Jahresband 1892

Archiv des Vereins für die
Geschichte des Herzogthums Lauenburg


Die deutschen Ortsnamen
in Lauenburg.

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[Hellwig, L. Dr.]
 

Anschließend an die im 2. Heft des 2. Bandes dieses Archivs von Dr. Hey in Döbeln gegebene Deutung der slavischen Ortsnamen unsres Landes, wage ich den Versuch, auch unsre deutschen Ortsnamen etymologisch und geschichtlich zu behandeln. Glücklicherweise bietet die große Mehrzahl derselben vom etymologischen Standpunkte aus nur geringe Schwierigkeiten. Das kommt daher, daß die Entstehungszeit der meisten Orte, bezw. ihre deutsche Benennung ins 12. und 13. Jahrhundert fällt. Bekanntlich waren die Colonisten, welche Graf Heinrich und Bernhard von Ratzeburg hier ansetzten, teils flandrischer, teils westfälischer Herkunft; doch wanderten auch gleichzeitig Barden, Holsten und Stormarer mit ein. Nur in Sadelbandien (d. h. in den heutigen Amtsgerichtsbezirken Lauenburg und Schwarzenbek), welches schon zu Karl des Großen Zeit dem direkten deutschen Einfluß unterworfen wurde, kommen einige ältere deutsche Siedelungen vor, deren Namensformen dem Wandel mehr unterworfen gewesen sind.

Die Namen zeigen fast durchweg eine gleichartige Bildung, insofern sie zum überwiegenden Teile Zusammensetzungen sind, hergenommen entweder von der Art der Siedelung, ob Dorf, Burg, Gehöft oder einzelnes Haus, oder von der Lage derselben auf dem Berge, im Thale, am Bach, Fluß oder See, im Walde oder auf dem weiten Blachfeld. Bei vielen ist die

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Flußbezeichnung erst nachträglich auf die Ansiedelung mitbezogen. Einige wenige verdanken ihre Namen andern Beziehungen. – Da eine Reihe ehemaliger lauenburgischer Dörfer noch heute in Besitz Lübecks und Mecklenburgs sind, andere im Laufe der Zeiten vergangen sind, erhebt sich die Frage, ob die heutigen politischen Grenzen und der heutige Bestand für diese Untersuchung maßgebend sein sollen, oder ob sie auf jene zurückzugreifen hat. Es wäre nun wohl ohne Zweifel das Richtigste, alle die Orte zu umfassen, die von der Colonisation unter den beiden ersten Ratzeburger Grafen betroffen wurden; aus Gründen der leichteren Zugänglichkeit der Quellen beschränke ich mich aber auf das Gebiet des heutigen Lauenburg mit Einschluß der mecklenburgischen Enclaven und aller lübischen Orte innerhalb der Kreisgrenzen, die ehemals zu Lauenburg gehörten. Auch so bleibt mir ein reiches Material, aus dessen Verarbeitung sich instruktive Gesichtspunkte genug ergeben.

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Die allgemeinste Bezeichnung einer Ansiedelung zum Zwecke der Feldbebauung ist das in allen germanischen Sprachen fast in derselben Form wiederkehrende „Dorf“. Im Gotischen bedeutet es geradezu das Feld. Es ist verwandt mit den lateinischen Wörtern turba ev. tribus und mit dem griechischen tyrbē. Die Grundbedeutung ist aber nach Curtius Griech. Etym. p. 205 Nr. 250 „Zusammenkunft“. So sagt der Schweizer z. B. noch jetzt „einen Dorf halten.“ Das Dorf ist also der Versammlungsort der Bewohnerschaft eines ländlichen Gaus inmitten der zerstreut liegenden einzelnen Gehöfte, wo man zusammenkam, um über gemeinsame Angelegenheiten zu beraten oder Recht zu sprechen. In unsern Ortsnamen findet sich diese urdeutsche Bezeichnung nicht weniger als 34 Mal; nur ist zu beachten, daß man bisweilen einfach die slavische Ortsbezeichnung in eine deutsche umwandelte, indem man das Wort Dorf anfügte; so z. B. sicher in Behlendorf.

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1. ABBENDORF (vorm. Abenthorp).

Schon 1130 vorkommend. Im Jahre 1678 erhielt es seinen jetzigen Namen Juliusburg von dem Herzoge Julius Heinrich, welcher daselbst seinen Sommerwohnsitz hatte. cf. Juliusburg. – Vom althochdeutschen Personennamen Abo oder Abbo, zusammenhängend mit got. aba der Mann, also Abo’s dorf. Auch bei Salzwedel giebt es ein Abendorf.

2. BARTELSDORF (vorm. Bertoldestorp).

Um 1230 besaß die Zehnteneinkünfte dieses Dorfes Reinfrid (von Schorlemer), einem alten Rittergeschlecht angehörend, dessen Mitglieder Ministeriale der ersten Bischöfe und Grafen waren. Daß einst Slaven die Gegend bewohnten, geht daraus hervor, daß, als man 1837 einen Grabhügel auf der Feldflur des Dorfes öffnete, darin eine vollständige slavische Beisetzung gefunden wurde. Schichtenweise lagen darin in 2 Reihen übereinander eine große Anzahl mit Asche gefüllter Urnen. Der erste Colonisator gab dem Dorfe seinen Namen. Es ist ganz deutlich Berthold’s Dorf.

3. BEIDENDORF (vorm. Begenthorp).

Schon 1293 kam das Dorf zur einen Hälfte, 1300 zur andern Hälfte an das Johanniskloster in Lübeck. Durch den Vergleich von 1747 kam auch die Landeshoheit an Lübeck. Um 1230 giebt es ein anderes Dorf im Lande Bretzen, welches seinen Namen führt von dem damaligen Zehntenbesitzer daselbst und vermutlichen Gründer Bege. Auch unser Beidendorf führt seinen Namen ganz sicher auf einen Bege ahd. Bega oder Beco zurück. Also Bega’s Dorf.

4. BERNSTORF (vorm. Bernestorp).

Bernstorf war ehemals ein Raubschloß, an demjenigen Teile des Schalsees gelegen, der von ihm den Namen führt. 1348 gehörte es der Familie von Zulen. Damals zerstörten es die Lübecker. 1740 kam es zugleich mit Stintenburg durch

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Belehnung an den berühmten dänischen Staatsminister Freiherrn Johann Ernst von Bernstorff, dessen Familie es noch gehört. Der Lage der Sache nach stimmen der Name des jetzigen Besitzers und der des Gutes nur zufällig überein. Berne ist Abkürzung von Bernhard. Also = Bernhard’s Dorf.

5. BLIESTORF (vorm. Blystorpe).

Um 1380 verkauften die Besitzer, die von Crumesse, das Dorf an den Lübecker Ratsmann Crispin. Damals war die Gegend umher sehr waldreich. Ein holsteinisches Bliesdorf zeigt die urkundliche Form Blisestorpe. Hey hält den Namen für slavisch. cf. II., p. 15. Er könnte aber auch zusammenhängen mit dem ahd. Frauennamen Biliza (etwa die Sanfte, Milde. Der entsprechende männliche Name ist der bekannte Billung, wie ja der erste Sachsenmarkgraf unter Otto I. hieß); also Biliza’s Dorf. Im Zehntenregister werden verschiedene Frauen als Zehntenbesitzerinnen genannt und auch Dörfer finden sich nach ihnen benannt, wie z. B. villa Elisabet, das spätere Neuhof. Noch näher käme der ahd. Frauenname Blida, der aber nach Förstem. P. N. p. 267 auf Franken, Bayern und Alemannen beschränkt sein soll.

6. BORSTORF (vorm. Borchardestorp).

Im Zehntenregister von 1230 ist der Name dieses Dorfes am unteren Rande der betreffenden Seite von einer Hand des 15. Jahrhunderts beigeschrieben, die Bemerkung selbst aber ist offenbar einem vollständigeren Exemplar des Zehntenregisters aus dem 13. Jahrhunderts entnommen. Als Zehntenbesitzer werden daselbst genannt Burchardus et Boleko. Dieser Burchardus ist nun höchst wahrscheinlich identisch mit dem Ritter Burchardus Lupus, welcher als bischöflicher Vasall in einer Urkunde des Jahres 1230 vorkommt. Borstorf muß sonach in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts gegründet, beziehungsweise colonisiert worden sein. Das hier bestandene Raubschloß ward 1349 von den Lauenburgern, Holsteinern

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und Lübeckern erobert und zerstört. Auf der Feldmark ist ehemals ein künstlich gearbeitetes Horn gefunden, das sich jetzt im antiquarischen Museum in Kiel befindet.

7. BRUNSTORF (vorm. Barunestorp).

1299 verkaufte die Herzogin Ingeborg das Dorf an Hesso von Hersloe. Im Zehntenregister findet sich das Dorf nicht. Gleichwohl muß es um seines Namens willen als sehr alt angesehen werden, denn es bedeutet Baronsdorf. Baron aber bedeutet in der Zeit, um die es sich hier nur handeln kann, d. h. im 9. und 10. Jahrhundert einen unmittelbaren Königsvasallen, dessen Lehen daher wohl auch von allen kirchlichen und weltlichen Lasten befreit war. Im Forstorte Kampenhäge sollen sich übrigens die Spuren eines alten Burgplatzes finden.

8. CASTORF.

Alte urkundliche Formen sind mir nicht bekannt. 2 mecklenburgische Dörfer, das eine bei Gadebusch, das andere bei Stavenhagen, zeigen die urkundlichen Formen Casenthorpe u. Kerstianesdorp. Das letztere wäre Christiansdorf. Ursprünglich gehörte das Dorf den in der ganzen Gegend reich begüterten Crumesses, wurde aber 1377 von diesen an A. Sterken in Lübeck verkauft. Daß der zum Gute gehörige Meierhof Christianshöhe heißt, ist Zufall. Siehe daselbst.

9. DALLDORF (vorm. Dalthorp).

Das Zehntenregister erwähnt das Dorf bereits. Die Familie von Dalldorf benannte sich nach ihm. Es ist in der That das Dorf im Thale = Thaldorf. dal altsächsisch = Thal, Schlucht, Grube.

10. DASSENDORF.

Urkundliche Formen fehlen. Indessen ist die Form durchsichtig. Sie geht zurück auf den ahd. Personennahmen Dasso (bezw. Tasso je nach der Gegend), der ja in seiner Demi-

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nutivform Tassilo als Name eines alten bairischen Herzogs bekannt ist. Also Dasso’s Dorf.

Neben dem Forstort Süsterbekshäge am Wege von Brunstorf nach Aumühlen liegen bedeutende Riesenbetten.
 

11. DÜCHELSDORF (vorm Raduchelstorp).

Das Dorf wurde 1520 von der Stadt Lübeck angekauft. Hey a. a. O. p. 17 erklärt es aus dem Slavischen. Doch ist es vielmehr eine Entstellung aus Roduchelsdorf. (Roduchelestorp.) Hruaducho (Hruodicho, ahd. p. n. könnte immerhin noch ein Deminutiv gebildet haben Hroduchilo). Dann wäre es also Rotteksdorf.

12. FAHRENDORF (vorm. Vorenthorp).

Fahrendorf war bis 1779 landesherrliches Vorwerk. Als man es niederlegte, bekamen 4 Hufner aus Kröppelshagen die Ländereien. Obwohl ihnen die Herrschaft Wohnungen kostenfrei erbaute, mußte militärische Gewalt angewendet werden, um die Hufner zum Umzug zu veranlassen. Jetzt befindet sich das Dorf im blühenden Zustande. Das Etymon ist fraglich; wahrscheinlich foroha, die Föhre, also Föhrendorf.

13. FRANZDORF (vorm. Schönhorn).

Bis 1775 gehörte dieses Dorf mit Schönberg zugleich zum Amte Schwarzenbeck. Auch hatte es mit diesem Dorfe gemeinsam einen Bauervogt. Jedenfalls geht der Name auf einen der Herzöge Franz I., Franz II. oder Julius Franz zurück; auf welchen ist mir nicht bekannt. cf. Nannendorf.

14. GIESENSDORF (vorm. Gieselbrechtestorp.)

Das Dorf kam 1424 durch Kauf an Lübeck. Ursprünglich gehörte es den Herzögen, von denen es 1392 an die Gronows verkauft wurde. Es ist Gieselbrechts Dorf.

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15. GOTTSCHALKSDORF (villa Godescalci).

Vergangenes Dorf im Kirchspiel Lütau; 1230 im Z R. erwähnt. Eines der 3 Dörfer, aus denen die Flur der Stadt Lauenburg entstanden sein wird.

16. HACKENDORF.

Das Dorf wurde erst 1614 errichtet und trägt seinen Namen wahrscheinlich nach dem ersten Anbauer Hacke.


17.
HAGELSDORP cf. Kählsdorf.


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HAKENDORF .

Bartel Lützow ließ etwa 1570 auf dem Seedorfer Felde einige Kathen bauen. Der erste Bauer, der da zu wohnen kam, hieß Claus Hake, gebürtig aus Sandesneben. Von ihm hat das Dorf seinen Namen. cf. Hagenau Grenzprotokoll von 1592.
 

19. HARMSDORF (vorm. Hermannestorp).

Mit dem halben Zehnten in Harmsdorf war um 1230 belehnt Hermann Coz. Dieser wird denn wohl auch dem Dorfe seinen Namen gegeben haben. 1295 ward das ganze Dorf ans Stift verkauft, später ist es an Lübeck gekommen, und 1441 gab Herzog Bernhard ^^ zu Gunsten Lübecks alle Rechte auf, die er noch an dem Dorfe hatte.

20. HORNSTORF.

Horn ist eine hervorragende Landspitze oder Berghöhe, vergl. Hohenhorn. In der That liegt Hornstorf etwas erhaben an einer großen Wiesenfläche, durch welche die Au nach der Waknitz fließt. Auf der Feldmark sind viele Hünengräber. Auf der Koppel Seekamp wurde 1839 ein Grabhügel geöffnet, in dem man Spiralringe, eine Lanzenspitze und andere Gegenstände von Bronce fand.

21. KÄHLSDORF.

Alte urkundliche Formen fehlen. Im Jahre 1321 über-

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trugen
die Gebrüder von Haghene an den Herzog Erich von Sachsen ihr hohes Gericht in den Dörfern Klempau, Hagelsdorf und Sarau. Die Lage von Hagelsdorf, von dem sonst nichts bekannt ist, könnte also wohl mit der von Kählsdorf übereinstimmen. Hagelsdorf wäre nun wahrscheinlich Hagilisdorf vom p. n. Hagilo oder Agilo. Man müßte also ein vollständiges Wegfallen des Anlauts und überhaupt eine weitgehende Entstellung annehmen, um Hagelsdorf und Kählsdorf zusammenzubringen. Eine Flurbezeichnung bei Kählsdorf heißt Kälkenberg. Nun sind Cailo und Geliko, und zwar beide von demselben Stamme, altdeutsche Personennamen. Darum kann es wohl sein, daß man die Wechselbeziehung von Hagelsdorf und Kählsdorf aufgeben und jenes als Hagilo’s Dorf, dieses als Cailo’s Dorf, oder modern und mitteldeutsch ausgedrückt KEILSDORF fassen muß.


22.
HOLSTENDORF (vorm. Wendisch Pogeetz).

Um 1230 wohnten hier noch Slaven, die später, dem Dorfnamen zufolge, durch holsteinische Colonisten ersetzt wurden, und zwar kann diese Colonisation geschehen sein durch den Johanniterorden, dem das Dorf seit 1228 gehörte, oder durch das Kloster Reinbek, an welches der Orden es 1252 verkaufte. 1482 kaufte Herzog Johann IV. das Dorf zurück.


23.
KLAPPENDORF.

Einige Äcker und Wiesen bei Krüzen heißen noch jetzt Klappendorf; eine andere Koppel östlich von der Chaussee Lauenburg-Schwarzenbeck wird alte Dorfstelle genannt. Es lag also hier ehemals ein Dorf Klappendorf. Ein entsprechendes Etymon ist schwer zu finden. Ein P. N. Klap findet sich z. B. in den Hann. St. R. 263 (Hans Idensen van deme Klape).


24.
NANNENDORF.

Auf der sogenannten Steinburg, einer steinigten Anhöhe bei Franzdorf finden sich deutliche Spuren einer alten Burg,

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wahrscheinlich die des 1349 von den verbündeten Herzögen von Lauenburg, dem Grafen von Holstein und den Lübeckern zerstörten Raubschlosses Nannendorf. Die Form ist abzuleiten vom ahd. p. n. Nanno. Also Nanno’s Dorf.


25.
NIENDORF (vorm. Nygendorp, Nienthorp, nova villa).

Es giebt 3 Niendorf; eins am Schalsee, eins im Amt Ratzeburg, eins an der Stecknitz. Alle 3 bezeichnen die Ansiedlung als neu. Sowohl bei Niendorf am Schalsee als Niendorf a. St. sind zu verschiedenen Zeiten Altertumsfunde gemacht worden. Am Schalsee fand man Steingräber, irdene Urnen und Streitäxte, an der Stecknitz Urnenscherben und einen kleinen Aschenkrug mit Knochenresten, Beweis genug, daß durch die Neuansiedlung ältere Ansiedelungen verdrängt wurden.

26. ÖDENDORF.

So heißt ein Forstrevier des Sachsenwaldes und eine Holzvogtswohnung daselbst. Dort stand ehemals das slavische Dorf Cemersdorf cf. Hey p. 15. Cemersdorf war 1230 noch von Slaven bewohnt. Konnte das Dorf später als ödes (desertus) bezeichnet werden, so mußten es die Slaven aus irgend einem Grunde aufgegeben haben. Freilich ist es ebenso möglich, daß Krieg oder Pestilenz das Eingehen der Dorfschaft in späterer Zeit erst veranlaßten. Bekannt ist darüber nichts.

26a. PUKENDORF (Pukentorpe).

Im Isfriedschen Teilungsbriefe von 1194 erscheint ein Dorf Pukentorpe, für welches im Zehntenregister Schenkenberge eingetreten zu sein scheint. Der altdeutsche Männername Puko scheint auf Purkhart zurückzugehen. Immerhin wäre die Form süddeutsch, was aber um so weniger auffallen kann, als unter Heinrich dem Löwen nachweislich so mancher Baier hier herauf verschlagen wurde. Der Dorfname bedeutet mithin Burghardsdorf.

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27. SCHULENDORF (vorm. Sculentorp).

Das einzige brauchbare Etymon scheint das niederdeutsche Verbum skulen = verstecken zu bieten. Viellecht, daß der bei dem Dorfe vorüberfließende Bach einst den Namen Scule trug. cf. den Schulensee bei Kiel. Ferner kommt im Mecklenburgischen schon im 13. Jahrhundert der Familienname Sculo vor. Die Ableitung davon ist also auch möglich.


28.
SEEDORF  (vorm. Sethorp).

Um 1230 giebt es ein deutsches und wendisches Seedorf; letzteres ist das heutige Gut Seedorf. Der Name bedarf der Erklärung nicht; er ist der Lage entsprechend. Wenn auch das slavische Dorf bereits um 1230 den deutschen Namen trägt, so beruht das wahrscheinlich darauf, daß sein slavischer Name in der That dasselbe bedeutete.


29.
SILKENDORF (Siltendorf und Sültendorf).

Silkendorf ist wahrscheinlich entstanden aus Sültendorf, das seine Erklärung findet in den beiden mecklenburgischen alten Ortschaften Sülten und Sülz. Sülten = locus prope Sternberg, ubi sal decoquitur und Sülz salina prope Marlow. Also Salinendorf. Siehe Silkenburg.


30.
STOCHELSTORP.

Das Zehntenregister erwähnt eines solchen Dorfes zwischen Cronsforde und Niemark. Die Erklärung ist auch hier unsicher. Am besten wird es wohl zu dem ahd. p. n stahal (cf. Förstem. P. N. p. 1019) = Stahl gezogen. Also Stahlsdorf.


31.
WENTORF (vorm. Wenetdorp und Wentorp).

Es giebt 2 Wentorf, das Schwarzenbecker und das Steinhorster. Die Form Wenetdorf in Bischof Heinrichs Urkunde von 1217 beweist, daß wir es hier in der That mit Wendendörfern zu thun haben. Interessant ist daran, daß hier sogar durch den Namen die Thatsache erhärtet wird, daß die Wenden

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zu gewissen Zeiten die Sachsengrenze weit überschritten hatten. Die Bezeichnung kann erst gegeben sein, als die Deutschen wieder ringsum festen Fuß gefaßt hatten. Ein Stein an der Bergedorfer Scheide heißt Verlo. Daß der Stein einen eigenen Namen gehabt hätte, ist wohl nicht anzunehmen. Es ist jedenfalls ein Scheidestein. Ahd. ferjo, mhd. ver st. m. = der Fährmann, = das Holz -, also Fährmannsholz.


32.
WOHLTORF (vorm. Woltorpe).

Es ist Walddorf. So zählt noch heute das hamburgische Wohltorf zu den sogenannten Walddörfern, weil es eben im Walde liegt.


33.
WOLTERSDORF (vorm. Wolterstorp).

Das Dorf wird bereits 1194 erwähnt. Es ist Walthers Dorf.


34.
WULFSDORF  (vorm. Wulvestorp).

Neben Wulvestorp auch die Form Wulverstorpe. Es ist also Wolfhartsdorf. 1300 und 1310 kam das Dorf an das St. Johanniskloster in Lübeck.

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Eine ähnliche Bezeichnung der Wohnstätte wie Dorf, nur etwas allgemeiner Natur ist das in Länder-, Volks- und Ortsnamen als 2. Teil der Zusammensetzung auftretende saza = Wohnsitz, Rastort. Bekannt ist das Elsaß (Alsatia) und die Holsten (Holtsati). Förstemann in seinen O. N. führt 34 Beispiele an. Hier in Lauenburg haben wir nur einen Ort, der diese altertümliche Bezeichnung trägt, dafür aber ganz klar und unzweifelhaft.

35. LANZE (vorm. Lantsaze).

Der nächstliegende Gegensatz ist Holtsaze, der Wohnsitz im Walde. In der That heißt das nächste Dorf Bochorst (Buchhorst cf. das.) Lanze ist seinerzeit offenbar der vorge-

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schobenste Posten in Sadelbandien gewesen. Es führte hier eine Furt über die Delvenau. 1592 ist vom Lanzer Furt die Rede. Es wird dort aber anders erklärt. Es sei ein Hafen für die Stecknitzschiffe gewesen, der aber mit der Zeit zugeländet sei. Lanze ist also Wohnsitz außerhalb des Waldes im freien Lande – Landsitz.

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Dem Dorf und dem Wohnsitz überhaupt steht gegenüber der befestigte Wohnplatz, die Burg. Burg hängt zusammen mit përkan = umschließen, in Sicherheit bringen. Burg bezeichnet also in ältester Zeit nur den umwallten Ort, wo man sich und seine beste Habe vor dem Hereindringen der Feinde barg. Dergleichen alte Ringwälle finden sich im Sachsenwalde und sonst im Lande (Sirksfelde) noch mehrere. Einige unsrer Ortsnamen auf Burg sind freilich als aus slavisch borz bezw. borju hervorgegangen erkannt. So Ratzeburg, Roseburg und Kasseburg cf. Hey p. 25, 28 und 8. Von einigen andern – sie bezeichnen Stecknitzschleusen – behauptet Herr Amtsgerichtsrat Dührsen-Mölln, daß sie mit bug von biegen zusammenhängen, da auch Feldgrundstücke in ihrer Nähe mit auf – bug endigenden Namen benannt seien. Eine andre Wahrscheinlichkeit ist die volksetymologische Angleichung von burg an bur aus ahd. bûr Wohnung, dän. buur = einzelstehendes Haus. (cf. Wesselburen (Weslingburen) in Norderdithmarschen.) Letzteres dürfte namentlich bei Escheburg und Fredeburg zutreffen.


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ARTLENBURG (Ertheneburg).

Artlenburg, obwohl jenseits der Elbe liegend und seit 1816 von Lauenburg abgetrennt, muß hier dennoch Erwähnung finden, da es mit der älteren Geschichte Lauenburgs eng verknüpft ist. 1181 wurde die Burg von Heinrich d. Löwen in Brand gesteckt, 1182 zerstörte Bernhard von Askanien den Ringwall und benutzte die Steine zum Bau der neuen Lauenburg. Doch hielt die Erteneburg schon 1205 wieder ein Be-

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lagerung aus, und um 1211 giebt es ein Neu-Ertheneburg. Noch im Jahre 1333 dachte Herzog Erich von Lauenburg an eine Wiederherstellung der Befestigung (cf. Hasse Reg. Nr. 830). Die Etymologie des Wortes ergiebt sich ziemlich zweifellos aus einer Urkunde des Bischofs Iso von Verden aus dem Jahre 1228, worin derselbe den Herzog Otto von Braunschweig mit dem ganzen Bruchland vom Erthenefluß bis nach Blekede belehnt. Der Fluß selbst ist heutzutage unbekannt. Da es offenbar eine der Bruchwettern war, liegt darin nichts Auffälliges. Die Gewalt der Elemente und Menschenhand haben den Lauf dieser Gewässer vielfach abgeändert, ihre Namen sind verschwunden oder vergessen. Es genügt die Kunde, daß im 12. Jahrhundert ein Fluß dieses Namens in der Gegend vorhanden war, um den Namen Ertheneburg mit Wahrscheinlichkeit an ihn anzuschließen. Erthene ist Erdenau. Ertheneburg ist mithin Erthenau-burg, ähnlich wie Boiceneburg die Burg an der Boitze ist. Bei Artlenburg war seit Alters ein frequentierter Elbübergang. Der Übergang aus Ertheneburg in Artlenburg wird deutlich aus den späteren Formen Attelnburg und Atlenburg. Daß durch Assimilation an t nicht ganz bewältigte r machte sich durch einen Nachschlag von l noch geltend. Erst die neuere Zeit mag das r wieder an seine Stelle gesetzt haben, ohne aber die übrigen Veränderungen wieder aufzuheben.


38.
ESCHEBURG.

Urkundliche Formen sind mir zwar nicht bekannt, aber der Name ist ja durchsichtig und klar. Noch mhd. heißt der Eschenbaum der asch. gen. plur. asche. Es ist also in der That Eschenburg, bezw. das einzelstehende Wohnhaus unter Eschen. Vormals soll hier ein Schloß gestanden haben, von dem man beim Nachgraben noch Spuren von Fundamentsteinen gefunden haben will?! Im 14. Jahrhundert gehörte das Dorf zur Hälfte den Herzögen, zur Hälfte der Familie von Marschalk. Beide verkauften ihre Hälften im Jahre 1350 und 1370 ans Kloster Reinbek.

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39. FREDEBURG (vorm. Vredeborch).

Im Jahre 1350 schlossen die Lübecker mit den Herzögen von Lauenburg einen Vertrag, nach dem eine Landwehre, bestehend aus Wall und Graben, vom Ratzeburger See durch das Moor Teghelbrok bis zum Möllner See hergestellt wurde zum Schutz gegen räuberische Einfälle der Raubritter. An dieser Landwehre errichteten dann die Lübecker eine Warte mit einem Wachposten und nannten diese Fredeburg. 1450 ward diese von mecklenburgischen Raubrittern niedergebrannt. As. frithu hat die Grundbedeutung „Schutz“ z. V. auch noch in dem Worte „Landfriede“ = öffentliche Sicherheit. Es ist also die Fredeburg eine „Landfriedensburg“ oder ein „Landfriedebau.“


40.
HADDENBURG.

Bei Belagerung der Lauenburg seitens der Grafen Adolf von Holstein und Adolf von Dassel, damals Regent der Grafschaft Ratzeburg, im Jahre 1198 wurde eine Gegenburg daselbst aufgeführt, die nach dem gleichzeitigen Geschichtsschreiber Arnold von Lübeck den Namen Haddenburg oder Hardenburg (VI., 123 u. 1313) erhielt. In dem sogen. Burmester’schen Garten, westlich von der alten Burg, will man noch Überreste dieses Schlosses gefunden haben. Als Etymon bietet sich as. hard „der Wald“ und andrerseits das Adjektiv hard (cf. Förstemann u. Heyne zu Heliand) = kampftüchtig. Da ersteres st. m. gewesen zu sein scheint, bleibt nur übrig eine Burg der harden, der Kühnen, Kampftüchtigen anzunehmen. Denkt man freilich an die Nebenbedeutung des nhd. Adverbiums hart = nahe bei, so könnte sich daraus eine fast noch bessere Bedeutung ergeben, nämlich „zur nahen Burg.“ Nach Jansen Mitteilungen d. Gesellsch. f. Kieler Stadtgesch. 8 p. 57 könnte man an niederdeutsch hartenburch = Hirschenburg denken.

41. HAHNENBURG.

Bei der Hahnenburger Schleuse soll ehemals eine Burg gestanden haben (?!) Denkt man an die übrigen Schleusen-

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bezeichnungen wie Palmschleuse, (cf. das.) Dückerschleuse u.s.w., so sollte man im ersten Bestandteil des Namens den Namen des ersten Inhabers der Schleusenwärterstelle und im zweiten die Bezeichnung für Schleuse suchen. Es ist also der Hahnsbug oder der Hahns Bau (cf. Bauer in Vogelbauer = Vogelhaus.)


42.
JULIUSBURG (cf. Abbendorf).

Seinen jetzigen Namen erhielt das Dorf 1678 von Herzog Julius Heinrich, der hier seinen Sommerwohnsitz hatte.
 

43. LAUENBURG.

Herzog Bernhard von Sachsen baute die Burg 1182. Die Etymologie macht große Schwierigkeiten. In früherer Zeit nahm man an, die Burg sei von Heinrich dem Löwen gebaut und nach seinem Namen die Löwenburg genannt. (cf. Dührsen-Manecke p. 8 u. 289.) Darauf schien die Erklärung aus dem Slavischen (Lawa = Elbe) tiefbegründeter. Man meinte danach eine Elbburg in der Lauenburg erblicken zu dürfen. Aber es wäre ja mehr als sonderbar, wenn Bernhard, der deutsche Herzog, zumal in einer längst dem Deutschtum wiedergewonnenen Gegend, seiner neuen Burg einen halbslavischen Namen gegeben hätte. Endlich hat von Duve, Mitteilungen p. 27 die Bedeutung „Waldburg“ aufgebracht. Dem schließt sich Schlepper p. 12 an.

Die von der Sektion Lauenburg durch Herrn Dr. Günther neuerdings unternommene Umfrage bei allen gleich- und ähnlich lautenden Orten ergab das bemerkenswerte Resultat, daß überall die Form Lauen erst durch spätere Umlautung entstanden ist. Die Lauenburg in Pommern als an der Leva liegend wird von vornherein als Levaburg anzusprechen sein. Die Burg Lauenburg bei Quedlinburg am Harz und eine Lauenburg in Bayern heißen in alten Urkunden Lowenburg und Liewenburg. Ein ehemaliges Schloß in der Gegend der Dithmarscher Grenze, welches Gerhard der Große 1337 erbaute, hieß die Lewenborch.

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Der lübische Forsthof im sogenannten Schwerin (slav. = der Tiergarten), einem ausgedehnten Walde zwischen der Waknitz und der mecklenburg-strelitzschen Grenze, hieß 1164 Lewen, jetzt Lauerhof. Ein mecklenburg-strelitzsches Dorf in großer Nähe hieß 1194 Lewen, jetzt Lauen. Im 14. Jahrhundert bezeichnete man den genannten lübischen Forsthof als tom Lowen. An der Waknitz baute Heinrich der Löwe 1158 die Lewenstat und nannte sie so, wie Helmold behauptet, nach seinem Namen. Eine andere Lewenstat wurde im 13. Jahrhundert an der Elbe bei Blekede angelegt. Arnold von Lübeck nennt unser Lauenburg beständig Lawenborch, die Urkunden aus dem 13. Jahrhundert aber haben Lowenborch und Lowenburg, und das Volk in und um Lauenburg spricht noch heute Lo=enburch. Unter diesen Umständen ist es nötig auf die alte sächsische Sprache zurückzugreifen und ein Etymon zu suchen, welches als ursprünglich gelten kann sowohl für Lewen als Lawen als Lowen und Lauen. Ich finde dasselbe in dem zweimal im Heliand vorkommenden hleo und hlea mhd. = lie und liewe. Letzteres bedeutet: aus Baumzweigen errichtete Laube, ersteres kommt nur in den Verbindungen waldes hleo und waldes hlea vor in der Bedeutung „Waldes Obdach.“ Der Genitiv muß in dem einen Falle hlewes, in dem andern hlewon gelautet haben. Nun werden aber in einer der Heliandstellen (Heyne 1121 u. 1124) die Ausdrücke sinweldi = großer Wald, ênôdies ard = Einöde (d. h. unbewohntes, nicht aber unbewaldetes Land; eher das Gegenteil) und waldes hleo als Synonym gebraucht und dürften sämtlich einen ungeheuren Wald bezeichnen. Wie ferner v. Duve a. a. O. nachgewiesen hat, lagen alle bekannten Lauenburgen ursprünglich in ausgedehnten Wäldern, und dasselbe wird auch mit unsrer Lauenburg um 1182 der Fall gewesen sein, da ja der große Delvunderwald sich jedenfalls bis dahin erstreckte, liegt es doch unmittelbar an der Delvenau. Unter diesen Umständen wage ich ein altniedersächsisches Wort lewe in der Bedeutung großer

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Wald (eigentlich Blättermeer oder Laubdach) anzunehmen, mit dem sämtliche angeführte Ortsnamen und auch unser Lauenburg zusammenhängen. Der Übergang aus lewen in lowen und Lauen ist ja an den lübischen und strelitzschen Orten dieses Namens nachgewiesen. Die Lauenburg wäre danach die Burg im „Lewen“, d. h. hier also im großen Walde an der Delvenau. Daß Versuche gemacht worden sind Lauenburg mit lobia (ml.) = Laube (also Burg mit offenen Gallerien), mit lo = Wald (cf. Oldesloe), law = Gesetz zusammenzubringen, sei hier nur noch der Vollständigkeit halber erwähnt.
 

44. OLDENBURG (mecklenburgische Enclave Horst).

Das Dorf ist 1230 noch nicht vorhanden oder vielmehr hieß es damals Swartense (nigrum stagnum). 1294 tritt es bereits unter dem obigen Namen auf. Derselbe bedeutet, was er sagt: „zur alten Burg.“ Es ist daselbst noch jetzt ein uralter Burgwall vorhanden.
 

45. REBORG.

Südöstlich vom Segrahner Berg, unmittelbar auf der Landesgrenze liegt ein alter Burgplatz mit Wällen und Gräben umgeben, im Ganzen nur wenig Raum umfassend. Hagenow in der Grenzbeschreibung von 1592 sagt: „eine Höhe oder Horst in der Wiesen und scheint, als ob in Vorzeiten ein Haus oder Festung gewesen.“ Das Raubschloß Reborch wurde 1349 von den Lübeckern zerstört. – Eine Rehburg kann es nicht sein, da das Reh mhd. rêch heißt; ebensowenig darf man wohl an as. hrêo = der Leichnam denken, oder an hrê = wild, böse. Ich nehme deshalb eine Entstellung aus Rethburg d. i. Schilfburg bezw. Burg im Riedgras (ahd. hriot u. hrëot).
 

46. SEEBURG.

Bei der Seeburger Schleuse bildet die Delvenau eine Art See. Eine Burg wird wohl schwerlich je hier gestanden haben. Indessen werden Schleusenmeisterwohnungen wohl immer befestigt gewesen sein. So die Erichsschleuse bei Mölln.

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47. SILKENBURG.

cf. Hey p. 30 und Silkendorf. Da es sich um die jetzt meist Schevenböken genannte Kathe bei Koberg handelt, wo das ehemalige Dorf Syltendorf gelegen haben soll, so dürfte wohl eher an bur als an burg zu denken sein, also an ein Gebäude zur Salzgewinnung. In der That ist der sogen. Burgplatz im Walde so klein, daß höchstens ein Turm dort gestanden haben könnte. sultha = salina. Vielleicht hieß auch nur der dort fließende Bach Sülte. Sülze hieß z. B. vormals noch die Barnitz, welche bei Stubben entspringt.

48. STEINBURG.

auch Steinauburg, an der Mündung der Steinau in die Stecknitz, der Ober- oder Erichschleuse gegenüber gelegen. Die Wallüberreste des alten Schlosses lassen sich noch erkennen. 1336, also vor Ausführung des Stecknitzkanals, war es ein Dorf; 1280 ist dieses schon vorhanden.

49. STINTENBURG (vorm Stintburg).

Dieselbe wird 1400 zuerst erwähnt; 1417 gehörte sie Wiprecht von Lützow. Stint = der Stumpf von ags. stintan = um die Spitze kürzen. Die kleinen Fische, von denen der Hamburger „Stintfang“ seinen Namen trägt, müssen nach demselben Etymon erklärt werden und sind wahrscheinlich so nach der abgestumpften Form ihrer Schnauze genannt. In unserm Falle bedeutet es offenbar das abgeschnittene Ende, d. h. die kleine Insel im Gegensatz zu der Kampenwerder (früher Campe) genannten größeren. Das älteste Schloß stand an der Nordwestspitze der größeren Insel, wo noch ein Platz Burgstätterort genannt wird; die Stintburg ist von Anfang an auf der kleinen Insel erbaut worden.

50. SIENBURG (vorm. Syenburg).

1441 erwarb das Gut Wotersen „dat Blick und Rum Erdes to der Syenburg.“ Von der Hahnenburger bis zur

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Sienburger Schleuse erstreckt sich der eigentliche Stecknitzkanal, d. h. die Verbindung von Delvenau und Möllner See, die im Jahre 1390-97 hergestellt wurde. Auch hier handelt es sich nicht um eine Burg, sondern um einen Bug oder ein Bur. Die Deutung des ersten Teils der Zusammensetzung ist vor der Hand nicht möglich. Es mag ein Eigenname, vielleicht Sivo (cf. Förstemann P. N. p. 1111) darin stecken.

* * *

Mit Stadt, das doch sonst so häufig zu Ortsnamen verwendet wird, ist kein einziger unsrer Ortsnamen gebildet, nur einer mit städt.
 

51. MARIENSTÄDT.

städ kann einer seits von stat = locus, Ort, Stelle abzuleiten sein, andrerseits von statha = Gestade. Da Marienstädt in der Nähe des Schallsees liegt und der Name auf die mehr landeinwärts liegenden Gebäude vom Gestade aus übertragen sein kann, so sind beide Ableitungen möglich. Bei Marienstädt soll ehemals eine Kapelle gestanden haben. Dann mag sich der Name auf die heilige Maria beziehen. Also etwa Marienufer oder Stätte der heil. Maria.

* * *

Einzelne Gehöfte bezeichnete man in alter Zeit als Hufe, später als Hof. Das erstere geht auf as. hôva, das andre auf as. hof zurück. Indessen ist noch ein Drittes nicht außer Acht zu lassen, nämlich das as. hop st. m. = Hause, Schaar.


52. ALBRECHTESHOPE.

Außer im Z. R. wird das Dorf nicht erwähnt. Schon damal war es nur klein. Es lag in der Parochie Lütau. Es ist notwendigerweise mit hop zusammenzubringen und kann nur bedeuten to dem Albrechtes hope, eine Kriegerschaar, Abteilung Markmänner, unter dem Befehle eines gewissen Albrecht. Dies ist übrigens der 2. der 3 kleinen Orte, aus denen wahrscheinlich die Flur der Stadt Lauenburg erwachsen ist.

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53. KOLDENHOVE.

Ein Hof Koldenhove bei Krützen ward 1454 von O. Schack an Herzog Bernhard verpfändet. Es giebt noch 2 andere Koldenhove im Hamburgischen und im Fürstenthum Lübeck. Nicht minder deutlich und zweifelsfrei wie Albrechteshope auf hop, geht Koldenhove auf to der kolden hôve zurück. Also „zur kalten Hufe“, wahrscheinlich wegen kaltgründiger Beschaffenheit des Bodens so genannt.
 

54. SCHWARZHOF.

Ein ehemaliger Hof an der schwarzen Kuhle bei Salem. Das Forstgehege Schwarzenhöfen daselbst bewahrt noch den Namen. Das Gewässer der schwarzen Kuhle ist tiefdunkel wegen des moorigen Untergrundes. Das Gewässer hat denn wohl auch der Ansiedlung den Namen gegeben. Hier haben wir es vielleicht in der That mit hof zu thun.
 

55. WIERSHOP (vorm. Wigershop).

Es ist deutlich Wigers Hause. Im 13. Jahrhundert war das Dorf viel umfangreicher als jetzt. Es ist wie Albrechteshope ursprünglich eine Militärcolonie.

56. WITZHAVE (vorm. Witeshove).

Wite ist der als Guido heute noch bekannte und gebrauchte Personenname. Er bedeutet „der Angesehene, Reiche.“ Also etwa Reiches Hufe.
 

57. FRANZHOF.

So heißt eine Försterwohnung, welche an der Stelle des 1716 abgebrochenen Franzhagener Schlosses steht. cf. Franzhagen.
 

58. FÜRSTENHOF.

Der Fürstenhof in Grönau wird so genannt, weil er der Wohnsitz des Herzogs Franz Erdmann und seiner Witwe Hedwig Sibylla war.

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59. GRÜNHOF.

Hier war ehemals ein Vorwerk, welches 1784 niedergelegt wurde. Es ist in der That der grüne Hof, vielleicht so genannt, weil er am Waldesrande liegt.
 

60. LOUISENHOF.

Diesen Namen trägt ein Meierhof im Gute Müssen. Der Name ist ganz modern. Näheres über den Ursprung ist mir nicht bekannt.

Hieran schließt sich am besten

61. NEUVORWERK (vorm. siccum allodium, Drogenvorwerk.)

1272 schenkten die Herzöge Johann I. und Albrecht II. 4 ½ Hufen daselbst dem Domkapitel, welches 1294 den Rest erwarb. Seit 1357 war es dann wieder herzoglich. Damals wird es auch das NEUE Vorwerk genannt worden sein. Drogenvorwerk oder siccum allodium, letzteres eine wörtliche Übersetzung, bedeutet das Vorwerk, welches Drögwerk, d. i. Räucherwaare als Rauchfleisch und Schinken, an die benachbarte Burg zu liefern hat. Also etwa FLEISCHPROVIANT-VORWERK.

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Als Bezeichnung der einzelnen Wohnstätte als solche galt von jeher Haus (hûs).


62. EINHAUS (vorm. una domus).

Sowohl 1194 als 1230 findet sich nur die lateinische Bezeichnung; sie ist als Interimsbezeichnung aufzufassen, die sich aber zur definitiven auswuchs, obwohl inzwischen eine Vermehrung der Gehöfte stattgefunden hatte. Immerhin muß das erste Gehöft daselbst eine Zeitlang das einzige geblieben sein. Das ist belehrend für die Art der Colonisation zur Zeit der Grafen Heinrich und Bernhard von Ratzeburg.

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63. FÜNFHAUSEN.

So werden 5 unter einem Dache gebaute Kathen bei Grönau genannt. In Ratzeburg heißt eine kurze Straße beim Seminar so, wahrscheinlich aus demselben Grunde.

64. ROTENHAUS.

Dieses Försterhaus bei Börnsen hat wohl den Namen von der Verwendung roten Ziegelmaterials zur ursprünglichen Anlage des Hauses.
 

65. ROTENHAUSEN.

Das Dorf entstand vor etwa 150 Jahren durch Verkauf von Parcellen des Hoffeldes und hat seinen Namen von dem Gute oder jetzigen Meierhofe Rotenhausen. Auch hier dürfte die Farbe des Gemäuers bei der Namengebung bestimmend gewesen sein, husum ist der dat. plur. von hus (ohne ir) = husirum. „Zu den roten Häusern.“

Hierher gehört nach Hey p. 33/34 auch BÖRNSEN. Zur Zeit der Colonisation galt es auf der Hut zu sein gegen das mißgünstige Slavenvolk ringsum; da mußte man seine Wohnung in verteidigungsfähigen Zustand setzen. Daher stammen die Ortsnamen mit hagan st. m. = Verhaus. Daneben steht hag st. m. = eingehegter Wildpark oder Einhegung überhaupt.

66. FRANZHAGEN.

Franzhagen leitet seinen Ursprung von Franz Heinrich her und muß deswegen im Sinne von Gehege, Wildpark genommen werden. Also = HERZOG FRANZ-GEHEGE.

67. FUHLENHAGEN.

Auch Fuhlenhagen hat eher mit dem Gehege als dem Verhau etwa zu thun. vole mhd. sw. m. heißt das Fohlen. Also = FOHLENGEHEGE.
 

68. Manhagen (Honhagen).

Im Zehntenregister heißt das Dorf Hagen; 1463 Hoon-

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hagen, jetzt Manhagen. Diese letztere Bezeichnung hat sich offenbar entwickelt aus tom Hoonhagen = zum hohen Hagen. Ob der Ursprung des sehr häufig als Flur- und Waldbezeichnung vorkommenden Namens überall derselbe ist, bleibt freilich fraglich. cf. Hamwarde u. Hamfelde.

69. KRÖPPELSHAGEN.

Das Zehntenregister führt das Dorf noch nicht auf. Darf man es mit mhd. cruppel = Krüppel zusammenbringen? Dann wäre es KRÜPPELSHAGEN, die verschanzte Wohnstätte eines Krüppels. Im 30jährigen Kriege ward Kröppelshagen von feindlichen Kriegsvölkern gänzlich verwüstet.

70. RICKENHAGEN.

Im Rickenhagener Teich bei Boden stößt man auf Spuren alter Gebäude. Hier lag das vergangene Dorf Rickenhagen oder Reckenhagen. Nach Schiller u. Lübben bedeute rick und reck eine lange dünne Stange, ricken heißt etwas mit kleinen Pfählen umgeben. Danach wäre also Rickenhagen der aus Pfählen gebildete Verhau.

71. RONDESHAGEN. (vorm. Rodingeshagen).

Roding ist ein altdeutscher Personenname und bedeutet „der Ruhmreiche.“ Also RODINGS VERHAU. Im Z. R. kommt das Dorf nicht vor. Das ist aber namentlich bei diesen Grenzdörfern noch nicht beweisend, daß sie damals überhaupt nicht vorhanden waren. Es gehörte anfangs denen von Krumesse und wurde Ende des 14. Jahrhunderts an das Lübecker Patriciergeschlecht Crispin verkauft.

72. ROSENHAGEN.

So heißt eine Kathe bei Kittlitz. Da es auch Rosengarten giebt, ist hier wohl an einen ROSENHAIN, ein Gebüsch wilder Rosen zu denken.

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73. VALKENHAGEN.

In der Gegend der Hölzung Falkenhagen bei Borstorf lage ehemals ein Dorf Valkenhagen, welches indessen schon 1413 wüste lag. An ein Falkengehege ist wohl kaum zu denken, sondern an den althd. Personennamen Falko oder Valco, wahrscheinlich zu dem Volksnamen der Fahle (in Ostphalen und Westphalen) gehörig; also VALCO’S VERHAU.


74. HEGE.

Die Hege oder Häge bei Wentorf sind einige Kathen. Es bedeutete wohl ursprünglich allerdings ein Gehege.

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Wie Franzhagen zu beweisen scheint, nannte man auch den Sommersitz eines Großen, der dort namentlich wohl der Jagd pflegte, ein Gehege. Etwas sentimentaler bezeichnet die Neuzeit solche Refugien als Ruhen. So z. B.

75. FRIEDRICHSRUH.

1767 legte Graf Friedrich von der Lippe bei Aumühle ein Jagdschloß an und nannte es Friedrichsruh, doch wohl nach seinem Namen.

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Die Bezeichnung eines einzelnen Gebäudes und danach der ganzen Ansiedlung wird ferner auch von der Hofstelle (area = Wurth) hergenommen. cf. Worthtins = census de area. Wort oder Worth eigentlich Baustelle, dasselbe was in andern Ortsnamen als Borstelle (Anbauerstelle) vorkommt.

76. HAMWARDE (vorm. Honwarde).

Später ist dies Dorf fälschlich Johannwarde genannt worden. wort und wart wechselt noch mhd. Honwarde ist also: ZUR HOHEN BAUSTELLE; dasselbe bedeutend wie z. B. das hannoversche Hornbostel = Baustelle auf der Höhe.
 

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77. KUDDEWÖRDE (vorm. Kuthenworden).

cf. Hey p. 35, nur würde ich übersetzen „Käthnerstellen“. 1497 stiftete Herzog Johann IV. ein Kloster und Heiligengeisthospital für Augustinermönche, welches aber schon 1521 wieder aufgehoben wurde. Ein ehemaliges Schloß am Ufer der Bille war von 1485-1585 im Besitze der Familie von Lieth. 1585 wurde es abgebrochen und daraus das ehemalige Vorwerk Rothenbek gebaut. Die Reste des Burgplatzes sind noch sichtbar.

78. WORTH (vorm. Wort).

Da Wort und Hamwarde Nachbardörfer sind, hat letzteres wohl vom ersteren den Namen = Baustelle, (ähnlich wie Borstel in Hannover und Holstein).

Garten, was sich passend hier anschließt, kommt bei uns bloß in seiner neuesten Bedeutung vor.
 

79. FÜRSTENGARTEN.

Der Fürstengarten in Lauenburg wurde 1583 von Franz II. (?) angelegt.
 

80. ROSENGARTEN.

Eine Schäferei bei Segrahn trägt diesen schönen Namen. In der That mag hier einmal ein besonderer Rosengarten gewesen sein, dergleichen gab es schon in recht sehr weit zurückliegenden Zeiten.

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Dem Zweck der Baulichkeiten, nämlich als Wohnung bestimmter Bevölkerungsklassen zu dienen, bezw. gewisse Geschäfte darin auszuüben, bezeichnen die Zusammensetzungen mit Kathen, Mühle, Krug.
 

81. BODEN (vorm Bei der Boden und Losenboden).

Boden ist offenbar aus den Überresten des vergangenen Dorfes Rekenhagen entstanden. Im Fürstentum Ratzeburg heißen die Erbpächter Hauswirthe, die Anbauer und Käthner
 

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Büdner. In unsern Städten nennt man die Halbhäuser Buden. Mhd. buode sw. fem. heißt die Bude. Danach darf man ein as. bôde voraussetzen. Also „Zu den Buden.“ Es haben sich demgemäß die Anbauerstellen hier zum wirklichen Dorfe entwickelt. – Am 4. Dec. 1813 fand bei Boden ein nicht unblutiges Gefecht statt, in welchem die Fühnschen Dragoner durch einen kühnen Angriff das Dörnbergsche Corps zurückwarfen.

Die Hütte heißt md. Kote. Damit zusammen hängt die hierorts übliche Bezeichnung Kathe. Vielleicht kann man auch Köthel, das Hey für slavisch hält, hierher ziehen. Kotila würde ja das Deminitivum von Kote sein können. die urkundliche Form für Köthel ist Cotle cf. Hey p. 20. In Kuddenworden freilich (s. daselbst) würde die altsächsische Form vorliegen. Die Ortsnamen nun mit Kathen bezeichnen sämtlich wirkliche Käthnerwohnungen und erklären sich bis auf eine von selbst. Es sind:


82. HAIDKATHEN,

Bremerkathen, Brückenkathen, Holzkathen, Kirchenkathen, Knappkathen, Kupferkathen, Koppelkathen, Scheerkathen, Scheidekathen, Schlüterkathen, Vogelfängerkathen, Voßkathen und Hurlebuschkathen. Ob letzteres, wie wahrscheinlich doch Schlüter- und Voßkathen, vom Namen des ersten Bewohners abzuleiten ist? Hurlebusch weiß ich mindestens nicht zu erklären, oder darf man etwa an hurlepuz „gruseliges Geräusch“ denken, also gewissermaßen die Spukkathe?!

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Die mit Mühle zusammengesetzten Ortsnamen bezeichnen hier thatsächlich noch meist einzelne Mühlengehöfte.

83. MÖLLN (ehem. Mulne).

Mölln freilich hat sich gar zur Stadt ausgewachsen. Hey p. 33 hat gewiß recht. Mulne ist als dat. sing. von mulîn

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aufzufassen. Aber ob man es nun aus dem Slavischen oder Deutschen erklärt, es heißt allemal „zur Mühle.“ Freilich nahm es wohl seinen Namen von dem nachher zum Unterschied Alt-Mölln genannten Dorfe. Das Z R. bezeichnet dieses Dorf bereits als antiquum Mulne, das Isfriedsche Verzeichniß von 1194 ebenfalls. Ob die Schreiber dabei in Gedanken das lateinische molendinum substituiert haben? Das würde dann beweisen, daß sie sich der Bedeutung von Mulne bewußt gewesen wären. Aber der Schreiber des Z R. schreibt z. B. auch antiquum Pokrente, wohl mehr nach den lateinischen Genusregeln, als in Gedanken an die etwaige Bedeutung. So viel aber wird durch beide Verzeichnisse bewiesen, daß die Stadt Mölln selbst oder wenigstens ihre Anfänge vor 1194 vorhanden gewesen sein müssen, denn Alt-Mölln (1194) setzt da schon ein Neu-Mölln voraus.

84. AUMÜHLE.

Es ist die an dem Flüßchen Au gelegene Mühle. Bis 1747 war hier ein herrschaftliches Vorwerk, Aumühle oder Nienhoff genannt. Durch die Niederlegung des Vorwerks wurden die Anbauerstellen bei der Mühle erst existent.


85. BROCKSMÜHLE.

Es ist die am Brook oder Bruch gelegene Mühle. Vergl. andrerseits die umgekehrte Bezeichnung Mühlenbrock als topographische Bezeichnung und als Ortsname.

86. BORNMÜHLE (vorm. Wyndelborn- oder Crispinermühle).

Crispinermühle heißt die Mühle ohne Zweifel von dem Lübecker Ratsherrn Crispin, an den sie mit einem Teile Krumesses im Jahre 1382 durch Kauf kam; Windelborn hieß wohl der Bach, der die Mühle treibt. Windelborn mag zusammenhängen mit wandel und wantelôn verändern, wandeln.

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87. DRÖGMÜHLE.

Mühle, und zwar Windmühle im Gute Rondeshagen. Bis 1848 war hier eine Wasermühle. Im Gegensatz zu dieser mag die Mühle jetzt Drögmühle heißen.


88. FRANKENMÜHLE (auch Riemannsmühle).

Offenbar ist hier der Name des Besitzers oder Pächters von ehemals gewahrt.


89. MALZMÜHLE.

Eine Mühle in der Vorstadt Ratzeburg. Ehemals gehörte auch eine Windmühle dazu, welche in der Nähe auf dem Berge stand. Herzog Magnus nahm diese dem Stift gehörige Mühle widerrechtlich in Besitz und gab sie auch nicht wieder heraus. Das zum Rommeldeußbrauen verwandte Malz wurde hier gemahlen; daher der Name.

90. PALMMÜHLE.

Diese Mühle trägt ihren Namen von einem gewissen Palm von Braunschweig, der diese damals Vogteimühle genannte Mühle und die Schleuse am Ende des 16. Jahrhunderts in Pacht hatte.

91. SANDMÜHLE.

Sie liegt unterhalb des St. Georgsberges hart am Ufer des Ratzeburger Sees. Uff’m Sande ist offenbar der Gegensatz von uff’m Berge. Sand ist hier soviel als flacher Strand.

Einsame Wirtshäuser an der Landstraße tragen ihre besonderen Namen. Man bezeichnete früher und teilweise jetzt noch diese Wirtshäuser als Krüge.

92. BERGKRUG.

Der Teil des Dorfes Müssen, in welchem der Krug liegt, heißt „auf dem Berge.“ Also ist hier der Name in der That von der Lage auf dem Berge hergenommen.

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93. F'ORTKRUG.

Dieser Krug ist wahrscheinlich so benannt von einer Furt über den dort fließenden Mühlbach.


94.
POGGENKROG.

Das ist der Name einer Kathe bei Hasenthal; vielleicht ein Scherzname. Poggen sind bekanntlich Frösche.


95. SANDKRUG.

Der Sandkrug liegt bei der alten Fuhrstelle über die Elbe nach Artlenburg. Die Bedeutung ist wohl dieselbe wie bei der Sandmühle. 1851 ging hier das österreichische Armeekorps über die Elbe.

96. SEEKRUG.

An dem kleinen See im Dorfe Hornstorf gelegen.
 

97. STEINKRUG. (auch Steinauerkrug).

Der Krug ist so benannt von seiner Lage an der Steinau.


98.
WASSERKRUG.

Dieser Krug liegt an der alten Landstraße Lübeck-Boitzenburg, dem sogenannten Wasserkrüger Wege, und an dem Bache, welcher die Gudower Mühlen treibt und sich in den Sarnekower See ergießt.

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Von der topogrophischen Lage haben zahlreiche Ortschaften ihre Namen. Zunächst vom Wege:

99. AUF DEM BAARWEGE (Bolwege).

So heißen einige Anbauerstellen am Wege von Linau nach Grönwohld. Baarweg mag von bar Balken kommen. Auch Bohle bedeutet ja dasselbe. Nun fand man im Erlebruch bei Linau Überreste eines versunkenen Knüppeldammes aus Birkenstämmen. Ein solcher Weg könnte hier auch gemeint sein.

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Von der politischen Lage an der Grenze scheint hergenommen

100. BRUNSMARK.

Es liegt an der Grenze der mecklenburgischen Enclave Horst. Das Dorf kommt im Z R. noch nicht vor. Immerhin könnte ein einzelnes Haus schon damals dort gestanden haben. Bis 1747 war hier ein herrschaftliches Vorwerk. Später wurde das Haus als Försterwohnung benutzt. Zunächst verlangt die Ähnlichkeit mit Brunstorf an Barunesmark zu denken. Es kann aber auch Brune’s, d. i. Bruno’s Mark, sein. Mark ist entweder im Sinne von Grenze oder von Bezirk zu nehmen.

101. NIEMARK (vorm. Nygenmarke).

Bis 1321 war das Dorf herzoglich. 1380 und 1382 verkauften es die Crumesses an Lübecker Bürger. 1762 kaufte es die Stadt Lübeck von den Erben des Bürgermeisters Andreas von Brömbsen. Es ist ganz deutlich die neue Grenze.

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Mit Berg zusammengesetzt ist eine stattliche Reihe von Namen. Das kommt daher, daß jede kleine Bodenerhebung im Flachlande doppelt auffällig ist. Doch hängen wahrscheinlich nicht alle mit berg, sondern einige auch mit percan (cf. Berge in Herberge) d. i. bergen, umschließen, zusammen, die ebensogut auf burg endigen könnten.

102. KOBERG (vorm. Coberch).

Die Deutung „Grenzburg“ ist mir bekannt, doch ist sie mehr geistreich als richtig. Ich bin prosaisch genug Coberch als die Kuhberge, den Ort, wo man zu Zeiten feindlicher Einfälle seinen größten Reichtum, die Kuhherde, barg, zu deuten. Das weit ausgedehnte Moor bei Koberg war dazu wohl geeignet. (cf. Förstemann O. N. p. 412) Ko as. st. f. = Kuh; berch in halsberc sowie in herberge. Das Dorf ist

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1230 vorhanden, wahrscheinlich aber viel älter. In den Vermeßregistern des Dorfes von 1750 und 1775 findet sich auch die Flurbezeichnung: der hohe Coberg; daneben eine andre die Kuhbreite.

103. FLIEGENBERG.

Dies ist eine Holzvogtswohnung im gleichnamigen Forst bei Göldenitz. Eine andere Ableitung als von Fliege wäre zwar möglich, doch ist das Naheliegende hier wohl auch das Richtige.

104. FRÄULEINBERG.

Eine Kathe bei Schenkenberg, die auch Hurlebuschkathe (s. das.) genannt wird, trägt diesen Namen. Eine tiefere Bedeutung wird wohl nicht darin liegen.

105. GRETENBERGE.

grêde sw. f. mhd. heißt die Stufe oder Treppe. Der Wechsel von d und t würde wenig stören, und so könnte es heißen „zum Stufenberge“. Indessen ist wohl eher an eine Verstümmelung zu denken aus Margarethenberge. Es soll hier ehemals eine Kapelle gestanden haben. Ob sie der heiligen Margarethe geweiht war?

106. SCHENKENBERG (Schenkenberge).

Heinricus Pincerna, d. i. der Schenk, war Mundschenk (Ministerial) des Grafen Albrecht von Orlamünde, des dänischen Statthalters von Holstein und Lauenburg im Anfange des 13. Jahrhunderts. Um 1230 war dieser Zehntbesitzer und wahrscheinlich auch Grundbesitzer in Stochelsdorf und Niemark, die Zehnten in Schenkenberg besaß das Kapitel zur Hälfte, zur andern Hälfte der Landesherr. Wem sie von diesem zu Lehen gegeben waren, wissen wir zwar nicht, aber die Vermutung liegt nahe, daß jener Heinrich, der Schenk, dort Lehnsträger war und daß das Gut nach ihm den Namen trägt, weil damals

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derartige Hofämter hier eingerichtet wurden. Um 1194 scheint das Dorf noch den Namen Pukentorpe geführt zu haben. (s. das.)
 

107. SCHÖNBERG (vorm. Schonenberch).

Durch das Dorf fließt ein ziemlich bedeutender Bach, die Schönau (vorm. Trutawe). 1391 verkauften es die Scharpfenberge an einen Hamburger und dieser wieder an den Lübecker Bernd Plessow. 1747 kam es durch Kauf an den Landesherrn zurück. Schön heißt in diesem Falle hell und rein und wird demgemäß zunächst von der Au gesagt, dann auf die Ansiedlung übertrgen; vielleicht zunächst (wie Steinauburg, Steinburg) Schönauberg.

108. St. GEORGSBERG.

Vergl. den Artikel Alt- und Neu-Ratzeburg in diesem Archiv II. 2, p. 139. Der Name stammt von dem dem heiligen Georg geweihten Benediktinerkloster, welches um 1060 bereits da sich befand.

109. KLOSTERBERG.

So heißen Anbauerstellen bei Gr. Disnack nach Krumesse zu. Groß-Disnack war von 1248-1482 im Besitze des Reinfelder Klosters. Daher stammt wohl der Name.

110. UNTERBERG (früher Untermberge).

Ehemalige Vorstadt, jetzt Teil der Stadt Lauenburg; von ihrer Lage unter dem Berge so benannt.


111.
THEBELSBERG.

Zwei 1790 am Rande des Farchauer Gehölzes gebaute Kathen führen den Namen Thebelsberg oder Ravenskamp. Der Ravensdiek (Thebelsdiek) unterhalb derselben wird schon 1353 genannt. Die Namen dürften bis zur ersten Zeit der Colonisation zurückgehen und sich auf Theobald, den ersten Präpositus des Stiftes, und den Ritter Walraven von Ritzerau zurückbeziehen. Der Name Düwelsdiek statt Thebelsdiek beruht offenbar auf Entstellung.

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112. WEISZENBERG (Wittenberg).

Bei Lankau gelegen. Auch bei Ziethen im Fürstentum Ratzeburg giebt es einen Weißenberg. Es ist hierbei ebenso möglich, daß der Berg nach einem früheren Besitzer Witte (cf. oben die so oft angewendete schwache Form der Namen) als nach der Farbe ehemals hervorstehenden Kalksteins benannt ist.

Ziemlich dasselbe wie Berg bedeutet Horn, nämlich hervorragende Spitze, Bergkante.

113. DRUMSHORN.

drum st. n. bedeutet Endstück, Saum. Das scheint ein ganz passender Name für diese äußersten Anbauerstellen des Dorfes Hohenhorn.
 

114. HOHENHORN (vorm. Horn, cornu).

Der neue Zusatz macht das Wort zur Tautologie, beweist mithin, daß das einfache Horn in späterer Zeit nicht mehr recht verstanden wurde.

Dasselbe wie Berg und Horn, nur in modernster Fassung, ist Höhe.
 

115. CHRISTIANSHÖHE.

Meierhof im Gute Castorf, 1809 von dem damaligen Besitzer Castorfs, Freiherrn CHRISTIAN von Hammerstein, erbaut. Christianshöhe liegt in der That sehr hoch und bietet einen prächtigen Blick auf Lübeck.
 

116. CARLSHÖHE.

Bei Neu-Wentorf A. Schwarzenbeck. Der Ursprung des Namens ist mir unbekannt.

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Neben der Höhe fehlt in unsern Ortsnamen auch das Thal nicht.


117. Besenthal (vorm. Besendale).

1230 ist die Ortschaft vorhanden. 1412 kam sie als

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wüster Ort an die Kirche zu Gudow und ward alsdann wieder bebaut. Bis 1803 hatten die Einwohner noch einen Tag im Jahre Hofdienste für das Amt Ratzeburg zu leisten. Es ist dort viel Moor- und Heideboden. Als Etymon darf man wohl an beese = Binse denken. Also Binsenthal. (cf. Besenhorst.)

118. HASENTHAL (vorm. Hasledale).

Das Dorf ist 1230 vorhanden, wurde aber im 30jährigen Kriege völlig zerstört und 1636 vom Besitzer von Schack mit Collow vereinigt, das seinerseits später zu Gültzow gehörte. In diesem Jahrhundert wurde dort wieder ein Vorwerk von Gültzow aus errichtet, das den alten Namen erhielt. Ganz schwache Spuren der alten Burg sind noch bei der Kathe Hasenthal vorhanden. Der Name ist von den Haselbüschen hergeleitet, die dort in alter Zeit besonders stark vertreten gewesen sein müssen, also HASELNUSZTHAL.


119. MELOSINENTHAL (Melusinenthal).

Meierhof des Gutes Gülzow. So benannt zu Ehren einer Gräfin Melusine von Kielmannsegge. Eine Zeitlang hieß es Susannenthal zu Ehren einer Frau von Bodeck. Noch früher Sandahl = Sandthal. (cf. Dührsen-Manecke p. 105)


120. SOPHIENTHAL.

Von dem 1724 gestorbenen J. v. Bülow erbaut an Stelle eines abgebrochenen Försterhauses. Der Ursprung des Namens ist mir unbekannt.

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Verhältnismäßig wenig sind die zahlreichen Seen des Kreises zur Namengebung für die Ortschaften mitverwendet. Man darf immerhin daraus schließen, daß die kolonisierende Bevölkerung keinen wesentlichen Wert auf den Wasserreichtum legte. Außerdem war die Nutznießung der Seeen von vornherein fürstliches Regal.

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121. BLANKENSEE (vorm. Blankense).

Blankensee wurde 1293 und 1300 vom St. Johannisklor einst Lübeck erworben; einen Teil des Sees kaufte das Kloster 1360 von den Gebrüdern von Gronowe. Ahd. blanc = blank, blinkend. Also „am blinkenden See.“


122.
DUVENSEE.

Das Dorf ist schon 1230 vorhanden. Es lag am 1850 erst trocken gelegten Duvensee. As. dûvâ die Taube. Also in der That „Taubensee“. Die alte Befestigung, „Duvenseeer Wall“, war wohl der ehemalige Adelssitz der Familie v. Duvensee.


123. GARTENSEE (vorm. Gardense) cf. Hey p. 35.

1230 lag am Gardensee in der Hölzung Gardenseeer Raum ein Dorf, welches im 30jährigen Kriege vergangen ist.

As. gardo, ahd. garto sw. m. heißt der Garten. Zunächst bedeutet es aber nur den rings umschlossenen Raum. In diesem Sinne ist der Gardensee, dieses wundervolle kleine Gewässer, allerdings ein Gartensee, da es von allen Seiten von Waldhügeln umschlossen ist und sein Anblick dem Wanderer nicht eher zu Teil wird, als bis er unmittelbar davorsteht.

124. GOLDENSEE (cf. Hey p. 7).

Hey’s Erklärung befriedigt nicht. Gleichwohl ist die Erklärung aus dem Deutschen schwierig. Es ist zu vermuten, daß durch Volksetymologie der Name aus Göldenitz (s. das.) umgewandelt ist. Die Bedeutung „goldener See“ erscheint fast zu poetisch; doch ist es ja mit Blankensee kaum anders.

124a. NUSSE.

1158 Nusce, dann Nutse (1194), Nusce (1230), Notze (1300), Nutze (1354), Nutzee (1370), Notse (1418). Hey p. 24 erklärt den Namen aus dem Slavischen. Indessen ist eine Ableitung aus dem Deutschen sehr wohl möglich und nicht

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einmal unwahrscheinlich. Althd. und mhd. heißt die Nuß hnuz und nuz, niederdeutsch nut. Der Nusser See aber hat eine so rundliche Form, daß man sehr wohl auf den Gedanken kommen konnte, ihn deshalb Nuß-See zu nennen.

125. POGGENSEE (vorm. Pogense).

Poggensee wurde 1465 und 1468 von den Ritzeraus mit Ritzerau, Duvensee, Coberg, Tramm, Woltersdorf, Sirksfelde und der Hölzung Manau an Lübeck verkauft. Es ist durchaus, wie bei einer großen Zahl Flurnamen Poggenpoul (Froschpfuhl) u.s.w. an Pogge = Frosch zu denken. Also FROSCHSEE.

126. SCHWARTENSE (cf. Oldenburg).

Andre Arten stehender und fließender Gewässer geben folgenden Ortsnamen ihre Entstehung.


127. SCHNAKENTEICH.

Anbauerstellen bei Gültzow. Wahrscheinlich doch von den Schnaken, den kleinen Stechmücken so benannt. (cf. Schnakenbeck.)
 

128. STANGENTEICH.

Holzvogtsgehöft am Stangenteich, der durch den Einfluß des Kammerbeks in die Au gebildet wird. Ob der Name von einem ehemaligen Besitzer Stange oder von Baumstangen abzuleiten ist, weiß ich nicht.
 

129. MÜHLENBROOK.

cf. Brookmühle. Vorwerk bei Steinhorst = Mühlenbruch.
 

130. SCHÖNENBORN (vorm. tho dem Sconenbornen.)

Schönenborn war 1314 als Kirchspiel vorhanden, damals gehörte es zu Holstein. 1409 ward es mit Steinhorst von der Familie von Zülen an Herzog Erich von Lauenburg verkauf. 1590 wird es bereits eine wüste Feldmark genannt. Das Fundament der Kirche ist noch jetzt auf der sogen. Kirch-

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holzkoppel
bei Schürensöhlen zu erkennen; vor Jahren wurde dort ein Kirchenschlüssel gefunden. Überreste einer alten Burg sind ebenfalls auf der Feldmark in der Nähe einer Quelle, der schöne Born genannt, zu finden.


131. GESUNDBRUNNEN.

Kathe bei Niendorf a. d. St. Auf einer Koppel des Gutes Niendorf kommt eine Quelle zu Tage, der man Heilkräfte zuschreibt und die in alter Zeit mit einem Geländer umgeben war.


132. GRINAU (vorm. Grynawe).

Der dort fließende Bach wird schon 1167 Grinawe genannt (auch Quatenbeck). Quatenbeck stellt sich zu as. quidhëan = lamentari, also gewissermaßen „Heulbach.“ Ebenso fast verhält es sich mit Grinawe; grînan heißt weinen, grinsen, knurren. Also „Winselbach.“ 1380 und 1382 wurde das Dorf von den Crumesses an die Lübecker Crispin und Darsow verkauft.


133. GRÖNAU (vorm. Gronowe).

Gronowe geht auf as. grôni = grün zurück, also GRÜNAU.


134. HELLE.

1230 erwähnt. 1471 lag es wüste, und die Feldmark wird damals Helvevelt genannt. Das Hellmoor (Hohlenmoor) zwischen Steinhorst und Labenz scheint noch heute den Namen zu bewahren. Wegen Helvevelt ist wahrscheinlich an Hellawe zu denken. Ein Hellowa ist urkundlich aus dem 9. Jahrhundert aus Gelderland bezeugt, cf. Förstemann O. N. p. 388; dasselbe kommt auch verkürzt als Hellue = Helve vor. Es wird zusammenhängen mit hëllan = ertönen lassen (gellen); etwa rauschender Bach = Rauschebach.


134a DAHMKER.

Hey p. 6 erklärt Dahmker aus dem Slavischen. In-

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zwischen ist mir die Etymologie dieses Namens aus den Vermeßregistern von Kuddewörde und Rothenbek von 1788 und 1745 klar geworden. Jene sprechen von dem Damcke und dem Weg nach Damckow, dieses aber redet von dem Dambecker Papenkamp. Danach muß unter Dambek der Hamfelder Mühlenbach, der in der Nähe von Hamfelde an den Resten des großartigen Hamfelder Walles oder Dammes vorübergeht, verstanden werden, und Dahmker beruht auf einer ganz merkwürdigen Verhunzung; ursprünglich sind darunter verstanden worden Wiesen und Felder am Dammbek, also Dambeker Wiesen, dann auch das dort entstandene Vorwerk von Basthorst. Es hat sich also das bloße Adjektiv Dambecker oder Damker als Substantiv festgesetzt.

135. GRAMBEK (cf. Hey p. 35.)

Der Boden bei Grambek ist grandigt und sandigt, daher wohl richtig GRANDBACH gedeutet.


136. HAKENBEKE.

Um 1230 wird im Kirchspiele Gr. Berkenthin ein Dorf Hakenbeke erwähnt. Man hielt es bisher für das jetzige Hollenbek; dem scheint aber nicht so zu sein. Im Vermeßregister von Kl. Berkenthin von 1779 wird ein Bach Hakenbek mehrfach erwähnt. So hat z. B. der Schleusenmeister Land an der Hakenbek und im Wulfsberg. Vielleicht trug der Göldenitzer Mühlenbach früher den Namen Hakenbek.


137. HOLLENBEK (vorm. Holembeke).

Das eine der Dörfer dieses Namens liegt bei Sterley und ein Gehölz dabei heißt Hahlehorst, das andere liegt bei Behlendorf an einem Bache gleichen Namens. Ein anderes Hollenbek in Holstein heißt urkundlich Halenbeke. Aus allem diesem ist zu schließen auf hol von hëlan = hohl = verhohlen, verborgen und auf hâli, hâle = verhehlend und verhohlen. In dem einen Falle hat wohl der Bach seinen Namen vom Wald, in beiden aber der Ort vom Bache. An einem Platze

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beim Behlendorfer Hollenbek, genannt Hofwall, soll früher eine Burg gestanden haben. Der Bach bei dem Behlendorfer Hollenbek fließt übrigens in der That in einer Hohle, in einem so tiefen, umbuschten Einschnitt, daß man ihn kaum bemerkt.


138. HORNBEK (vorm. Horgenbeke).

Dies ist wahrscheinlich das alte Horchenbici, welches Adam von Bremen um 1070 erwähnt als zur Sachsengrenze gehörend. Überreste einer alten Landwehr sind dort noch vorhanden. Es geht auf horwic, horc zurück = kotig, schmutzige Also Kotbach, Dreckbach.
 

139. ROTHENBEK.

Die Dorfschaft entstand allmählich durch die 1747 erfolgte Niederlegung des Vorwerks Rothenbek und dann bei der Verkoppelung der Dorfschaften Kuddewörde und Kasseburg. Da wir auch Schwarzenbek, Grönau u.s.w. haben und die Bille in Übersetzung Weißwasser bedeutet, so kann man auch hier unbedenklich annehmen, daß der Bach Rothenbek seinen Namen von der Farbe seines Wassers hat oder hatte, das an manchen Stellen durch Ocker gefärbt sein mochte, wie das z. B. bei einer ganzen Anzahl Quellen am Ratzeburger See der Fall ist.


140. SCHNAKENBEK (vorm. Snakenbeke).

Siehe bei Schnakenteich. Möglich wäre eine andere Ableitung, nämlich von snagjo die Schnecke.
 

141. SCHWARZENBEK (vorm. Swartenbek).

Ursprünglich gehörte Schwarzenbek wahrscheinlich dem Lupus de Swartenbeke. Später war dort ein herzogliches Schloß, die Schwarteburg. 1628 ward Schwarzenbek von den kaiserlichen Kriegsvölkern zum Teil zerstört. Das herzogliche Vorwerk wurde 1748 niedergelegt, dann aber wieder errichtet. Seit 1873 besitzt es Fürst Bismarck.

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142. CURSLAK (cf. Hey p. 6).

Hier eingereiht, weil es mit lache = Pfütze zusammenzuhängen schien, Curslak muß in der that aus dem Deutschen abgeleitet werden, und zwar aus dem niederländisch-deutschen, da die Vierländer unbedingt zu den niederländischen Colonisten unsrer Gegend gehören.

Neben Kureslake kommen noch in Betracht Achterslake (Achterschlag) und Bruneslake (1180). Das Etymon bei allen dreien ist ohne Zweifel slaga, der Schlag, die Feldabteilung. Achterschlag wäre nun der Hinterschlag. Danach sollte man für Brune und Kure auch Adjektivbedeutungen suchen, was ja bei brune = braun leicht ist, für kure aber nicht gelingen will. Ob es mit quer (ahd. twër) zusammenhängen kann?

143. CRONSFORDE (vorm. Cronesvorde).

Das Dorf wurde 1380 und 1382 von den Crumesses an Lübecker Bürger verkauft. 1762 kaufte es die Stadt Lübeck von den Erben des Bürgermeisters Andreas von Brömbsen.

Es ist wahrscheinlich cranuh, Kranich st. m. mittel-niederdeutsch Krân der Kranich, und vort, die Furt, der Weg. Also Kranichsfurt (nämlich über die Stecknitz).

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Auch die Brücken und Schleusen kommen, allerdings nur in jüngeren Bildungen, in Namen vor.


144. OBERBRÜCK (vorm. Oberderbrücke).

Stadtteil Lauenburgs, ehemals selbständige Gemeinde, Ob- oder Über der Brücke. Ist die Brücke über den Graben gemeint?
 

145. STÖTTEBRÜCK (Stoßbrücke).

Bei Basedow an der alten Landstraße nach Büchen belegen. Wahrscheinlich handelt es sich um eine Art Zugbrücke. Sollte es imperativisch als Holüberruf zu fassen sein? = „Stoß die Brücke."

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146. FRAUENWERDERSCHLEUSE.

Im 17ten Jahrhundert hieß die Schleuse Frauenweider Schleuse und so noch bei Manecke. Herr Amtsgerichtsrat Dührsen (cf. Dührsen-Manecke p. 354) führt an, daß sie vormals Frohwedder-Schleuse geheißen habe. Wir würden es dann wie bei den übrigen Schleusen mit dem Namen des ersten Schleusenmeisters zu thun haben. Man vergl. den noch üblichen Familiennamen Rowedder. Frowedder wäre ein niederdeutscher imperativisch gebildeter Name; frôwen = pfänden, also: pfänd wieder.

147. Voßmoor.

So heißen einige Anbauerstellen bei Escheburg = Fuchsmoor.

148. Müssen. (cf. Hey p. 23) vorm. Mussen.

Müssen kommt hier und in Schleswig-Holstein häufig als Flurname vor. So z. B. Müssenkamp bei Castorf. Müssen, Forstrevier im Sachsenwald. Bei Bönningstedt heißt es: „In den Müssen“. Es soll unter Müsse ein krautbewachsenes Wasserloch zu verstehen sein. Die Ableitung aus dem Slavischen ist daher wohl nicht zu versuchen. Es dürfte mit ahd. mios, mhd. mìes = Moos zusammenhängen, welches verwandt ist mit mos Sumpf. Waldstellen, wo der Erdboden auf großen, weiten Strecken mit einem dichten Moosteppich bedeckt ist, in welchem der Fuß einsinkt, giebt es in unsern Wäldern genug.

Bei Müssen befindet sich ein alter Burgplatz. Auf der Feldmark wurde unter 2 Steinen eine Urne mit 3 Henkeln und mehreren Broncesachen gefunden.

149. Schürensöhlen (Schierensöhlen).

Mhd. schìr as. skîr heißt hell, klar, rein. sol st. m. u. n heißt eigentlich die Kotlache, in welcher sich Tiere wälzen. Mittelniederdeutsch wird mit sol ein stehendes Wasser in Vertiefung auf Kornfeldern und Feldniederungen, die nicht mit

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Holz bewachsen sind, verstanden. Es bedeutet Schürensöhlen also „zu den klaren Tümpeln“. Beachtenswert ist, daß auf der Feldmark das ehemalige Dorf „Schönenborn“ lag. Die Bedeutung beider Namen würde fast dieselbe sein, nur daß der Born von einer Quelle gespeist wird.
 

150. BUTZ (die Butz).

Gehöft bei Salem. butze st. f. heißt Brunnen, Pfütze, Lache.

Vom Walde haben eine große Anzahl Orte ihre Namen entlehnt, nur daß das Wort Wald selbst außer in einer jüngeren Bidung nicht vorkommt, dagegen Busch, Holz und Horst.

151. MARIENWOHLDE.

Vorwerk, früher Kloster, gegründet zunächst in Bälau 1413; es wurde aber bereits 1416 nach der Stelle des jetzigen Marienwohlde verlegt, wo damals noch ein Dorf Pezeke stand. 1435 bei der Belagerung Möllns wurde das Kloster verbrannt, die Mönche und Nonnen siedelten nach Lübeck über; 1558 zog der Herzog die Klostergüter ein. Die Conventualen gehörten dem (schwedischen) Birgittenorden an. Das Mutterkloster war Mariendal bei Reval. Diese von den Dänen in Estland um 1219 gegründete Stadt hatte seit da rege Handelsbeziehungen mit Lübeck. Das Kloster führt, wie alle Birgittenordensklöster, seinen Namen zur Ehre der heiligen Mutter Gottes. (Wald der Maria.)


152. BASTHORST.

hurst st. m. u. f. bedeutet Busch, Gebüsch, zugleich aber, wie die Waknitzhöfe noch jetzt beweisen, ein einzelnes Gehöft im (Ufer) gebüsch. bast st. m. u. n. = Bast. Es mag also Basthorst ein Linden- oder Birkengebusch bezeichnen. Das Gut gehörte in alter Zeit der Familie von Schack. Zu der der heiligen Maria geweihten Dorfkirche geschahen in katholischer

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Zeit sehr frequentierte Wallfahrten zum heiligen Leichnam, woraus später Jahrmärkte entstanden.
 

153. BESENHORST (cf. Besenthal).

Danach würde es Binsenbusch bedeuten. Indessen kann man auch an niederländisch bese = beere (Besinge = Bickbeeren) denken, also Bickbeerenbusch. Bis zum Jahre 1806, wo es durch eine Eisstopfung zerstört wurde, lag das Dorf nahe an der Elbe zwischen Altengamme und Geesthacht, jetzt ½ Stunde landeinwärts. Schon im 30jährigen Kriege war das Dorf einmal verwüstet worden.
 

154. BUCHHORST (vorm. Bochhorst).

Es bedeutet Buchenhorst, wie Buchholz Buchenholz und Ekhorst (cf. das.) Eichenhorst. Es ist direkt mit dem Stamme von vorauszusetzendem as. bôc f. die Buche, zusammengesetzt. Auf den Heidbergen der Feldmark werden oft zertrümmerte Urnen ausgegraben.
 

155. BULLENHORST.

Anbauerstellen beim Steinhorster Wentorf. In der That wohl das Waldrevier, welches dem Dorfbullen zum Aufenthalt diente, bezw. das Gehöfte, wo der Dorfbulle gehalten wurde. Wenn Beyer limes Saxoniae p. 14 Bullenhorst wie Bullenhorn und Bullenhusen als Billenhorst, der Wald, in welchem ein Arm der Bille entspringe, zu erklären versucht, so ist er durchaus im Irrtum, man müßte dann schon annehmen, daß sich der also benannte Wald sehr weit nach Süden erstreckt habe und Bullenhorst an dessen nördlichstem Rande gelegen habe. Indessen bezeichnet Horst ja nur ein wenig umfangreiches Gebüsch, oft nur eine kleine mit Gestrüpp besetzte Anhöhe.


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. EKHORST.

1230 lag etwa da, wo jetzt die Butz liegt, ein kleines Dorf. 1445 war es schon wüste. Die südwestlich von der Butz gelegene Seedorfer Hölzung heißt noch Ekhorst.

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157. ELMENHORST (vorm. Elmhorst).

1447 und 1456 verpfändeten die Gebrüder Wulf von Schwarzenbek Elmenhorst samt Lanken, Sahms und Pampow an Graf Adolf VIII. von Holstein. 1736 entsagten die Holsteiner zu Gunsten Chur-Hannovers auf den Besitz. Elm oder Elme ist die Ulme. Also = Ulmenbusch. Trotz des bereits deutschen Namens war Elmhorst 1230 noch ein slavisches Dorf. Man wird also leicht zu der Annahme geführt, daß die Slaven zuvor das Dorf den Deutschen abgenommen hatten.

158. HAVEKOST (vorm. Havighorst).

Mhd. habich der Habicht. Also Habichtshorst.

159. HORST (mecklenb.)

Horst ist niemals etwas andres gewesen als ein einzelnes Gut. Es wurde 1573 von den Brüdern v. Wakerbarth auf Kogel und Sterley an Stelle des alten Clotesfelde erbaut und erst Neurad, dann Horst genannt. 1323 bestimmt Herzog Erich die Grenze zwischen Schmilau und Clotesfelde so, daß ein Stück Land, gewöhnlich Horst genannt, zu Clotesfelde kam. Es bezeichnet wohl eine höhere busch- oder waldbestandene Strecke zwischen den dortigen Brüchen und Mooren.

160. HOHEHORST.

Kathen bei Schönberg. Also HOCHBUSCH.


161. RAUHEHORST.

Ziegelei bei Kehrsen. Ahd. hruch, mhd. rouch st. m. u. ruoche sw. m. die Krähe, der Häher. Andere Flurnamen sind Rugenhorst, Rugenberg, Rugenbek, Rugenmohr. Es ist hier also durch die vermeintliche Übertragung ins Neuhochdeutsche die Ableitung verdunkelt worden. Es bedeutet Krähenhorst oder besser wohl HÄHERHORST.


162. SCHIPHORST (vorm. Sciphorst).

Um 1230 ist das Dorf von Slaven bewohnt. Gleichwohl halte ich den ganzen Namen für deutsch, allerdings wohl blos als Übersetzung aus dem in seiner Bedeutung damals

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klaren und bekannten slavischen Namen. Als Etymon nehme ich freilich nicht as. scip = Schiff, sondern as. scâp, engl. sheep = Schaaf an. Also: SCHAFBUSCH.

163. STEINHORST (vorm. Stenhorst).

Früher gab es 2 Steinhorst. Groten- und Lütken-Stenhorst. Auch sind noch Überreste von 2 Burgen daselbst vorhanden. 1349 bei der großen Razzia gegen die Raubritter ward auch in Steinhorst eine Burg gebrochen. Ein Zweig derer von Zülen nannte sich auch von Steinhorst. Von diesen erwarb es der Herzog, verpfändete es aber im 16. Jahrhundert an einen Holsteiner von Adel und 1575 verkaufte Herzog Franz II. das ganze Amt Steinhorst an Herzog Adolf von Holstein-Gottorf. 1738 eroberten die Hannoveraner das Schloß, und das ganze Amt kam durch Vergleich wieder an Lauenburg. – Man kann zweifelhaft sein, ob hier überhaupt an einen Wald als ursprünglichen Namensträger gedacht werden darf, ob nicht vielmehr blos ein steinernes Haus bezeichnet werden soll.

164. Ziegelhorst (vorm. Tegelhof).

1683 stand hier (im Gute Tüschenbek) noch der Zisekenkrog (Zeisigkrug), später eine Ziegelei. Da es ein Waknitzhof ist, bedeutet es wohl einfach, wie ja auch der frühere Name zeigt, Ziegelhof d. i. Ziegelei. So mag auch Schiphorst am Ende weiter nichts sein sollen als Schäferei, Elmhorst der Ulmenhof, Buchhorst der Buchenhof, ganz wie man anderwärts Vorwerke und einzelne Höfe auch zu bezeichnen pflegt.


165.
Bartelsbusch.

Holzvogtwohnung und Hölzung bei Kl. Disnack. Daß eine Hölzung von einem P. N. benannt wird, ist auffällig, mindestens wenig üblich. Ich bin daher geneigt an eine volksetymologische Verdrehung zu glauben. Ich denke dabei an das mhd. pardrîs (aus frz. perdrix) Rebhuhn. Also Rebhuhnbusch.

166. Bohnenbusch (Bodenbusch).

Gehöft bei Krukow. Die Erklärung von Boden (cf.

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daselbst) dürfte auch hier zutreffen. Der Busch mit Häuslerwohnungen. BUDENBUSCH.

167. EULENBUSCH (Uhlenbusch).

Bei Grönau. An Stelle dieser Häuser stand ehemals ein von Herrn von Ranzau gestiftetes Armenhaus. Man denke an das hamburgische Uhlenhorst. Also in der That Eulenbusch.

168. HUNDEBUSCH.

So heißt das ziemlich umfangreiche Gehölz bei Salem, wo jetzt sich die Schießstände des lauenburgischen Jägerbataillons befinden. Es scheint kaum möglich ein anderes Etymon zu finden als hunt, der Hund. So wird es denn wohl wirklich Hundebusch sein. Vielleicht daß dort die Jagdmeute der Herzöge gehalten wurde. (?)

169. BARGHOLZ (vorm. Berkenholte).

Bei Gudow. Der ältere Name scheint von selbst auf die richtige Deutung zu führen. Allein sowohl ahd. als mhd. heißt der Baum birca und birke. Es liegt also Grund vor, Berkenholte als volksetymologischen Irrtum aufzufassen. Östlich vor Ratzeburg lag noch 1592 ein dünnes Wäldchen, Bergbusch genannt, aus EICHEN bestehend, worin die Ziethener die Mast hatten. Nun heißt ahd. barch, mhd. barc st. m. das männliche Schwein. Bargholz ist also SCHWEINEHOLZ. – Bargholz war ehemals ein Dorf. 1470 verkauften die von Zülen die wüste Feldmark an die Gebrüder von Bülow auf Gudow.

170. BUCHHOLZ (vorm. Bocholt).

Buchholz liegt in der That, bezw. lag früher in einem Buchenholz. 1277 bestätigte Johann I. dem Ratzeburger Bischof die Erhebung des halben Zehnten aus Buchholz. Da das Dorf im Zehntenregister von 1230 noch nicht vorkommt, war diese Bestätigung vielleicht eben deshalb nötig. Wahrscheinlich ist also das Dorf zwischen 1230 und 1277 erst entstanden.

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171. GROSZ-WEHDEN (vorm. Wedege).

Wahrscheinlich von mhd. widahe st. n. Das Weidengebüsch, Weidicht.
 

172. HEISCH (zum Heisch).

Holz- und Moorvogtswohnung bei Duvensee. Wahrscheinlich zu mhd. heidach, heidehe st. n. das Heidekraut, Heidicht. Die Umwandlung wäre so zu denken: heidech, heidch, heidsch, heisch. Vielleicht ist es aber der Ort, wo die Pfingstlaube stand. (cf. Pingsheesch.)
 

173. SÖHREN (in den Söhren).

An der Hölzung Hundebusch an der alten Landstraße Mölln-Schwerin. Hier hatte sich 1813 das dänische Hülfskorps des Fürsten von Eckmühl verschanzt. Am 7. Oktober jenes Jahres erlitt hier das Lützow’sche Freikorps unter Major von Dörenberg eine blutige Niederlage durch die dänischen Husaren.

sôr bedeutet das Absterben eines Baumes sôr adj. = welk. Es ist also DÜRRHOLZ. Bei der früheren unachtsamen Waldwirtschaft mag ein Versohren größerer Waldstrecken öfters vorgekommen sein.

Da auch einzelne Bäume und Baumgruppen unter Umständen gute Merkzeichen der Gegend sind, darf man sich nicht wundern, daß auch sie zur Namengebung verwendet wurden. Überhaupt tritt ja in unsern deutschen Ortsnamen das Bestreben unverkennbar hervor, möglichst charakteristische Merkmale in die Namen aufzunehmen, so daß der Name wirklich zum Erkennen des Orts beiträgt.


174. BILLBAUM.

Mit Billbaum, Grönauer Baum u.s.w. verhält es sich freilich anders. Es ist nämlich der Grenzschlagbaum. In der That liegt das so benannte Wirtshaus an der lauenburgisch-holsteinischen Grenzscheide an der Bille.
 

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175. SIEBENBÄUMEN (vorm. Sovenbomen).

Siebenbäumen umfaßt zum Teil das ehemalige Kirchspiel Schönenborn. Es ward von den Herzögen seiner Zeit zur Hälfte an Lübeck verpfändet. Durch den Vergleich von 1747 kam auch diese Hälfte wieder an Lauenburg. Es bedeutet in der That: „zu den 7 Bäumen.“


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. SIEBENEICHEN (Soveneken ad septem quercus).

Auf einem freien Platze im Dorfe hat man erst in diesem Jahrhundert zu Ehren des Namens wieder 7 Eichen gepflanzt. Die lateinische Interimsbzeichnung von 1230 bedeutet meiner Überzeugung nach, daß das Dorf damals erst vor Kurzem und zwar keineswegs aus einem slavischen Dorfe, sondern duch Neugründung entstanden war. Das 2malige Vorkommen von 7 Bäumen in Dorfnamen muß seine besondere Bedeutung haben. Ich vermute, daß auf solche Weise die Dingstätte eines größeren Bezirks bezeichnet wurde.


177. BÜCHEN (vorm Boken).

Büchen liegt hoch in einer öden Sandfläche, auf der sich die Buchengruppe, welcher der Ort den Namen verdankt, besonders markant abgehoben haben muß. Im Anfange des 15. Jahrhunderts hatte die Familie von Marschalk hier eine Burg; eine zum Pastorat gehörige Wiese heißt noch die Burgwiese. Büchen war ehemals ein Walfahrtsort, in dem ein wunderthätiges Muttergottesbild aufbewahrt wurde. Im Saale des Posthauses wurden ehemals die lauenburgischen Landtage abgehalten.


178. SCHEVENBÖKEN (Silkenburg).

So heißen einige Kathen bei Coberg. = Zu den schiefen Buchen.

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Ein weiterer Grund zur Bezeichnung seiner Wohnstätte ist für den Ackerbauer die Beschaffenheit seiner Flur, des Feldes, des Kampes, der Rodung.

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Das neu unter den Pflug genommene Land soll wahrscheinlich bezeichnen

179. NEUENLANDE.

Einige Kathen bei Breitenfelde heißen so.

180. ALBSFELDE (vorm. Albrechtesvelde).

1291 verkaufte Herzog Albrecht II. dieses Dorf an einen Lübecker Bürger. 1230 besaß dort Fridericus stultus den halben Zehnten. Die Möglichkeit ist nicht ausgeschlossen, daß das Dorf von Albrecht I. seinen Namen führt. 1441 kaufte die Stadt Lübeck das Dorf mit Genehmigung der Herzöge Magnus und Bernhard II. Damals wurden die Hoheitsrechte der Herzöge besonders gewahrt. Gleichwohl behauptete Lübeck später auch diese zu besitzen und erlangte sie durch den Vergleich von 1747 nach dem Grundsatz do ut des wirklich.
 

181. BREITENFELDE (vorm Bredenvelde).

Zu dem Breiten d. i. ausgedehntem Felde. Das Dorf wird bereits 1194 erwähnt. Schon damals wie heute noch lag das Dorf also, oder wenigstens seine Flur, im weiten Ackerfelde. Breitenfelde war eines der wenigen Dörfer, in denen sich die Zehntenzahlung an das Stift Ratzeburg bis in die neueste Zeit erhalten hatte. Ehemals gehörte es den Schacks, später war es zum Teil Eigentum des Klosters Marienwohlde, endlich war die andere Hälfte mit der Vogtei Mölln an Lübeck verpfändet und kam erst 1747 wieder an Lauenburg. Von daher stammen noch die Bezeichnungen alt- und neu-sächsisch Breitenfelde. 1658 litt Breitenfelde sehr von schwedischen Kriegsvölkern.


182. CLOTESVELDE.

1158 hieß das Dorf Kosaza, 1174 bereits Clotesfelde. 1358 ist dann von der Clotesfelder Horst die Rede. Es ist das jetzige Horst. (s. das.) Clot ist = Chlotar. Derselbe Name steckt im heutigen Familiennahme Klotz. Man kann also übertragen: KLOTZFELD.

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183. HAMFELDE (vorm. Honvelde)

= zum hohen Felde. Die Schacks besaßen bis 1460 Dorf und Gut zu Hamfelde. Der Hof ward 1801 bei der Verkoppelung niedergelegt.


184. SANDFELDE.

Anbauerstellen bei Anker = „ZUM SANDFELDE.“
 

185. SIRKSFELDe (vorm. Sirikesvelde).

Sirik ist gleich Sigerich. Also SIGERICHSFELDE. Ein wendisch Sirksfelde wird 1230 und 1291 erwähnt; 1468 lag es bereits wüste. Das wendische Dorf nahm hier möglicherweise den Namen seines deutschen Herren an. Die durch nichts bewiesene Behauptung, daß das als wendisch oder Klein- bezeichnete Dorf, im Gegensatz zu dem deutschen, oft mit Groß- bezeichnetem Dorfe, eins sei, was die Wenden erst anlegten, nachdem sie aus dem großen vertrieben waren, findet an solchen Beispielen wie hier wenig Unterstützung. Ich halte daran fest, daß das als wendisch bezeichnete Dorf allemal das ursprüngliche ist. Es ist geradezu unglaublich, daß der Deutsche sich in die schlechten Hütten der Wenden gesetzt haben soll. Er baute sein eigenes Dorf an gut gewählter Stelle. die Flur belegte er in ihren besten Stücken mit Beschlag und ließ den Wenden bloß die schlechten. Auch wo kein neues Dorf entstand, ist sicher ein neuer Dorfteil angebaut worden. Das dem so ist, schließe ich aus gewissen Andeutungen des so oft angeführten und oft so mißbräuchlich benutzten Zehntenregisters, das hoffentlich bald eine ausführliche Würdigung erfährt.

In der Nähe von Sirksfelde ist eine alte Befestigung, der sog. Sirksfelder Wall.
 

186. Volcmaresvelt.

Ein solches Dorf wird 1230 im Kirchspiel Lütau erwähnt. = VOLLMERSFELD. Dies ist das dritte der kleinen Dörfer, aus denen die Flur der Stadt Lauenburg entstand.

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187. WALKSFELDE (vorm. Walegotesvelde).

Graf Bernhard machte der Kirche mit diesem Dorfe, das damals noch seinen slav. Namen Walegotsa trug, aber schon 1190 Walegotesvelde genannt wird, eine Schenkung zum Seelenheile seines Vaters. Gräfin Adelheid gab 1190 alle ihre Rechte, die sie noch dort besaß, als Heerfolge, Beden, Borchwerk, Brugwerk und Dienste (angariae Frohnden) auf. Das Dorf gehört noch heute, allerdings nach mancherlei Besitzwechsel zum Fürstentum Ratzeburg. Interessant ist die volksteymologische Veränderung, welche man hier wirklich einmal noch verfolgen kann. Aus dem slav. Walegotsa wurde ein deutsches Walegotesvelde zurecht gemacht, = Feld der Wahl Gottes. (ahd. wala die Wahl.)

Für ein Feldgrundstück von beschränkter Ausdehnung gilt der Ausdruck Kamp.


188. BILLENKAMP.

Kamp an der Bille, Anbauerstellen bei Aumühle.


189. KÄTHNERKAMP (Kötherkamp).

Schulkathen zwischen Havekost und Möhnsen, wahrscheinlich in der That auf dem Käthnerlande errichtet.


190. RAVENSKAMP.

Siehe Thebelsberg.
 

191. VIEHKAMP.

So heißt eine Kathe bei Kl. Sarau.

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Von der Rodung tragen folgende Orte ihre Namen:
 

192. BERGRADE (vorm. Bercroth).

Bergrade gehörte bis 1394 den Ritzeraus. Es bedeutet die Rodung am Berg und ist offenbar so benannt im Gegensatz zu Klinkrade. (s. das.) Das nahe Klinkrade zeigt, daß die ganze Gegend dort ehemals d. h. zur Zeit der Einwanderung der Deutschen in der Mitte des zwölften Jahrhunderts ein großer Wald war.

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193. FLACHSRÖTE.

Anbauerstellen bei Linau. Mit Flachsröte verhält es sich anders. roten ist die niederdeutsche Form für das hd. rösten = Flachs zur Bearbeitung erweichen. Also Flachsröste.

194. KLINKRADE (vorm. Klinkroth).

Klinka ist eine Thalschlucht, in der Wasser fließt. Die Benennung ist offenbar im Gegensatz zu Bergrade erfolgt. Auch Klinkrade gehörte ursprünglich, gleichwie Bergrade den Ritzeraus, die schon 1230 den halben zehnten dort besaßen. Man geht wohl kaum fehl, wenn man diesem Geschlechte der Raven (corvi) auch die Anlage und Colonisation beider Orte zuschreibt.

195. LEHMRADE.

Da der Boden bei Lehmrade nicht schwer, sondern im Gegenteil recht leicht ist, darf man hier wohl nicht an leim = Lehm als Etymon denken. Vielmehr ist das bei Lauenburg erwähnte lewen in der Bedeutung „ausgedehnter Wald“ hier anzuziehen. Also Rodung im Lewen.


196.
MÜHLENRADE (vorm. Mollenrode).

Mühlenrade war im 16. Jahrhundert und bis 1631 zugleich mit Fuhlenhagen, Talkau und Köthel an den Grafen von Oldenburg verpfändet, weshalb man diese Dörfer wohl auch noch die Grafendörfer nennt. Forstörter bei Mühlenrade sind unter andern auch Mühlenland, Bollenrade, Rodenlande, Schiebenrade und Kohlenrade, offenbar später wieder aufgeforstete Orte. Mühlenrade ist demnach die Rodung zum Zweck der Anlage einer Mühle.

197. SIRKSRADE (vorm Ciresrode).

1401 von den Ritzeraus an einen Lübecker Bürger, 1586 an die Stadt Lübeck verkauft. Neben Ciresrode findet sich eine andere ältere Form Scirfrode, außerdem Tzirsrode und Syresrode. Ersteres führt auf die richtige Ableitung. Bezeugt ist der ahd. P. N. Zierolf oder Cierolf, etwa in der Bedeutung „Zierde des Geschlechts.“ Also Zierolfs Rodung.

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Die neue Form Sirksrade ist offenbar entstanden durch Angleichung an Sirksfelde, das aber (s. das.) einen ganz andern Ursprung hat.

198. STUBBEN (vorm. tho den Stubben).

cf. Hey p. 34. Mit ahd. stuba = ovile, porcaritium = Schaaf- od. Schweinehürde hat es wohl nichts zu thun. Stubben sind, wie bekannt, die Stümpfe ausgerodeter Bäume. Einige Kathen bei Stubben heißen noch heute Radelande. Waldreviere tragen ebenfalls den Namen Stubben, so z. B. eins bei Talkau. Also: „Zu den Stümpfen.“

199. VOGTSTEMMEN.

Gehöft bei Dargow. Es dürfte zu stam st. m. der Stamm gehören. So erklärt auch Förstemann Stammheim, z. B. Nordstemmen, Burgstemmen. Also Wohnung des Vogtes bei den Stämmen, nämlich gefällter Bäume. VOGTSSTAMMHEIM.

Es folgen nun noch einige Flurbezeichnungen und andres, was sich nicht an einer bestimmten Stelle einfügen ließ.

200. VIERT.

Kathe in Groß-Grönau. Viert ist eine in hiesiger Gegend äußerst häufige Flurbezeichnung. Wahrscheinlich ist es dasselbe wie nhd. Geviert und bezeichnet entweder ein viereckiges Stück Land, oder es bezeichnet den 4. Schlag, der brach lag, während die übrigen 3 Schläge benutzt wurden.

201. KALKKUHLE.

Anbauerstellen bei Sirksfelde. Kuhle bezeichnet hier eine Grube. Also Kalkgrube.
 

202. HUDE (auf der).

An der Stecknitz bei Kühsen. Hängt zusammen mit houten = acht haben, bewachen. Es scheint eine Landestelle und Lagerplatz für Schiffsgüter zu bezeichnen. cf. Holzhude bei Ratzeburg.

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203. TESPERHUDE.

Tesperhude ist wahrscheinlich gleich dem Toschope des Z. R. Es liegt gegenüber dem hannöverschen Tespe. Jenes wird sein To scope. Ahd. scopf und scof, dem ein as. scop entsprechen mochte, heißt Schuppen, Wetterdach. Also „Zum Schuppen.“ Das würde dann zu Hude sehr gut passen. Schuppen und Schupfen ist übrigens bloß die schwache Form zu scopf.


204.
SCHRETSTAKEN.

Vormals Scretstaken (1407), Scrytstaken (1460). 1407 war Schretstaken ein Vikariendorf der Lübecker Ägidienkirche und ward 1452 an die Stadt verkauft. Nach Saß u. Holst, R 122 (cf. Schiller-Lübben) ist schrêtstake eine zugespitzte Stange, die nach einer Stelle aus dem Livl. Urk. Nr. 2811 aus dem Jahre 1380 auch als Grenzbezeichnung verwendet wurde. Es ist zusammengesetzt aus schrêt oder schrât (von schroden = schneiden) und stake, das ja noch jetzt üblich ist Schretstaken würde also das Dorf beim Grenzpfahl sein. In der That zog in der Nähe von Schretstaken sich die Grenze von Sadelbandien hin. Die Stelle aus Saß und Holst. R 122 lautet: unde were mit deme gelde hen in dat velt gegan unde alda bi einem Schretstaken dale gegraven. Hier sollte also der Schretstaken, der zu diesem Zwecke beständig dort stehen bleiben mußte und also sicher eine Bedeutung hatte, als jederzeit leicht erkennbares Merkmal dienen.

Willkürliche Bezeichnungen sind: 205. WEISZER HIRSCH, ein Wirtshaus in den Söhren bei Salem; 206. GRÜNER JÄGER, ein Forstgehöft bei Gültzow.

Scherznamen sind: 207. NEUE WELT, bei Kogel; 208. KEHRWIEDER, Wirtshaus bei Brunsmark; 209. VERGISZMEINNICHT, Anbauerstelle bei Sandesneben und 209a. SCHLAPUT, Kathe bei Kogel.

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210. TANGMER.

Vergessen ist unter den slavischen Ortsnamen unsrer Gegend das vergangene Dorf Tangmer bei Schmilau, an welches

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noch der Forstort Tangenberg daselbst erinnert. 1377 war es noch vorhanden. Damals vertauschte es der Bischof mit andren Besitzungen an Detlew von Gronow für Stove.

Wegen Tangmer, Kosaza, Schattin und Walksfelde erbat ich und erhielt von Herrn Dr. Hey in Döbeln folgenden Nachtrag.

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NAMEN-NACHLESE.

An die im Jahre 1888 in diesem Archiv gebotene Erläuterung der lauenburgischen Ortsnamen möge sich noch zur Vervollständigung, durch Herrn Dr. Hellwig veranlaßt, folgender kleine Nachtrag schließen.

TANGMER, ein eingegangener Ort bei Schmilan, der 1230 genannt wird und auch 1377 noch vorhanden war, trägt seine Benennung von einem Besitzer Tągomir (ą nasal, spr. Tongomir). dieser P N. stammt von asl. tągú, tsch. tuhý, wend. tuhi zähe, starr, fest, streng, hart und mêr = mir Name, Ruhm, und ist auch in der Form Tugumir in Mon. Germ V. 444 als der Name eines Führers der Heveller überliefert. An das Dorf erinnert noch der Forstort Tangenberg b. Schmilau.

KOSAZA, ebenfalls verschwunden, erklärt sich aus dem von Koza Ziege gebildeten Adjektiv olw. Kozacy, a, e, slovak. Kozací, als Femininum, = Ziegenhain, oder entspricht dem gleichbedeutenden Kozjaća in Kroatien.

SCHATTIN, jetzt lübisch, 1230 Scatin, ist vielleicht auf skotina = Viehtrift zurückzuführen von asl. sxotú, tsch. skot Vieh, wie Schwerin, urk. Zwerin = zvêrina Tiergarten von zvêrí Tier, Wild; sc, sch ist sehr gewöhnlich aus sk hervorgegangen.

WALKSFELDE, jetzt zu Meckl. Strelitz gehörig, um 1160 Walegotsa, dann aber 1194 Walegotesvelde, 1196 Waleghotesuelde, 1230 1236 Walegotesvelde genannt, deutet Kühnel als den Ort eines Valegost = tapfere Gastfreunde habend, oder Ort eines Valichoteš = voll starker Sehnsucht. Aber in Rücksicht darauf, daß bei fünfmaliger urkundlicher

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Nennung des Namens dieser noch in keinem Falle s vor t aufweist, also zu einer Ableitung von Valegost sich nicht recht zu fügen scheint, sowie daß ein Name Valichoteš ohne Analogie steht, möchte man sich darauf beschränken, den Namen einfach als Dorf eines Walegot zu erklären. Schwer ist die Entscheidung, ob dieser P. N. deutsch ist wie Walagaud (ius), Walagothi – s. Förstemann, altdeutsches Namenbuch I, 1232, II, 1531 – ferner wie Walaram, Walahfrid oder Walefrid, Walegundis u.s.w. oder ob er als slavisch zu gelten hat = Valechot, Kriegsluft. Für das Deutschtum möchte der hessische O. N. Walkes sprechen, wenn dieser für einen Genitiv Walgotes gehalten werden darf.

Schließlich sei noch bei dieser Gelegenheit in Betreff der früher behandelten Namen bemerkt, daß unter Grienau die Formen Wazgrini, Wozgrinie und Všegrin zu streichen sind, sowie das Zecher und Čachor aus dem Stamm čach-, weißruss. čachnuć = auszehren sich erklären dürften.

Dr. G. Hey.

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Ueberschauen wir nun nochmals die Gesamtheit unsrer deutschen Ortsnamen, so überrascht uns bei der Mehrzahl die außerordentliche Schärfe, mit welcher die charakteristischen Merkmale der Gegend beobachtet und zum Ausdruck gebracht sind. Es gehörte dazu das an die Naturbeobachtung gewöhnte Auge und Ohr unsrer Altvordern. Nur 43 von den mehr als 200 Ortsnamen beziehen sich auf die ersten Gründer und bewahren uns deren Namen auf. Diese sind in alphabetischer Ordnung folgende:

Abo, Albrecht, Barthold Bege, Berne, Berthold, Biliza (?) Borchard, Bruno, Carl, Chlotar, Christian, Dasso, Franz, Friedrich, Georg, Giselbrecht, Gotschalk, Hagilo (?), Hano, Hermann, Hruoduchilo, Kailo (?), Kerstian, Louise, Maria, Margarethe, Melusine, Nanno, Puko, Raven, Roding, Sigerich, Sophie, Stahal, Theobald, Valko, Volkmar, Walther, Wiger, Wite, Wolfhart, Zierolf.

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Im übrigen ordnen sich die zu den Namen verwendeten Bestandteile folgendermaßen:

Aus dem Tierreich entlehnt sind: Bulle, Kuh, Fohlen, Fuchs, Schaaf (?), Schwein (barc), Hund; Rebhuhn (pardris) ?, Eule, Häher, Kranich, Habicht, Taube; Frosch (Pogge), Fliege und Schnake.

Aus der Pflanzenwelt sind hergenommen: Baum, Buche, Eiche, Esche, Föhre, Hasel, Ulme; Stamm, Stubben, Stange, Drum; Weidicht, Heidicht (?), Moos; Flachs; Rose.

Von Geräten kommen vor: Schretstaken.

Von Industriegegenständen findet sich nur Ziegel (tegel).

Von concreten Substantiven scheinen verwendet: Edelmann (baro) ?, Krüppel (cruppel); von abstracten Substantiven: Schutz (fridhu).

Von der Bodenbeschaffenheit sind hergenommen: Sand, Grand; von der Bodengestalt: Berg, Thal, Höhe.

Flurnamen Feld, Wald und Wasser betreffend sind: Land, Feld, Hufe, Kamp, Schlag, Viert, Rodung, Garten; Wald (Lewen) ?, Horst, Hagen, Busch, Holz, Sohr; See, Gestade, Bruch, Moor, Pfütze, Bach, Furt, Sohl, Kuhle, Born, Brunnen.

Von Baulichkeiten kommen vor: Burg, Haus, Bur (Bauer) ?, Hagen (?) Bude, Kathe, Schuppen, Wurt; Mühle, Krug.

Attributivisch verwendet finden sich folgende Adjektive: schön, blank, golden (?); schwarz, rot, grün; hell (schier), schmutzig, (horvic); hoch, breit, schief; öde, alt, neu; kalt; Zahlen: eins, fünf, sieben.

Althochdeutsche Verben bezw. altsächsische kommen in ihrem Stamme zur Verwendung: grinan (greinen), quêdhean (klagen), hêlan (verhehlen).

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Zur besseren Uebersicht folgt ein Verzeichnis sämtlicher lauenburgischer Ortsnamen, auch der slavischen, mit Angabe der Stelle, wo der betreffende Artikel darüber zu finden ist, und kurzer Deutung.

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Albrechteshope No. 52 = Albrechts Schar.
Albsfelde No. 180 = Albrechts Felde.
Alt-Mölln No. 83 = Zur alten Mühle.
Anker Hey p. 4 = die Mehlhändler. (sl.)
Artlenburg No. 36 = Burg an der Erthene.
Aumühle No. 84 = Mühle am Aubach.
       
Baarwege No. 99 = Am Knüppeldamm.
Bälau Hey p. 14 = Bela's Dorf. (sl.)
Bandowe Hey p. 14 = Band's Gut. (sl.)
Bargholz Hey p. 169 = Schweinezolz.
Barnitz (Bach) Hey p. 5 = Lehmbach. (sl.)
Bartelsbusch Hey p. 165 = Rebhuhnbusch.
Basedow Hey p. 14 = Gut des Basda. (sl.)
Basthorst Hey p. 152 = Lindengebüsch.
Behlendorf Nr. 3
Hey p. 14
= Dorf des Bela. (sl.)
Beidendorf Nr. 3
Hey p. 14
= Berge's Dorf.
Bergkrug No. 92 = Krug auf dem Berge.
Bergrade No. 192 = Rodung am Berge.
Berkenthin Hey p. 15 = Gut des Parkenta. (sl.)
Bernstorf No. 4 = Dorf Berne's.
Besenhorst No. 153 = Bickbeerenhorst.
Besenthal No. 117 = Binsenthal.
Billbaum No. 174 = Schlagbaum an der Bille.
Bille (Fluß) Hey p. 5 = Weißwasser. (sl.)
Billenkamp No. 188 = Feldstück an der Bille.
Blankensee No. 121 = Zu dem blanken See.
Bliestorf Nr. 5,
Hey p. 15
= Biliza's Dorf. (sl.)
Boden No. 81 = Zu den Buden.
Börnsen Hey p. 33 = Borno'shausen.
Börse Hey p. 5 = Föhrenwald. (sl.)
Bohnenbusch No. 166 = Budenbusch.
Bornmühle No. 86 = Mühle am Quell.
Borstorf No. 6 = Borchardt's Dorf.
Breitenfelde No. 181 = Zum breiten Felde.
Brennerkaten No. 82 = Branntweinbrennerkaten.
Bresahn Hey p. 5 = Uferleute. (sl.)
Brookmühle No. 85 = Mühle am Bruch.
Bröthen Hey p. 5 = Brudershof. (sl.)
Brückenkathen No. 82 = Kathen bei der Brücke.
Brunsmarck No. 100 = Bruno's Bezirk.
Brunstorf No. 7 = Barons Dorf.
Buchholz No. 170 = Buchenholz.
Buchhorst No. 154 = Buchenhorst.
Büchen No. 177 = Zu den Buchen.
Bullenhorst No. 155 = Des Bullen Horst.
Butz No. 150 = Pfütze.
       
Campen (leer) = Insel (Wärder). (sl.)
Carlshöhe No. 116 = Carslhöhe.
Castorf No. 8 = Kerstians Dorf.
Cemerstorp Hey p. 15 = S'cimirs Dorf. (sl.)
Christianshöhe No. 115 = Christianshöhe.
Clotesfelde No. 182 = Klotzfelde.

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Coberg No. 102 = Kuhberge.
Collow Hey p. 15 = Kolad's Gut. (sl.)
Cronsforde No. 143 = Zur Kranichsfurt.
Culpin Hey p. 16 = Kolp's Gut. (sl.)
Curslak No. 142,
Hey p. 6
= Querschlag (?)
       
Dahmker No. 134a,
Hey p. 6
= am Dammbek.
Dalldorf No. 9 = Thaldorf.
Dargenowe Hey p. 16 = Dargan's Gut. (sl.)
Dargow Hey p. 16 = Dargs Dorf. (sl.)
Dassendorf No. 10 = Dasso's Dorf. (sl.)
Dechow Hey p. 16 = Dech's Dorf. (sl.)
Delvenau (Fluß) Hey p. 6 = Graben. (sl.)
Dermin Hey p. 16 = Doroma's Gut. (sl.)
Disnack Hey p. 6 = Leibeigene. (sl.)
Donnerschleuse No. 146 = Donners Schleuse.
Drögemühle No. 87 = Trockenmühle.
Drüsen Hey p. 17 = Drusen's Hof. (sl.)
Drumshorn No. 113,
Hey p. 17
= Ende von Horn.
Düchelsdorf No. 11,
Hey p. 17
= Roduchilo's Dorf.
Dückerschleuse No. 146 = Dückers Schleuse.
Dutzow Hey p. 17 = Duscha's Gut. (sl.)
Duvensee No. 122 = Taubensee.
       
Einhaus No. 62 = Ein Haus.
Ekhorst No. 156 = Eichenhorst.
Elmenhorst No. 157 = Ulmenhorst.
Erteneburg No. 37 = Burg an der Erthene.
Escheburg No. 38 = Eschenburg.
Eulenhorst (leer) = Eulenhorst.
       
Fahrendorf No. 12 = Föhrendorf.
Falkenhusen (leer) = Zu Falko's Häusern.
Farchau Hey p. 17 = Werchs Gut. (sl.)
Fitzen Hey p. 17 = Vitz' Gut. (sl.)
Flachsröthe No. 193 = Flachsröste.
Fliegenberg No. 103 = Fliegenberg.
Fortkrug No. 93 = Krug an einer Furt.
Frankenmühle No. 88 = Franke's Mühle.
Franzdorf No. 13 = Franzdorf.
Franzhagen No. 66 = Franzens Gehege.
Franzhof No. 57 = Franzenshof.
Fräuleinberg No. 104 = Fräuleinberg.
Fredeburg No. 39 = Landfriedensburg.
Friedrichsruh No. 75 = Friedrichs Ruhesitz.
Fuhlenhagen No. 67 = Fohlengehege.
Fünfhausen No. 63 = Zu den 5 Häusern.
Fürstengarten No. 79 = Fürstengarten.
Fürstenhof No. 58 = Fürstenhof.
       
Garrensee No. 123
Hey p. 35
= Gartensee.
Geestbek (Bach) Hey p. 7 = Klarer Bruch. (sl.)
Georgsberg, St. No. 108 = Berg d. hl. Georg.
Gesundbrunnen No. 131 = Gesundbrunnen.
Giesensdorf No. 14 = Giselbrechts Dorf.
Glüsing Hey p. 34 = Glanz (?)

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Goelescalci villa No. 15 = Gottschalks Dorf.
Göldenitz Hey p. 18 = Golens' Leute. (sl.)
Göttin Hey p. 18 = Chot's Hof. (sl.)
Goldensee Hey p. 7 = Zum goldenen See (?)
Grabau Hey p. 7 = Buchheim.
Grambek Hey p. 35 = Grandbach.
Grande Hey p. 35 = Zum Grande.
Gretenberge No. 105 = Margarethenberg.
Grinau No. 132,
Hey p. 19
= Winselbach.
Grönau No. 133,
Hey p. 19
= Grüne Au. (?)
Grove Hey p. 35 = Zur Grube.
Grünhof No. 59 = Zum grünen Hof.
Grünjäger No. 206 = Zum grünen Jäger.
Gudow Hey p. 19 = Chod's Hof. (sl.)
Gülzow Hey p. 7 = Heidefeld. (sl.)
Gültzow Hey p. 18 = Gut des Golisch. (sl.)
Güsten Hey p. 19 = Gut des Gostirad. (sl.)
       
Hakenbeke No. 136 = Hakenbach.
Hackendorf No. 16 = Hacke's Dorf.
Haddenburg No. 40 = Burg der Kühnen.
Hagelstorpe No. 17 = Hagilo's Dorf.
Heidkathen No. 82 = Kathen in der Heide.
Hahnenbusch ---- = Auerhahnbusch (?)
Hakendorf No. 18 = Hake's Dorf.
Hamfelde No. 183 = Zum hohen Felde.
Hamwarde No. 76 = Zum hohen Warth.
Hammer ---- = Kupfer (?) Hammer.
Harmsdorf No. 19 = Hermannsdorf.
Hasenthal No. 118 = Haselnußthal.
Havekost No. 158 = Habichtshorst.
Heege No. 74 = Gehege.
Heisch No. 172 = Heidicht.
Helle No. 134 = Rauschebach.
Hohehorst No. 160 = Hohe Horst.
Hohenhorn No. 114 = Zum Horn.
Hollenbek No. 137 = Zum verborgenen Bach.
Holstendorf No. 22 = Holsteiner Dorf.
Holzkathen No. 82 = Kathen am Holz.
Honhagen No. 68 = Zum hohen Hagen.
Hornbek No. 138 = Schmutzbach.
Hornstorf No. 20 = Dorf auf der Höhe.
Horst No. 159 = Horst.
Hude No. 202 = Ladeplatz.
Hundebusch No. 168 = Hundebusch.
Hurlebuschkathe No. 82 =    ?
       
Juliusburg No. 42 = Julius' Burg.
       
Kählsdorf No. 21 = Kailo's Dorf (?)
Käthnerkamp No. 189 = Feld der Käthner.
Kalkkuhle No. 201 = Kalkgrube.
Kanklau Hey p. 7 = Kornradenfeld. (sl.)
Kasseburg Hey p. 8 = Zwergkieferndorf. (sl.)
Kehrsen Hey p. 20 = Korzims Hof. (sl.)

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Kehrwieder No. 208 = Komme wieder.
Kirchenkathen No. 82 = Der Kirche geh. Kathen.
Kitlitz Hey p. 7 = Blumenau. (sl.)
Klappendorf No. 23 = Klaps Dorf.
Klempau Hey p. 20 = Gut des Klempa.
Klinkrade No. 194 = Roding i. d. Thalschlucht.
Klosterberg No. 109 = Dem Kloster geh. Berg.
Knappkathen No. 82 = Knapp's Kathen ?
Köthel Hey p. 20 = Chytil's Dorf  (sl.)?
Kogel Hey p. 8 = Unter Schmieden. (sl.)
Koldenhove No. 53 = Zur kalten Hufe.
Koppelkathen No. 82 = Kathen auf der Koppel.
Kosatza Hey
Nls p. 8
= Ziegenhain. (sl.)
Kröppelshagen No. 69 = Des Krüppels Verhau.
Krukow Hey p. 20 = Gut des Kruk. (sl.)
Krüh Hey p. 34 = Krümmung.
Krumesse Hey p. 20 = Gut des Kromensch. (sl.)
Krümmel Hey p. 34 = Krümmung.
Krützen Hey p. 21 = Gut des Kromesch (sl.)
Kühsen Hey p. 21 = Kuhsen' Dorf. (sl.)
Kuddewörde No. 35
Hey p. 35
= Zu den Käthnerbaustellen
Kupferkathen No. 82 = Kupfer(mühlen)kathen.
       
Labenz Hey p. 8 = Schwanenwasser (?) (sl.)
Lankau Hey p. 9 = Sumpfaue. (sl.)
Lanken Hey p. 9 = Sumpf. (sl.)
Lanze No. 35 = Landsitz.
Lassahn Hey p. 9 = Waldsassen. (sl.)
Lauenburg No. 43 = Burg im Lewen.
Lehmrade No. 195 = Rodung im Lewen.
Lehsten Hey p. 9 = Haselstaudenort. (sl.)
Lelecowe Hey p. 21 = Gut des Lelek. (sl.)
Linau Hey p. 10 = Schleibach. (sl.)
Linau (Bach) Hey p. 9 = Schleibach. (sl.)
Logen Hey p. 21 = Logens Gut. (sl.)
Louisenhof Hey p. 60 = Louisens Hof.
Lüchow Hey p. 22 = Gut des Luch. (sl.)
Lütau Hey p. 22 = Gut des Lut. (sl.)
       
Malzmühle No. 89 = Malzmühle
Manau Hey p. 22 = Man's Gut. (sl.)
Manhagen No. 68 = Zum hohen Hagen.
Marienstädt No. 51 = Mariengestade.
Marienwohlde No. 151 = Zum Marienwalde.
Masch Hey p. 84 = Marsch.
Maslewitz Hey p. 22 = Dorf des Masla. (sl.)
Melusinenthal No. 119 = Melusinens Thal.
Möhnsen Hey p. 33 = Vasallen (?)
Mölln No. 83,
Hey p. 33
= Zur Mühle.
Mühlenbrook No. 129 = Mühlenbruch.
Mühlenrade No. 196 = Mühlenrodung.
Müssen No. 148,
Hey p. 23
= Moosbewachsenes
Sumpfloch.
Müssenkamp (leer) = Feld mit Sumpfstellen.
Mustin No. 23 = Mstin's Dorf. (sl.)

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Nannendorf No. 24 = Nanno' Dorf.
Neuenlande No. 179 = Zum neuen Lande.
Neue Welt No. 207 = Neue Welt.
Neu-Vorwerk No. 61 = Neues Vorwerk.
Niebuhrschleuse No. 146 = Niebuhrs Schleuse.
Niederschleuse No. 146 = Untere Schleuse.
Niemark No. 101 = Neue Grenze.
Niendorf No. 25 = Neues Dorf.
Nüssau Hey p. 24 = Gut des Njuscha.
Nusse No. 124a u.
Hey p. 24
= Nuß-See.
       
Oberbrück No. 144 = Ob der Brücke.
Oberschleuse No. 146 = Obere Schleuse.
Oedendorf No. 26 = Zum vergangenen Dorfe.
Oldenburg No. 44 = Zur alten Burg.
       
Palmmühle No. 90 = Palms Mühle.
Palmschleuse No. 146 = Palms Schleuse.
Pampau Hey p. 24 = Gut des Pamp. (sl.)
Panten Hey p. 25 = Gut Pamten's. (sl.)
Pezke Hey p. 10 = Sandflächen. (sl.)
Pinnow Hey p. 10 = Bei den Wurzelstöcken. (sl.)
Plötschen-See Hey p. 10 = Plötzen See. (sl.)
Pötrau Hey p. 25 = Gut des Pytar. (sl.)
Pogeez Hey p. 10 = Dammdorf. (sl.)
Poggenkrog No. 94 = Froschkrug. (sl.)
Poggensee No. 125 = Froschsee.
Pukendorf No. 26a = Burghardtsdorf.
       
Ratzeburg Hey p. 25 = Ratibors Stadt. (sl.)
Rauhehorst No. 163 = Häherhorst.
Ravenskamp No. 190 = Ravens Grundstück.
Reburg No. 45 = Rethburg.
Riemanns Mühle No. 88 = Niemanns Mühle.
Rikenhagen No. 70 = Des Rekan Verhau.
Ritzerau Hey p. 27 = Ritters Hof. (sl.)
Röggelin No. 28 = Ruchala's Gut.
Römnitz No. 28 = Dorf Radomysl's. (sl.)
Rondeshagen No. 71 = Rodings Verhau.
Roseburg Hey p. 28 = Gut des Rozbor. (sl.)
Rosengarten No. 80 = Rosengarten.
Rosenhagen No. 72 = Rosengehege.
Rothenbek No. 139 = Zum roten Bach.
Rothenhaus No. 64 = Zum roten Hause.
Rothenhausen No. 65 = Zu den roten Häusern.
Rülau Hey p. 28 = Gut Des Rul. (sl.)
       
Sahms No. 11 = Froschbach. (sl.)
Salem No. 29 = Dorf des Zalim. (sl.)
Sandesneben No. 29 = Familie Sandignevi. (sl.)
Sandfelde No. 184 = Zum Sandfelde.
Sandkrug No. 95 = Krug auf dem Sande.
Sandmühle No. 91 = Mühle auf dem Sande.
Sarau Hey p. 2 = Brandhof. (sl.)
Sarnekow Hey p. 2 = Gut Des Tscharnek. (sl.)
Schalsee Hey p. 2 = Steinesee. (sl.)
Schattin Hey Nls.
p. 55
= Viehtrift. (sl.)

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Scheerkathen No. 82 = Schaafscherkathen.
Scheidekathen No. 82 = Kathen an der Feldscheide.
Schenkenberg No. 106 = Berg oder Burg des Schenken.
Scheveböken No. 178 = Zu den schiefen Buchen.
Schiebenitz (Bach) Hey p. 11 = Zischelbach. (sl.)
Schiphorst No. 162 = Schäferei.
Schlüterkathen No. 82 = Schlüters Kathen.
Schmilau Hey p. 30 = Dorf des Smil. (sl.)
Schnakenbek No. 140 = Schnakenbach.
Schnakenteich No. 127 = Schnakenteich.
Schönberg No. 107 = Berg an der Schönau.
Schönenborn No. 130 = Zur schönen Quelle.
Schretstaken No. 204 = Grenzpfähle.
Schürensöhlen No. 149 = Zu den reinen Tümpeln.
Schulendorf No. 27 = ?
Schwartensee No. 126 = Zum schwarzen See.
Schwarzburg No. 141 = Schwarzburg.
Schwarzenbek No. 141 = Zum schwarzen Bach.
Schwarzhof No. 54 = Schwarzer Hof.
Seeburger Schleuse No. 146 = Schleuse b. Seeburg oder Seebau.
Seedorf No. 28 = Seedorf.
Seekrug No. 96 = Kurg am See.
Segrahn Hey p. 12 = Leute hinterm Berg. (sl.)
Siebenbäumen No. 175 = Zu den sieben Bäumen.
Siebeneichen No. 176 = Zu den sieben Eichen.
Sirksfelde No. 185 = Zu Sigerichs Felde.
Sirksrade No. 197 = Zierolfs Rodung.
Silkenburg No. 47,
Hey p. 30
= Salzburg.
Silkendorf No. 29 = Salinendorf.
Söhren No. 173 = In dem welken Walde.
Sophienthal No. 120 = Sophiens Tal.
Stangenteich No. 128 = Stangen-Teich.
Stecknitz (Fluß) Hey p. 12 =  Zusammenfluß. (sl.)
Steinburg No. 48 = Burg a. d. Steinau.
Steinkrug No. 97 = Krug a. d. Steinau.
Steinhorst No. 163 = steinigte Horst od.
steinernes Haus.
Sterley Hey p. 12 = Schießstand.
Stintenburg No. 49 = Burg auf der Insel Stint.
Stochelstorp No. 30 = Stahls Dorf.
Stötebrügg No. 145 = Stoß die Brücke.
Stubben No. 198,
Hey p. 34
= Zu den Baum-Stümpfen.
       
Talkau Hey p. 31 = Gut des Talek. (sl.)
Tangmer No. 210 = Tangomirs Ort. (sl.)
Techin Hey p. 31 = Techens Gut. (sl.)
Tesperhude Hey p. 31 = Zu den Schuppen.
Thebelsberg No. 111 = Theobalds Berg.
Thömen Hey p. 31 = Famlie Tomin. (sl.)
Thurow Hey p. 32 = Gut des Tur. (sl.)
Toradestorp Hey p. 32 = Dorf der Turad. (sl.)
Tramm Hey p. 12 = Balken. (sl.)
       
Unterberg No. 110 = Unter dem Berg.

1892/1 - 63


1892/1 - 64
 

Utecht Hey p. 32 = Gut des Utech. (sl.)
       
Valkenhagen No. 73 = Valko's Verhau.
Vergißmeinnicht No. 209 = Vergiß mein nicht!
Viehkamp No. 191 = Viehtrift.
Viert No. 200 = Geviert.
Vogelfängerkathen No. 82 = Vogelfängerkathen.
Vogtstemmen No. 199 = Vogts Stammheim.
Volkmaresfeld No. 186 = Volkmers Feld.
Voßkathen No. 82 = Voß' Kathen.
Voßmoor No. 147 = Fuchsmoor.
       
Wakenitz Hey p. 13 = Barschbach. (sl.)
Walksfelde Nls. 55 = Walegot's Feld. (sl. ?)
Wangelau Hey p. 13 = Köhlerei  (sl.)
Wasserkrug No. 98 = Wasserkrug.
Webbelke (Bach) Hey p. 13 = Kleines Wasser. (sl.)
Wehden No. 171 = Weidicht.
Weißenberg No. 162 = Zum weißen Berge.
Weißer Hirsch No. 205 = Weißer Hirsch.
Wentorf No. 31 = Wendendorf.
Wiershop No. 52 = Wigers Schaar.
Witzhave No. 56 = Wites Hufe.
Wizoc Hey p. 13 = Hohenau. (sl.)
Witzetze Hey p. 13 = Klein Hohenau. (sl.)
Wohltorf No. 32 = Walddorf.
Worth No. 78 = Baustelle.
Wotersen Hey p. 32 = Gut des Wotrad. (sl.)
Wulfsdorf No. 34 = Wohlhardts Dorf.
       
Zecher Hey p. 32 = Gut des Tschacher. (sl.)
Ziegelhorst No. 164 = Ziegelei.
Zienburger Schleuse No. 146 = ?
Ziethen Hey p. 35 = Gut des Ziton. (sl.)


 

Dr. Helwig.


CORRIGENDA: p. 2, Z. 1 v. oben st. Fluß – Flur.
p. 16, z. 8 v. unten st. Synonym – Synonyma.
p. 31, Z. 11 v. unten st. Schenkenkenberg – Schenkenberg.
p. 35, Z. 3 v. oben st. klor einst – kloster in.

ADDENDUM:
Zu Nr. 66-73 ist zu bemerken, daß hagan doch auch im Sinne von Wald schlechthin genommen sein kann und etwa das bedeutet hat, was man im vorigen Jahrhundert und noch jetzt mit „Zuschlag“ ausdrückt, d. h. ein durch Wälle gegen das Eindringen des Viehs gesichertes, im Privatbesitz befindliches Gehölz. Darauf deuten die so oft im Z. R. vorkommenden auf –hagen endigenden Orte in Waldgegenden hin, so Erpushagen neben indago praepositi im Klützer Wald; ferner der indago Ruwik und indago Fredeberni in der terra Brezen u.s.w. Fuhlenhagen insbesonder könnte auch mit fûl = verfault, d. i. mit faulendem, stagnierendem Wasser erfüllt zusammenhängen. Die Gegend ist ja sehr sumpfig.

H.



 

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