen, und ließen sie gelegentlich auch aus. So quartierte sich ein dänischer Korporal mit 14 Reitern unbefugter Weise auf dem Hofe Fahrendorf ein, ließ sich bewirten und demolierte beim Abzug allerlei. Man hielt es daher für angezeigt, um eine Salvagardia der Kaiserlichen für dieses Vorwerk zu bitten. In der That lag dort der Oberstwachtmeister Jacob von Buchner mit einem Fourier und 2 Fourierschützen vom 14ten bis 25ten December, was immerhin einen Kostenaufwand von 24 Thlr. 26 ßl. zur Folge hatte. Den 17ten Februar 1776 brach das Degenfeldsche Regiment auf – wohin ist nicht ersichtlich – und wiederum mußten die Unterthanen Vorspann leisten. Die mitgehenden Amtsdiener waren 6 Tage unterwegs. Vorher hatten kaiserliche Kriegskommissare Musterung über die einzelnen Kompagnien des Regiments abgehalten. In die frei werdenden Quartiere rückte sofort ein anderes Regiment, und zwar das fürstlich badische, nach. Bereits am 23ten nahmen die zwei Kompagnieen des Hauptmanns Koppann und des Oberwachtmeister Johann Friedrich von Büring im Schwarzenbeckischen Quartier. In Schwarzenbeck selbst stand der Lieutenant Tschammer von der erstgenannten Kompagnie, zu dieser gehörte auch noch der Fähndrich Johann Ferdinand Graf von Thurheimb, zu der des Oberstwachtmeisters der Lieutenant Johann Hofmann von Brockhus. In Bergedorf lag der Hauptmann Graf von Herbertstein mit

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200 Leuten. Sein Fourier war Philipert Statthalter. Oberst des Regiments scheint Graf von Metterneck geweseen zu sein, Korpskommandant General Cob. Fourier der Koppaunschen Kompagnie war ein Herr Carl Ott Winanko von Wartenstein. Die Stabsverpflegung wurde vom Amt bezahlt, die Soldaten lagen in Bauernquartieren. Sold wurde nicht gezahlt. Im Mai und Juni scheint die Amtskasse versagt zu haben, so daß die Offiziere ebenfalls den Beuern ihre Verpflegungsgelder abpreßten, so nahm sie Hauptmann Koppaun von Dassendorf und Horn, Lieutenant Tschammer aus Brunsdorf, Fähndrich Graf von Thurheimb aus Escheburg. Vom 31ten Mai an, teilweise aber auch erst vom 6ten bis 9ten Juni an, wurden die Verpflegungsgelder um die Hälfte herabgesetzt, möglicherweise deshalb, weil von da ab Proviant geliefert werden mußte. Die Verpflegungsgelder betrugen à Portion 4 KG. (kleine Groschen) = 6 2/5 Schilling. Der Hauptmann Koppaun bezog 51 Portionen und zwar für sich und seine 19 Leute 30 Mundportionen und 7 Dienstpferd- und 14 Bagagepferdportionen. Lieutenant Tschammer hatt 5 Mund-, 2 Pferde- und 3 Knechtsportionen zu fordern, Fähndrich Graf Thurheimb 6 Mund- und Pferdeportionen, der Oberstwachtmeister von Büring 55 Stabsportionen, der Lieutenant von Brockhus nur 3 Portionen. Die üblichen Viktualien wurden auch hier noch obendrein gegeben.

Am 21. Juni marschierten auch diese Völker ab und zwar nach Demmin in Pommern, und mit diesem Tage hörte die Verpflegung auf. Es mußte aber, um diese Vergünstigung zu erlangen dem Generalquartiermeister vom Cobschen Korps ein Geschenk von 120 Thlr. gemacht werden.

Die Gespanne der Bauern, die den Marsch begleiten mußten, waren 14 Tage unterwegs. Um den Rückweg sicher machen zu können, bedurften sie eines Passierscheines, den der Musterschreiber vom Oberstwachtmeister Büring gegen Gebühr ausstellte.

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Proviantmehl mußte noch während des Juli zweimal nachgeschafft werden. Es wurde in Boitzenburg geladen und mit Wagen der Marschbauern bis Grabow und Güstrow in Mecklenburg nachgefahren.

Dieses Kriegsjahr kostete dem Amte Schwarzenbeck allein 8293 Thlr. 28 ßl. 6 Pfg. Es ist aber dabei zu berücksichtigen, daß das Amt seit Juni des Jahres 75 mit der regelmäßigen Contribution im Rückstand war. Erst im nächsten Jahre begann man, nicht ohne durch Execution dazu genötigt zu werden, langsam mit Abzahlung dieser Schulden, da das lauenburgische Militär, dem man infolgedessen schon monatelang den Sold schuldete, wegzulaufen begann. Im ganzen hat das Land also wegen des Krieges, an dem es ganz unbeteiligt war, offizielle Ausgaben in Höhe von 60 000 Thlr. gehabt, abgesehen von den Ausgaben der Unterthanen für Bequartierung der Truppen, die eher noch größer gewesen sind. So zahlen z. B. die Dörfer Dassendorf, Grabau, Schönberg und Horn, die während der letzten 12 Wochen ganz oder teilweis ohne Einquartierung geblieben waren, ihren aliquoten Teil Verpflegungsgelder ans Amt und zwar 415 Thlr. 1 ßl. 6 Pfg. Es war eine dringende Aufgabe der lauenburgischen Regierung Maßregeln zu ergreifen, die eine Wiederholung dieser Drangsale ausschlossen. Ohne nue Opfer war das aber auch nicht zu erreichen. Man schloß deshalb mit den Braunschweig-Lüneburgischen Häusern Zelle und Wolfenbüttel einen Traktat, wonach dieselben das Land vor aller fremden Einquartierung zu schützen übernahmen, dahingegen ihre Regimenter nach Bedürfnis im Lande stehen lassen, vor allem aber während 6 Wintermonaten vom November 77 bis April 78 und ebenso im nächsten Jahre 3 Kompagnieen zu Fuß und 2 zu Pferd sollten einquartieren und verpflegen lassen dürfen, außerdem sollten für 3 Stabspersonen monatlich 92 Thlr. 12 ßl. gegeben werden. Wie es nämlich im Winter 76/77 gegangen ist, weisen die Contributionsrechnungen nicht nach. Es ist weder für die Jahre 76/77 eine besondere Anlage in den geretteten Papieren

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vorhanden, noch in der erhaltenen Specifikation der sämtlichen Contributionsausgaben von 1674-78 außer der nachträglich für dieses Jahr gezahlten ordentlichen Contribution irgendwelche Ausgabe für diesen Zeitraum gebucht. Es ist daher bloß anzunehmen, daß die Kriegsoperationen in diesem Jahr das ausgesogene Land gar nicht berührt haben. Die 1677/78 einquartierten Lüneburger zu Fuß gehörten dem Regiment des Obersten von Schack an. Im Schwarzenbeckschen und Lauenburgischen lagen Mannschaften der Kompagnie des Hauptmann Bartitz, und von den Dragonern Leute der Kompagnie des Majors du Bocage (er hatte sein Quartier in Schnackenbeck) und zwar 1 Sergeant, 1 Korporal, 1 Spielmann, 2 Gefreite, 14 Gemeine und ein Marketenderpferd. Die zweite Kompagnie zu Pferd wurde überhaupt nicht einquartiert, sondern dafür monatlich 400 Thlr. gezahlt. Zur Verhütung fremder Bequartierung lagen schon seit dem 14ten September bis zum 14ten December 77 zwei lüneburgische Einspannier von der Leibgarde als Salvagardia im Amt, die mit Brot, Servis und Hafer zu verpflegen war. Der Traktat erwies sich als vorteilhaft genug. Zwar versuchte der dänische Oberst Philipp Fleischer schon im November 77 einige Notquartiere im Lande zu nehmen, man gab ihm aber ein Geschenk von 28 Thlr., und so marschierte er von Grande ohne Verletzung der Unterthanen in einem Zuge durch das Amt bis in die lübischen Dörfer, also wahrscheinlich nach Schretstaken und Tramm. Ebenso schob man einen kaiserlichen Fändrich von des Grafen Herberstein Compagnie, der mit 80 Mann und vieler Bagage im März 78 aus Dänemark zurückkehrte, indem man ihm Vorspann leistete und 3 Thlr. zum Geschenk gab, nach Mecklenburg (Walksfelde und Poggensee?) ab. Auch die lüneburgischen Offiziere mußten durch kleine Geschenke bei guter Laune erhalten werden, doch kostete die ganze Winterverpflegung alles in allem dem Amte nur 2068 Thlr. 24 ßl. und also dem ganzen Lande etwa 13000 Thlr., immerhin ein kleines Opfer im Vergleich zu denen des Jahres 75/76.

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Der Dienst bei den Lüneburgern scheint übrigens kein angenehmer gewesen zu sein oder bei der Werbung der Soldaten wurde nicht sehr skrupulös verfahren, denn während die Braunschweiger in Mecklenburg standen, wurde einmal im September 77 ein Sergeant mit 4 Soldaten nach Schwarzenbek gesandt und weiterhin zur Nachforschung nach Deserteuren.

Die Lüneburger zogen erst zum neuen Feldzug ab Mitte Juli 78. Sie sammelten sich hier, wie es einst die Dänen gemacht. Bemerkt wird, daß im Juni auch Artillerie und zwar 51 Pferde, im Amte lagen. Diese vergaß das Beschlagen und Aderlassen ihrer Pferde, daß der Schmied Johann Schröder in Schwarzenbeck besorgt hatte, zu bezahlen, so daß das Amt die Rechnung mit 12 Thlr. berichtigen mußte.

Der neue Traktat mit Braunschweig-Lüneburg für den Winter 78/79 stellte sich nicht ganz so billig, wie der vorausgehende. Es sollten wiederum für die 6 Wintermonate November-April einquartiert werden 3 Kompagnieen zu Fuß und 1 zu Pferd, für eine 2. Kompagnie zu Pferd, welche die Quartiere nicht wirklich bezog, mußten diesmal monatlich 600 Thlr. gegeben werden und außerdem zur Ablösung des Malortischen Regimentsstabs und dessen wirkliche Quartierbeziehung monatlich 900 Thlr. Im Amt Schwarzenbeck lagen 1 Korporal und 15 Reiter von des Oberstlieutenant Frokin Kompagnie. Sie erhielten laut Quittung des Regimentsquartiermeisters Wohlbrand Stockmann, der Korporal 9 Thlr. 24 ßl., der Gemeine 3 Thlr. 36 ßl. monatliche Gage. Außerdem lagen von der Kompagnie zu Fuß des Majors Bimont de Malortie vom Regimente des Oberst de Malortie im Schwarzenbeckischen 1 Korporal, 2 Spielleute, 6 Gefreite und 41 Gemeine. Im November und December 78 waren diese noch nicht wirklich in Quartier und bezogen deshalb außer der Gage noch Verpflegungsgelder, während der übrigen Monate aber allein ihren Sold, der für diese 50 Mann 87 Thlr. 12 ßl. betrug. Der Fußknecht bekam also etwa 1 ½ Thlr. monatlich

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Der Lieutenant Christian Brewitz von derselben Kompagnie bezog für sich und einen Knecht monatliche Gage 18 Thlr. 40 ßl. und der Fändrich Christian Schönberg ebenso für sich und einen Knecht 14 Thlr. 40 ßl. Auch diesmal blieben die Lüneburger noch bis Anfang Juli im Lande. Beim Abmarsch nahmen Rittmeister Jägers Koch und Knecht 5 Zug-Ochsen aus der Hudweide in Aumühle mit, die man mit vieler Mühe nach 14 Tagen durch ausgeschickte Amtsdiener wiedererlangte; doch mußte für jeden Ochsen 1 Thlr. erlegt werden. Gewalt ging eben vor Recht. Am 29ten Mai 1679 endigte der Krieg mit dem für Preußen so betrübenden Frieden von St. Germain en Laye. Eine weitere Deckung Lauenburgs druch die Lüneburger war nun nicht mehr nötig. Ein Nachspiel hatte der Krieg aber doch noch, da der König Christian V. von Dänemark, weil er sein Bequartierungsrecht Lauenburgs nicht habe völlig ausnutzen können, - eben wegen des Traktats mit Lüneburg – nachträglich Verpflegungsgelder verlangte. Da man sich weigerte zu zahlen, rückte 1684 der General Masbach ins Lauenburgische und besetzte Mölln; so mußte man sich den dänischen Ansprüchen fügen.

Die Rechnungen, so einseitig ihr Zweck ist, lassen aber auch noch hie und da Streiflichter auf entfernter liegende Zeitereignisse auf Sitten und Gebräuche der Zeit und die Verhältnisse des Herzogtums Lauenburg fallen.

Da sehen wir z. B. den ganzen Jammer, den der Krieg über einzelne Personen bringen, sie aus geachteter Stellung vertreiben, zum Krüppel und landfremden Bettler machen kann. So recht man am 20ten Juni 1670 einem armen von den Türken aus Ungarn vertriebenen Kirchen- und Schulbeamten, Namens Baltzer Kunig aus Großlichtig, von Amtswegen ein Almosen von 8 ßl. Der letzte Türkenkrieg hatte 1664 am 10ten August durch den Frieden von Vasbar (Ungarisch-Eisenburg) seinen Abschluß gefunden und den

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Türken Siebenbürgen auf Gnade und Ungnade überliefert. Bei dieser Gelegenheit muß der Genannte um Amt und Brot gekommen sein. Am 10ten November desselben Jahres erhält ein Kapitän Theodorus de Faber „so vor Candia geschossen, auch reine Recommandation vom Herrn Statthalter aus Hadlen gehabt, auf vielfältiges Anhalten“ ein Almosen in gleicher Höhe. Seit 1645 rang die Republik Venedig um den Besitz von Candia mit den Türken. Noch 1669 trafen deutsche Hülfstruppen in großer Zahl ein, darunter auch ein braunschweigisches Korps von 2400 Mann unter dem Befehl des Generals Josias von Waldeck. Ende September 1669 mußte sich die Festung indessen ergeben, und nun begann der Rücktransport der deutschen Hülfsvölker auf schlechten venetianischen Schiffen, der sich durch die Herbststürme so verlustreich gestaltete, daß nur der 4. Teil der Truppen die Heimat wiedersah. Einen der abgedankten Invaliden finden wir hier als trostlosen Bettler wieder.

In dem erst erwähnten ungarischen Kriege focht auch als kaiserlicher General (?) der Herzog Julius Franz von Lauenburg und erwarb sich 1664 in der Schlacht bei St. Gotthard bedeutenden Kriegsruhm. (s. v. Kobbe III p. 91.) Es liegt daher die Vermutung nahe, daß gewisse Schulden, deren Abstoßung in den Contributionsrechnungen erwähnt wird, als aus dem „ungarischen Kriege“ stammend, von Julius Franz selbst contrahiert worden seien. Es handelt sich um einen Kriegsvorschuß (zur Werbung von Truppen?) von 7478 Thlr. 17 ßl. 6 Pfg., der an die von Hackeschen Erben zurückzuzahlen war. Die Landstände hatten diese Schuld zwischen 1660 und 65 übernommen, nämlich „als Neuhaus noch im Posseß des Herzogs Franz Erdmann war“. Daraus geht nun ziemlich klar hervor, daß vielmehr Herzog Julius Heinrich der eigentliche Schuldner war. Auch dieser hatte (s. d. Archiv III. l. p. 15.16) 1625 und 26 mit einem Regiment hochdeutscher Knechte in Ungarn gelegen, worauf

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sich dann der Ausdruck „ungarischer Krieg“ beziehen mag. Diese Schulden also hatte Ritter und Landschaft nach dem gewöhnlichen Teilungsmodus zu tilgen übernommen. Da aber das Amt Neuhaus bei der Verteilung nicht herangezogen werden konnte, mußte das auf dieses Amt fallende 1/6 von den drei übrigen Ämtern mit übernommen werden. Schwarzenbeck zahlte noch 1669 aus den Fehmgeldern (Gerichtskosten?) 600 Thlr. ab und am 20ten März 1671 den letzten Rest.

Im schwedisch-polnischen Kriege, der durch den Frieden von Oliva 1660 seinen Abschluß fand, hatte Karl Gustav von Schweden 1658 Dänemark angegriffen und war nach Seeland übergegangen. Gleichzeitig überfluteten seine Truppen auch Holstein. Da zog der große Kurfürst im September 1658 die östreichischen Hülfstruppen unter Montecuccoli und die polnischen unter Czarnecki an sich und rückte, ohne besonderen Widerstand zu finden, durch Holstein und Schleswig bis Jütland vor. Am 14. December 58 ging er nach Alsen über. Vergeblich suchte er alsdann den Uebergang nach Fünen und Seeland zu bewirken. Schon beim Durchzug der Brandenburger, Polen und Kaiserlichen nach Holstein hatte Lauenburg derartig gelitten, daß der Herzog Julius Heinrich sich beim Kaiser deshalb beschwerte und bat, die Generalität anzuweisen, sein Land künftig zu verschonen. Am 27ten Oktober 1658 wurde in der That vom Hofkriegsrat in Wien ein entsprechender Befehl an Montecuccoli erlassen. (s. v. Kobbe III. p. 67, und dieses Archiv Bd. III. Heft 1. p. 39.) Im September 1659 begann der Rückmarsch der Brandenburger und Kaiserlichen aus Dänemark nach Pommern. (s. auch d. Archiv III. 1. p. 40). Mitte November 59 wurde indessen der Krieg daselbst abgebrochen und die Truppen bezogen Winterquartiere, Montecuccoli mit den Seinen in Lauenburg, wo er fast ein halbes Jahr liegen blieb, wahrscheinlich bis zum Frieden von Oliva, 3ten Mai 1660.

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Aus dieser Zeit stammten nun wiederum Schulden, die das Amt Schwarzenbeck wegen Proviantlieferungen und Verpflegungsgeldern der Kaiserlichen hatte aufnehmen müssen und deren Reste von 1670-74 abgetragen wurden. So hatte man 1660 ein Kapital von der Kirche in Hohenhorn, 333 Thlr. 16 ßl., aufnehmen müssen, das jährlich mit 5 % verzinst wurde und
1671 im April aus den Contributionsgeldern wiederbezahlt wurde. 1670 im December hatte man bereits dem Landrat Hieronymus Schultze auf Marschacht 100 Thlr. wiederbezahlt, die er dem Amte ebenfalls in Montecuccolis Zeit vorgeschossen hatte. Im März 73 wurden 6 Hufnern zu Kröppelshagen, Brunstorf und Wentorf 6 Ochsen mit je 12 Thlr. ersetzt, die man 1660 ihnen genommen und ins kaiserliche Hauptquartier geschickt hatte. Im Juni dieses Jahres endlich erhalten die Ratzeburger Bäcker wahrscheinlich wegen Proviantbrotlieferungen aus jener Zeit ihre Restforderung von 49 Thlr. 3 ßl. die Traditionen des dreißigjährigen Krieges scheinen bei Truppenführern und Soldaten um 1660 noch so wenig vergessen zu sein, daß ein friedlicher Durchzug noch nach 10 bis 15 Jahren von dem betroffenen Lande in seinen Folgen und Nachwehen gespürt werden konnte. „Zu den Zeiten Montecuccolis“ war hier zu Lande eine Schreckenserinnerung geworden.

Am 1ten Juni 1673 erfolgte nach in Hamburg vorausgegangenen Verhandlungen der Deputierten der Fürsten und Stände des niedersächsischen Kreises, (s. dieses Archiv II. 2. p. 71) eine Münzveränderung, wonach verschiedene Münzsorten außer Cours gesetzt wurden und bedeutend an Wert verloren. So wurde an Markstücken, 5 und 10 Schilingsstücken, Kl. und Groß-Düttchen und 4 Schillingsstücken der 8te Teil, an Groschen und Schillingsstücken aber der 4te Teil eingebüßt, während Kleine Silbergroschen, halbe Reichsmark und Sechslinge ihren vollen Wert behielten. Doch war mit dieser Münzänderung noch immer keine volle Uebereinstimmung mit dem Wert der Hamburger Münzen erreicht, denn noch am 24ten

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Mai 1576 mußte auf 500 Thlr., welche in Hamburg einzuzahlen waren, obgleich sie in in Lauenburg vollwertiger Münze eingekommen waren, 63 Thlr. 12 ßl. Aufgeld gezahlt werden. Eine ergötzliche Bemerkung machen die Rechnungen zu der Mankobuchung wegen unvermuteter Währungsänderung nämlich, daß noch am 5ten Juni 73 auf Ihrer fürstlichen Durchlaucht gnädigen Befehl der Prinzeß zu Franzhagen 83 Thlr. an kleiner Münze gegen Markstücke umgewechselt werden mußten, wie sie nach Quedlinburg verreiset“. Die Prinzessin verschaffte sich damit den Vorteil nur 12 ½ statt 25 % zu verlieren. Die Oberamtsinspektoren in Neuhaus, die Herren Johann Hergett und Hans Jocob Wittich machten dazu die Randbemerkung: „Bleibt im Abschreiben außen“. Die genannte Prinzessin war eine Tochter des 11ten Sohnes Franz II., Franz Heinrich, der 1658 zu Franzhagen starb, entweder Erdmute Sophie, Witwe des Herzogs Gustav Rudolf zu Mecklenburg-Schwerin, oder Eleonore Charlotte, Gemahling des Herzogs Christian Adolf zu Holstein-Sonderburg, die beide damals in Franzhagen lebten.

Von Festen und Gebräuchen damaliger Zeit finden sich ebenfalls Andeutungen in den Rechnungen . Z. B. wird am 24ten Mai 1674 (Pfingsten?) notiert: 40 ßl. haben 5 Musketiere zu Wentorf vertrunken, als solche nebenst dem Korporale dahin geschicket, um den „Duel-Romor- und Blumen uf hiesiger Grenzen nicht auszuführen verwehren helfen.“ Es handelt sich offenbar um einen alten Brauch, der zum Unfug ausgeartet war. Ferner wird zum1ten Mai 76 bemerkt, daß den Soldaten der Coppaunschen Kompagnie, welche vorm fürstlichen Haus in Schwarzenbeck gelegen und dort nach altem Brauch Maien gesetzt hatten, 2 Tonnen Bier gegeben wurden.

Von Naturereignissen findet sich angegeben eine große von der Elbe verursachte Ueberschwemmung, die vom 4ten April bis 25ten April 74 die Wege von Blücher bis Neuhaus

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unpassierbar machte. Der Winter 73/74 scheint ein sehr strenger und schneereicher gewesen zu sein, wenigstens vermeinten die Amtsschäfer sich der Verschatzung ihres Viehes entziehen zu dürfen, weil ihnen in diesem Winter so viel Vieh abgestorben war. Vielleicht hängt mit dieser Ueberschwemmung noch zusammen die Herstellung eines neuen Elbdeichs zu Tespe, dessen Bezahlung – 240 Thlr. – durch fürstl. Schreiben de dato Heilbrunn 18/28. Juni 75 angeordnet wurde. Es geht übrigens aus der Datierung dieses Schreibens zweierlei her, 1) daß der Fürst sich damals bei der Reichsarmee befand und 2) daß der Fürst sich für seine Person bereits des Gregorianischen Kalenders bediente. Auch auf dem nach Neuhaus zur Revision einzusendenden geschlossenen Contributionsrechnungen wird zum Datum beigesetzt st. vet. Eine andere auf fürstlichen Befehl ausgeführte Arbeit betrifft die Anlage eines Steinweges „von Grund aus neu“ in Wentorf aus der Herzkuhle bis zum Zollhaus. Er war 108 Ruten à 14 Fuß lang und kostete im ganzen 134 Thlr. 40 ßl. Die Steinbrüggarbeiten übernahm der Maurer Michel Bergholz und bekam à Rute 32 ßl. Gearbeitet wurde daran schon 1673; fertig gestellt wurde die Arbeit erst am 12ten Sept. 74. Die Unterthanen, welche Sand und Erde gruben und warfen, bekamen täglich 8 ßl. Für das Heranfahren von Steinen und Sand wurde 8 ßl. bezw. 1 ½ ßl. vergütet à Fuhre. Auch was der Bau eines ländlichen Hauses damals kostete, kann man aus den Rechnungen sehen. Die drei abgebrannten Börnsener Bauern bekamen den Zimmerlohn ersetzt. Baumeister war Zimmerer Johann Wenk. Der Wiederaufbau geschah erst 1678, also nach 2 Jahren, mindestens wurde da erst Ersatz geliefert. Der eine bekam 58 Thlr. 42 ßl., der andre 52 Thlr. 24 ßl., die Erkaufung des Schofes (Reeth) inbegriffen, der dritte gar nur 33 Thlr. 16 ßl. (Kate).

Zu den angedeuteten Bräuchen ist noch hinzuzurechnen, daß im Jahre 72 der Schäfer Hans Wölcken aus Schwarzenbek

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Landes verwiesen wurde, „vermöge Urteil“ und daß die Vollstreckung des Urteils durch den Scharfrichter Hans Gölter aus Artlenburg, welcher mit seinem Knecht zu diesem Zwecke nach Schwarzenbek gekommen war, vorgenommen wurde. Da derselbe bei dieser Gelegenheit im öffentlichen Wirtshause auf Amtskosten eine Zeche machte, kann der Verruf derartiger Leute zu jener Zeit nicht mehr so arg gewesen sein. Interessant ist vielleicht auch die Bemerkung, daß man ein Trinkgeld an weibliche Personen bezeichnet als zu einem Paar Schuhe gegeben. Ein armes altes Weibchen hatte dem dänischen Oberst Seestet 3 Wochen lang in der Küche gedient und aufgewaschen, „weil man dazumal keine Hofdienste haben können“ – thatsächlich hatten sich wohl die jungen Dirnen geweigert das verfängliche Amt zu übernehmen -; sie bekam unter jenem Namen 1 Thlr. Vergütung.

Mancherlei Anderes von Totschlägen, Kinderaussetzen, Verfolgen der Mörder, Gefangensetzen und Hinrichten deuten die Rechnungen an, so weit dadurch der Contriburtionskasse Kosten entstanden waren. Die Langsamkeit der Justiz geht z. B. daraus hervor, daß die beiden „Justifizierten“ Hans Hintze und Lorentz Ahlheit vom 26ten Sept. 74 bis 5ten Febr. 75 im Gefängnis saßen und im ganzen dem Gerichte 90 Thlr. 14 ßl. Kosten machten. Ein gefundener Toter wurde stets erst vom Landphysikus Dr. Sachs und Barbier Feldmann (aus Ratzeburg) oder auch von einem Notar recognosciert.

Auch das dürfte nicht ohne Interesse sein, daß es damals im Sachsenwalde noch Wölfe gab. Im Winter 78/79 scheinen sie besonders lästig gewesen zu sein, und es wurde vom Fürsten eine besondere Hetze auf sie angeordnet, an der sich der Wildschütz Lülf Hagen, der fürstliche Büchsenspanner, ein fürstl. Kammerdiener und Lütke Gerstenkorn beteiligten. Büchsenspanner und Kammerdiener werden, nebenbei bemerkt, nur mit Vornamen angegeben und zwar

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in der Form Johann Büchsenspanner und Mathes Kammerdiener. Die Unterthanen legten zur Linderung der Wölfe Pferde und Vieh (gefallenes?) aus und erhielten es im ganzen mit 17 Thlr. 8 ßl. ersetzt. Es wurden 5 Wölfe geschossen und dafür jedem der 4 Jagdteilnehmer 2 Thlr. 16 ßl. Schußprämien gezahlt.

An Namen damaliger Bewohner des Landes sind natürlich die Papier reich. Erstlich sind da sämtliche Hufner und Kätner des Amtes Schwarzenbek in den Viehschatzregistern mit Namen und Vornamen angegeben, darunter zahlreiche Familien, die noch in denselben Dörfern sitzen. Dann werden bei dieser oder jener Gelegenheit in den Rechnungen Namen von Beamten, Kaufleuten im Lande, in Lübeck und Hamburg genannt. Preise der Waren, Agioverhältnisse auf Gold, vieles, vieles andre läßt sich daraus erwähnen, was manchmal ganz ungeahntes Interesse erregt. Ist es doch nicht uninteressant, z. B. zu erfahren, daß in dem holzreichen Schwarzenbek doch schwedische Bretter verarbeitet wurden. Es gab eben damals diesseits der Linie Lübeck-Ratzeburg-Lauenburg wenig Föhrenholz, an dem doch jetzt so viel Ueberfluß ist. Auch die damals auf dem Lande üblichen Handwerke könnte man fast vollzählig aus den Akten herauslesen.

Bemerkenswert ist vielleicht der Ausdruck Netzknecht. So wird ein ¾ Hufner in Havekost bezeichnet, Namens Hinrich Schmidt. Gewöhnlich heißter aber bloß Hinrich Netzknecht. Möglicherweise gehörte es zu den Hofdiensten des Mannes bei fürstlichen Jagden im Sachsenwalde die Einlappung des Wildes zu besorgen.

Ganz erschöpfen läßt sich der reiche Inhalt der Papier nicht. Zum Schluße möge noch ein Brief des Krügers Jürgen Pauche aus Kötel mitgeteilt werden, der wegen Stil, Orthographie und Interpunktion doch immerhin merk-

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würdig ist. Natürlich hat Pauche den Brief weder selbst verfaßt noch geschrieben. Das fast ganz erhaltene Siegel von einem Siegelring zeigt ein Wappenschild mit einem Mann im Felde, der den linken Arm eingestützt hat und in der erhobenen Rechten irgendetwas trägt. Links und rechts von der Helmbekrönung stehen die Buchstaben D. M. Der Brief ist gerichtet an:
 

Dem Wol Ehren vesten großachtbahren undt Wollfürnehmen Herrn, Herrn Johan Uhlrich Sehl, Fürstl. Niedersa. Wolbestalter Kornschreiber zu Schwarzenbeck meinem Hochgeehrten H. dieses dienstl.
Schwarzenbeck.


Wol Ehren vester Großachtbahrer, undt Wollfürnehmer besonders Hochzuehrender H. Kornschreiber.

Deß Herrn gutte gesundthait und glückliches Wolergehen zu vernehmen ist mir allemahl erfreulich.

Mitt wenigen thue meinem hochgeehrten H. hiemit dienstlich berichten, wie das ich vernommen, das unter dem Köteler Huvenschatz mir auch zugleich 2 Thlr. mit angesetzet worden, Wiewoll ich nun schüldig, meines gned’sten Herrn begehren, sowoll auch desselben Beamten befehl gehorsamlich zu pariren, so thue doch dem H. hiemit hinterbringen, daß ich, Wie auch mein Vorweser, niemahlen mit Huvenschatz beschweret worden, absonders wen durch dieß gantze Landt alle pensionarien mit Vieheschatz haben geben müssen, so habe ich alß dan das meinige auch gar gerne gedahn, Bitte demnach meinem hochgeehrten H. hiemit dienstfl. er wolle es doch bei dehme, wie es allemahl gehalten worden, günstig bewenden lassen, in betrachtungk das ich doch in diesem Hauße gantz nahrloß und von dem Kruege gar nichtes zu genießen habe, also daß mir davon meine Schüldige

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pension Kümmer (Comparativ von kaum?) ohne dem außzugeben wirdt, ich wollte heute selber sein zu dem Herrn gekommen, wen nicht hohe nothwendigkeit mir verhindert hette, unterdessen verhoffe ich der H. wirdt in diesem gebührlichen begehren, mir seine gunst wiederfahren lassen, verpflichte mich dagegen, in allen vorfallenden gelegenheit, mit meiner Wenigkeit dem H. an die Handt zugehen, undt befehle ihme hiemit negst dienstfl. grueß, sambt dessen gantzer familij. in gottes gned’ge beschirmung, Actum Köttel d. 17. Marthi Ao. 1671.

Meines hochgeehrten Hn. Kornschreibers Stets Schüldiger
Diener

Jürgen Pauche.


 


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