Jahresband 1888

Archiv des Vereins für die
Geschichte des Herzogthums Lauenburg
 


Die slavischen Ortsnamen von Lauenburg.

Von
Dr. G. HEY
in Döbeln.
 

Die dauernde Besiedelung des heutigen lauenburgischen Landes steht mit zweierlei Thatsachen im Zusammenhang: sie schließt sich teils an die Einwanderung der von Osten vorgedrungenen Slaven, welche sich infolge der nach West und Süd gehenden großen Völkerverschiebung im Beginn des Mittelalters vollzog, teils an die in der zweiten Hälfte desselben Zeitalters nach Nord und Ost gerichtete Wiedergewinnung des Landes durch den alten Sachsenstamm. Wenn die Siedelungen jenes ersten Zeitabschnittes hier zum Gegenstande der Untersuchung genommen werden, so geschieht dies infolge ergangener Aufforderung und auf Grund urkundlicher Nachweise, welche der Verfasser Herrn Dr. Hellwig in Ratzeburg zu verdanken hat. Daß die Behandlung der Namen dieser ursprünglich slavischen Wohnstätten zu nicht uninteressanten Aufschlüssen über die alten Bewohner führt, wird das folgende zur Genüge ergeben, nicht minder aber auch, daß bei der mannigfachen Schwierigkeit der Namendeutung, die besonders beim Fehlen alter urkundlicher Formen sich erhöht, nicht in jedem Falle ein ganz sicheres Endergebnis herbeigeführt werden kann.

Die Sprache der Niederelb- und Ostsee-Slaven ist dem Polnischen beizuordnen. Dies erhellt aus folgenden Merkmalen:

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1) aus der Beibehaltung der urslavischen Nasalvokale ą und ę, *) wofür die slavischen Dialekte des Binnenlands u und ja oder a einsetzen, z. B. urslav. dombŭ, altslovenisch (asl.) dąbŭ, p. dąb, polab. (elbslav.) dŏb, tschech. wend. dub Eiche, ursl. menso, asl. męso, p. mięso, polab. masü, tsch. maso Fleisch;

2) aus der Bewahrung der ursprünglichen Stellung von er zwischen Konsonanten, wo andere Mundarten Metathesis eintreten oder den Vokal schwinden lassen, z. B. ursl. ternŭ, p. tarn, polab. tarn, torn, asl. trŭnŭ, tsch. trn Dorn. Dieselbe mundgerechtere Stellung findet sich auch bei ar und or im Polabischen beibehalten, abweichend vom Polnischen, welches hier sich dem Altslovenischen anschließt; z. B. ursl. korva, polab. karva, dagegen asl. tsch. krava, p. krowa Kuh.

Von anderen Besonderheiten des Polabischen sei hier noch erwähnt, daß anlautendes ą oder u und o gewissermaßen digammiert wird, d. h. w vor sich nimmt, z. B. otradwotrad; daß nach inlautendem l gewöhnlich d eingeschoben wird, z. B. golongoldon; endlich daß t vor e, i, y, oft in c (z, tz) sich verwandelt, wie im Polnischen und Oberlausitz-Wendischen zu c, ć, wozu man die Aussprache des lateinischen ti vor Vokalen vergleiche.

*) Aussprache der slavischen Buchstaben:
Altslovenisches und polnisches ą = nasaliertes on;
Altslovenisches und polnisches ę = nasaliertes en, frzs. in;

ê, ě = ē;
asl. ĭ und ŭ = ganz kurzes i und u oder stumm;
c stets = z;
tsch. č, pol. cz = tsch;
asl. h = ch;
tsch ř, pol. rz = französ. rge, rs;
s = ß;
š, pol. sz = sch;
z = s;
ž
= sanftes sch, frzs. j;
ł ungefähr = w.


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Diese Andeutungen betreffs der Sprache mögen hier genügen. Ehe indes an die gestellte Aufgabe gegangen wird, erscheint im Interesse des rechten Verständnisses noch eine kurze Erörterung der Bildung der slavischen Ortsnamen nicht nur wünschenswert, sondern notwendig.

Die Namen, welche die slavischen Siedelungen tragen, scheiden sich in zwei große Gruppen, insofern sie teils aus Appellativen, womit der Boden und dessen Eigenschaften, das Wasser, Pflanzen- und Tierwelt, Aufenthalt, Beschäftigung und Charakter der Bewohner, oder sonstige dem Orte anhaftende Eigentümlichkeiten bezeichnet werden, teils aus Personennamen hervorgegangen sind. Die O.-N. appellativen Ursprungs entstanden durch Verwendung eines einfachen Stammwortes ohne Veränderung im Singular oder Plural, oder durch Zusammensetzung, oder endlich, und zwar vorzugsweise, mittels sehr mannigfaltiger Sussixe. Von letzteren lassen wir nur diejenigen, welche bei den lauenburgischen O.-N. auftreten, hier mit ihrer Bedeutung folgen:

ina (verwandelt in en) bezeichnet den Ort, wo die vom Grundwort genannte Sache oder Eigenschaft charakterisierend auftritt, ist feminin;
jani Plur. (an, ahn) bezeichnet die Bewohner;
ija (ige, ie, ey) bezeichnet eine Ortlichkeit;
ije, tsch. í, pol. ie (e) bildet Collectiva, dient auch zur Bezeichnung einer Fläche oder Strecke;
ica (ize, itz), erweitert zu ovica, ĭnica, bezeichnet den Ort des Vorkommens des vom Stammwort genannten Gegenstandes, ist feminin;
ęžĭ, ęža (ense, ensee) nennt eine Ortlichkeit;
ište (ist, itz), neutr., bedeutet einen Ort, wo etwas in Fülle und Größe vorhanden ist;
arĭ, tsch. , Plur. ari (re, er, ern) bezeichnet die Bewohner, namentlich nach deren Gewerbe;
ovŭ, ova, ovo (owe, ow, au), und ĭnŭ (ne, en) sind adjektivische Endungen.


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Die aus Personennamen gebildeten O.-N. weisen mit Ausnahme weniger, wo der reine P.-N. im Sing. oder Plur. auftritt, folgende substantivische und adjektivische Suffixe auf.

Asl. ištĭ, nordwestsl. ic, deminuiert, bezeichnet den jungen X, der Plural išti, ici, Accus. ice (ize, itz), die Angehörigen, Nachkommen, Sippe und Wohnsitz des X; derartige Bildungen sind außerordentlich zahlreich, namentlich in der Erweiterung ovici (witz). Der ursprüngliche Sinn solcher O.-N. wird besonders klar, wenn wir auf Bezeichnungen hinweisen, wie sie sich in polnischen Urkunden des 12. und 13. Jahrhunderts finden; z. B. Kostonowice (die Leute des Koston) cum villa eorum, Jurewice cum villa eorum, homines Belejowici, oder rusticus Quetico cum suis heredibus locavit villam Queticowitz. Adjektivische Endungen sind ovŭ (owe, ow, au), inŭ (in), , fem. ja, welch letztere den auslautenden Stammkonsonanten beeinflussen und in gewissen Fällen z, za (se) werden. Bei solchen adjektivischen Namen sind die Substantivbegriffe Gut, Hof, Dorf u.s.w. zu ergänzen, und hierin unterscheiden sich wesentlich von den slavischen Ortsnamen die deutschen, bei denen bekanntlich gerade diese lebendigen Begriffe in größter Mannigfaltigkeit eine besondere Verwendung gefunden haben.

Nach diesen Vorbemerkungen wenden wir uns nun zu der Aufzählung und Erklärung der slavischen O.-N. Lauenburgs mit Einschluß etlicher Grenzorte, und zwar zunächst zu denen, welche von Appelativen stammen, sodann zu den zahlreicheren, welche von Personennamen herrühren und damit uns über die Namen der ersten Gründer und Besitzer Aufklärung geben.


1. Appellativische Ortsnamen.

Anker

im Ratzeburger Zehntenregister um 1230 *) Mancre, vom asl. mąkarĭ, tsch. mukař, Plur. mąkari, polab. mōkari = die

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*) Im folgenden mit Z. bezeichnet.

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Mehlhändler oder Grieslers, der Name würde also heute richtiger Manker lauten. Vgl. Muckern in Sachs. = wend. Pl. mukarje.


Barnitz Bach

ehemals (1167) Bernize, Barneze, Bornize, ist polab. Barnice = Lehmbach oder mitteldtsch. „Limbach“, von asl. brŭnŭ, brŭnije, alttschech. brn, polab. barn Lehm, nsl. brn Flußschlamm, wovon Borna Sachs., Brno, Brná, Brnice tschech.


Bille Fluß

786 Bilena, 811 Bilenispring (spring = Ursprung, Quell) 1167 Bilna, Bylne, von asl. bêlŭ, p. bíałý, tsch. bílý weiß, hell = bêlina Weißwasser, Weißbach; gleichbedeutend die in Sachsen häufigen Bielbäche.


Börste, Börse

im Kirchspiel Gültzow, Z. Borist, 1772 niedergelegt, = Neutr. borište großer Föhrenwald, Kiefericht, von asl. borŭ, p. tsch. bor Kiefer und Kieferwald. Vgl. burcwardum Trebiste Sachs., Třebištĕ Böhm. = trêbište große Rodung.
 

Bresahn

Z. Brisan, am Schaalsee gelegen, = Plur. brêžani, ursprünglich brêg-jani, mit regelrechter Verwandlung von gj in ž, von asl. brêgŭ, p. brzeg, tsch. břeh *) Ufer, also die Leute am Ufer, Ufersassen, riparii; tsch. břežanin und břežan Uferbewohner. Vgl. Pressern oder tsch. Břežany Böhm., Berežany Galiz., Bresen Meckl. bei Kühnel, Die slav. O.-N. in Mecklenburg, 1882, woraus mancherlei hier zu entlehnen ist.
 

Bröthen

Z. Brotne, kommt von asl. bratǔ, Nebenform von bratrǔ, p. brat, polab. brot Bruder, und zwar ist es das Neutrum des

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*) Das g des Asl., Pol., Niederlausitz-Wend. u.s.w. erscheint im Tschech. und Oberlaus.-Wend. als h.


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Adj. tsch. bratný, p. bratni, -ia, ie, also polab. brotnie das brüderliche (Gut), Brudershof; sonach wahrscheinlich von einem Hauptgute abgetrennt.
 

Curslack

1217 Kureslake, deckt sich anscheinend mit dem böhmischen O.-N. Korozluky (auch Kolozruky, Kolosoruk genannt), der mit „Borkenreißer“ gedeutet wird. Das Wort ist zusammengesetzt aus asl. tsch. kora Rinde, Borke, und dem Stamm zluk von z. loučiti, asl. ląčiti abtrennen, eine Pluralform wie die verwandten O.-N. Koroseky, Korodĕje, Kralupy = Rindenhacker, Borkenschäler, Gerberlohemacher. Mecklenburgische Flurnamen wie Siegge Lack Bruch, Saanen Laake, Flacke Laake, Tiefe Laak und das im Schaumburgschen gebräuchliche Wort Lake oder Lacke für Lache = Sumpf lassen indes die gegebene Deutung unsicher erscheinen.
 

Dahmker

urkundlich Dambker = tsch. domkář Häusler, Kleinhäusler, vielleicht Plur. domkary, von domek Häuschen.
 

Delvenau

Grenzflüßchen, 811 per silvam Delvunder usque in fluvium Delvundam, 1390 die Delvenau, 1401 de nye graven, de de Delvene geheten is, dazu Delbende castellum trans Albiam b. Einhard, Land Sadelbandia, nach dem Slavisten Perwolf = Delbąda, Graben, von dem ursl. Stamme delb, einschneiden, graben, aushöhlen; Sadelbandia = Za. delbądie, Land jenseit der Delvenau.
 

Disnack

Z. Dvsnik, gleich dem sechsmal in Böhmen vorhandenen Dušníky Plur. von asl. dušĭnikŭ, tsch. dušník Leibeigener, also = die Leibeigenen.

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Geestbeck

Bach, urk. Gesne, vermutlich = fem. jasna die helle, klare, Lauterbach, von asl. jasĭnŭ, tsch. jasný, p. wend. jasny; vgl. Jasna Galiz.
 

Goldensee

urk. Guldense, vielleicht mit eingeschobenem d (s. o.) = golęža kahle, baumlose Stelle, Heidenau, von asl. golŭ, p. goły nackt, kahl, wend. gola Heide. Vgl. Gohlis b. Riesa, urk. Golenze, sowie kroat. Goleža. S. auch unten Göldenitz.
 

Grabau

Z. Grabowe, von p. wend. grab Weißbuche, Hainbuch = grabovo, -ove Weißbuchenort, Buchheim; vgl. Grabova Serb., Hrabova Galiz., Grabow Meckl.
 

Gülzower Feld

b. Mölln, 1230, 1254 Guletse, vielleicht = golice Heidefeld, von demselben Stammwort wie Goldensee, während Gültzow entschieden aus einem P.-N. hervorgegangen ist, s. u.
 

Kanklau

Z. Cankelowe, von asl. kąkols, p. kąkol, tsch. kúkol Rade, Lolch, Unkraut, und zwar = Neutr. Adj. kąkolove das mit Rade oder Unkraut bewachsene Feld, Radefeld, wie Cuculau (ohne Nasal) an der Saale, Demin. Kąkolowka Galiz. Vgl. noch Kankelfitz Pomm. = kąkolovica.
 

Kittlitz

Z. Kitlist, wohl von asl. cvêtŭ, cvĭtelŭ, tsch. kvĕt, p. kwiat, polab. kjot Blume = cvĭtelište, kjotlište weite Blumenfläche, Blumenau, Florentia. Vgl. 2 Kittlitz Böhm.


Das mit Kittlitz verbundene Rosenhagen scheint die Erklärung zu stützen.

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Kogel

1230 Cowale, 1277 Cowalle, 1279 Cowal, von asl. kova, p. kowal, tsch. dial. koval Schmied = Plur. kovaly die Schmiede. Vgl. Koval’i Rußl., Kowale Pol., Kowale, Kowalowy, Kowalówka mehrfach in Galiz., Cowal Rügen, Kowahl Meckl.
 

Kasseburg

urk. Kerseborch, erklärt sich durch Zusammenstellung mit Kaseburg auf Usedom, das urk. Karsibour, Carsibůr, Carsiborch, Carsibor, Karzburch, Carseburch heißt, wahrscheinlich = Karsiborz, aus tsch. krs, polab. kars verschrumpfter Baum, Zwergbaum + bor Kiefer, Kieferwald mit der asl. Endung = Zwergkieferdorf. Vgl. Międzyborz = Dorf mitten im Kieferbusch, Podborz = Gut unterm Kieferwald.


Labenz

1394 Lawenzke, ist andern Ursprungs als das meckl. Labenz, urk Lubitze, Lubintze, und anzuschließen an den alten Namen der Steinau, Lowenze, welcher freilich der Deutung Schwierigkeiten macht. Bei Vergleichung mit Labends, Labendz, Labenz, p. Labędź im Reg.-Bez. Marienwerder, Königsberg und Köslin, Labendtken p. Labędki Reg.-Bez. Marienwerder, in denen das Stammwort als P.-N. erscheint, kommt man auf p. łabędź, tsch. labut’ Schwan und ist geneigt, Lowenze als weibl. Adj. łabędźa zu fassen = Schwanwasser, Schwanteich, wozu vielleicht die von der Steinau durchflossenen Ritzerauer Seen die Berechtigung liefern; Lawenzke oder Labenz wäre dann aber adjektivische Weiterbildung des Namens mit dem Suffix ĭskŭ, Labędsk, Dorf an der Lowenze. Doch ist man auch versucht, deren Namen mit dem Lafnitzbach in Steiermark, urk. Labenza, und andern ähnlichen zusammenzubringen, denen ein dunkles Wort labĭ zu Grunde gelegt wird. Endlich erinnert der Name an urdeutsche Flußnamen auf antia, entia, anze,

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nze, welche Lohmeyer, Beiträge zur Etymologie deutscher Flußnamen, behandelt hat.
 

Lankau

und Lankow b. Mustin, Z. Lankowe, wie Lankow b. Schwerin und östl. von Ratzeburg, welche an Seen liegen, von asl. ląka, p. łąka, tsch. louka Sumpf, Sumpfwiese = Adj. fem. ląkowa, ntr. ląkowe Dorf am Sumpf, Sumpfaue; tschechisch entspricht das öfter vorkommende Lukov und Luková in Böhm., wie überhaupt das Stammwort eine sehr starke Verwendung in O.-N. gefunden hat.

Lanken

wie zweimaliges Lanken, p. Lakie im Reg.-Bez. Marienwerder = pol. łakie oder einfach = ląka Sumpf; ebenso die Lanke, der nördliche Teil des Plauer Sees, urk. circa Lancken, aqua Lancken.

Lassahn

Z. Lassan, wie Lassahner Feldmark b. Grabow in Meckl., 1293 villa Lassan von asl. lêsǔ, p. las Wald + Pluralsuffix jani, also = lašani (si zu š) die Waldsassen, Waldbewohner, Wäldler, im Tschech. entsprechend Lešany Böhm. S. oben Bresahn.
 

Lehsten

urk. Lesten, wie Lehsten b. Stavenhagen, urk. Leistenn, Leisten b. Plau, Lösten Sachs. = leštna Haselstaudenort, Haslau, Adj. von asl. lêska, tsch. líska Haselstaude, léština Haselbusch; Leštná, Leštné, Leština, Leštiny häufig in Böhmen.
 

Linau

Zufluß der Stecknitz, erklärt sich als linova (struga) = Schlei-Bach, femin. Adj. von p. wend. lin, tsch líň Schleie, woher auch der Linow-See südöstl. von Alt-Strelitz; vgl. dazu Wakenitz = Barschbach, Sahms = Froschbach, sowie Schley Wiese, Schley Pohl und Schlie See in Meckl.

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Linau

Dorf, Z. Linowe, ist entweder ebenso zu deuten, oder als Besitztum des Lin = Schleihof; im Tschechischen wenigstens sind die P.-N. Líň und Línĕ (tsch. línĕ der junge Schlei) sicher anzunehmen, da auf sie die O.-N. Líny und Línĕ Böhm. zurückgehen, vielleicht auch 4 Linowo im östl. Preußen.

Pezeke

um 1440, bei Marienwohlde, von asl. pêsŭkŭ, nsl. pêsek, p. piasek Sand, Plur. piaski, wend. pěski Sandflächen, Sandgegend; vgl. außer andern Pieske oder Pjeski in der Niederlausitz. Von ersterem ist der Petschbach benannt, früher Petschenbach.
 

Pinnsee

und Pinnowe, Z., von asl. pĭnĭ, p. pień, tsch. peň Baumstock, Wurzelstock des gefällten Baumes, Adj. p. pniowy, asl. pĭnovŭ, also = Ansiedlung an Wurzelstöcken, Stöckicht. Vgl. die mecklenburgischen Pinnow b. Crivitz, b. Stavenhagen, b. Warin, mit den urk Formen Pinnowe, Pynnowe, ferner Wüstung Pinnow b. Osterburg, Penna Sachs., urk. Pynnowe, Pinne oder Pńov Niederlauf., Pniów Galiz.


Plötschen-See

wahrscheinlich = p. płocina, von p. ploć, płocica, tsch. plotice Plötze (Fisch). Vgl. Plötzen-See und Plötzen-Pohl in Meckl.
 

Pogetz

am Ratzeburger See, Z. Pogatse, wie das am Maurinflüßchen in Meckl. gelegene Pogez oder Pogeez, urk. Pocketze, Pogheitze, von po bei + asl. gatĭ, russ. gat, tsch. hat’ Damm, p. gać Faschinenwerk, Dammreisig, und zwar als neutr. Subst. zu fassen: asl. pogatije, p. pogacie Gegend am Damm, Dammdorf; vgl. Zagacie = Ort hinterm Damm, Galiz.

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Rieps oder Riepz Meckl.

1158 Ripze (Sumpf), 1230 Ripece, findet in Reipisch b. Merseburg einen Namensgenossen, urk. 973 Ripzi, 1012 Ribzi, dann Rypz, Ripz, Riptsch. Man wird hierin einen Plur. rypcy zu sehen haben, von rypĭcĭ, rypec Gräber, Wühler, also die Erdgräber; tsch. rýpati, olw. rypać
graben, wühlen, rypaŕ Gräber.

Dasselbe Stammwort enthalten Reppnitz, Reppina, Rippien Sachs.
 

Sahms

Z. Sabenize, = asl. žabĭnica, p. žabnice Froschbach oder Froschteich, von asl. wend. p. žaba Frosch. Vgl. Sebnitz Bach und Stadt in Sachs., urk. Zabeniza, Sabniza, ferner Žabnica in Krain und Kroat. außerdem ähnelt Sabenize auch dem böhmischen Sabnitz, dessen tsch. form Sabĕnice der Erklärung Schwierigkeiten macht.
 

Sarau

Z. Sarowe, = žarove Brandhof, Ansiedlung auf dem Brande, wo der Wald weggebrannt worden ist; zu Grunde liegt žarŭ, tsch. žár, p. žar Brand, wovon eine große Zahl von
Ortschaften, besonders in Böhmen, benannt ist.
 

Schal-See

oder Schaalsee, 1279 Scalse, 1287 stagnum Scalse, mit dem Schale-Fluß, von asl. skala, tsch. skála, p. skała Fels, Stein, Adjektivname „die steinige“, Stein- oder Felswasser, Steinbach.
 

Schiebenitz Bach

wahrscheinlich polab. šepnice, fem., der lispelnde, zischelnde Bach, Zischelbach, von dem Stamme šĭp, p. szepnąć, oberlauf. w. šepać, šepnyć, nlw. šepnuś lispeln, flüstern, zischeln, woher auch ein Zufluß der Spree, Schöps, wend. Šepc seinen Namen hat.


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Segrahn

Z. Sakkeran, meckl. Urk. Zageran = zagorjani, zagořani die Leute hinterm Berg, Hinterbergler, von za hinter, jenseits und asl. p. gora, tsch. hora Berg, pluralische Form wie Bresahn und Lassahn. Vgl. Zahořany Böhm., Ζαγόςjανη in Epirus.


Stecknitz

Fluß, 1188, 1202 flumen Cikinize, 1335 Stekenitze, 1340 Stekenissa, von asl. sǔ- zusammen + tekǔ Lauf, Fließen (dies p. ciek = Fluß, woher sich die Form Cikinize erklärt), tsch. stĕk, p. stok Zusammenfluß, woraus steknice = zusammenfließendes Gewässer, Bachvereinigung. Vgl. Stoky Böhm., Stacke oder Stoki Niederlauf.
 

Sterley

Z. Stralige, meckl. Urk. Stralie = asl. strêlija Raum, den der Pfeil durchfliegt, Pfeilbahn, Schießstelle, in p. Form strzałija, von asl. strêla, p. strzała Pfeil (Strahl); vgl. außer andern Strelitz.

Stove Meckl.

südl. von Schönberg, 1230 Stove, von p. staw Teich, tsch. stav Wehr, Schleuse, wie das Deminutiv Stouekow stagnum, stetzt Stocker See, ein Havelsee, im tsch. stávek
Wasserhälter seine Erklärung findet. Kühnel vermutet hier einen P.-N.
Stov. Sonst vergl. noch Stove b. Neu-Bukow, Staven urk. Stouen, Stavenow, Bach Staueniza und 2 Flurnamen im Stavken in Meckl.

Tramm

Z. Tramme, von asl. tramŭ, p. tram Balken, Knüppel, Tragbaum; ebenso Tramm, urk. Tramme, in Meckl. b. Grevesmühlen und b. Crivitz, sowie Trammer Horst b. Vellahn, urk. Tramme, endlich Tramm b. Salzwedel.

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Wakenitz

oder Waknitz, Zufluß der Trave, 1158 Wocnitzia, 1167 ultra Wocniziam, 1230 ad Wokeniziam, 1231 fluminis Wokenizie, 1291 Wokenze, Wokenizse, Wocnize, von nsl. okunj, tsch. okoun, p. okuń, polab. wokuń, westruss. vokan der Barsch (Fisch), = okunica, wokunice Barschbach. Vgl. Wokenitz auf Rügen, Wokenin-See auf Usedom, sowie den Flurnamen Barsch-Soll b. Glambeck Meckl.
 

Wangelau

Z. Wankelowe, von asl. ąglĭ, p. węgiel, polab. wŏgel, tsch. uhel, oberl. wend. vuhel Kohle, adjektivischer Name fem. wąglowa, neutr. wąglowe = Kohlenstelle, Köhlerei, in Sachs. „Kohlung“; vgl. Węglowka Galiz., Demin. aus Węglowa.
 

Webbelke

Bach, verlangt die gleiche Deutung wie Wublitz, Nebenfluß der Havel, Woblitz-See Meckl., urk. Wobleske, Wobelscu, Ubelsko Krain u. a. Gewässernamen, die man aus vǔblĭ Brunnen, Gewässer erklärt; hiernach wäre Webbelke etwa vǔblĭko, kleines Wasser.
 

Wizoc

wüst b. Basedow, Z., ebenso wie Wizok, jetzt Wisch b. Wismar = fem. Adj. p. wysoka, tsch. vysoká die hohe, hochgelegene Ortschaft, Hohenau, von asl. vysokǔ, tsch. vysoký, p. wysoki hoch. Vgl. mehrere Vysoká und Vysoké Böhm. und Mähren, einige Wysoka im östl. Preußen, einige Weißig Sachs., in wend. Form Wysoka.
 

Witzetze

Z. Wutsetse, richtiger Wutsetske, ist das Deminutiv zu dem eben genannten Wizoc oder Wysoka, also = Wysočka (aus Vysokĭka) Klein-Wysoka, die kleine hohe Ortschaft, Klein-Hohenau; es liegt bei dem eingegangenen Wizoc, und

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neben den beiden führt das Zehntenregister auch das gegensätzliche Dalthorp = Dalldorf (Thaldorf) auf. Ebenso findet sich Vysočka in Galiz., ein urk. Wiseska in Sachs., Bisútzka in Epirus. Der Verlust des deminutiven k zeigt sich auch in Glaubitz, Sachs., urk. Glaubatz, Glubuz, Glubatzk, Glubotzk = Gluboček, wie Hluboček Mähr., Demin. zu Glubok = Tiefendorf.

2. Von Personennamen und stammende Ortsnamen


Bandowe (Bannover Moor)

ehemals b. Gudow, wie Bandow, Bandowe in Meckl., d. i. Bądowe, Gut des Bąd-. Der P.-N. stammt wie Bądek, Bądel u. a. von asl. bądy = futurus oder mansurus und bezeichnet wohl den Wunsch, daß das Kind am Leben bleiben möge. Vgl. 2 Bandekow Meckl., Bądków und Bądkowo Pol.

Basedow

Z. Basdowe, wie Basedow b. Stavenhaben, 1247 Basdowe, 1337 Bazsdowe, d. i. Bĭzdove, Bazdovo, Gut des Bĭzda, Bzda, polab. Bazda = qui pedit. Zu Grunde liegt bĭzditi, tsch. bzdíti, p. bźdić, serb. bazdjeti, gr. βδεĩν, pedere, woher tsch. bzděc, bzděl, p. bždziel = qui pedit, P.-N. Bždziel, daraus Bzdziellen, p. Bždziele im Reg.-Bez. Gumbinnen. Gleichbedeutend ist Pirdotitz, sächs. Wüstung.

Bälau

Z. Belowe = Bêlova, p. Bielowa, Dorf des Bêla, wie Bĕlov Mähr., Bielowa, Galiz., Below Meckl. u. a., von asl. bêlŭ, p. biały, tsch. bílý weiß, also = Weißenheim. Ebendaher:
 

Behlendorf

urk. Belendorpe, d. i. Dorf des la oder Bêlan = Weiße, also Weißendorf, ähnlich wie Ballendorf Sachs., urk. Belanestorp.

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Beidendorf

Z. Begenthorp, 1260 Beyendhorpe ist das Dorf eines Bêgan. Der P.-N. ist wie Bêgar abzuleiten von asl. bêgati fliehen, laufen, rennen, bêgarĭ, tsch. bĕhař, p. biegun Läufer, Renner, der O.-N. also = Rennersdorf. Vgl. die rein slav. O.-N. Bieganów Pol. Pos., Pegenau, urk. Begenow Sachs. = Bêganov.

Berkenthin

Z. Parketin, wie Parkentin b. Rostock, 1177 Parkantin, 1191 Parkentin, 1209 Parketin = Parkętin, Besitztum des Parkęta. Der P.-N. von ursl. perkŭ, tsch. prk, p. parkot Bocksgestank, woher auch P.-N. Park, Prkoš, O.-N. Parchow (Parcowa) in Meckl. und Parchtitz, urk. Parketitz, Parchentitz auf Rügen; Berkenthin also = Stänkersdorf, ein Seitenstück zu Basedow.

Bliestorf

1358 Bliesdorpe enthält wohl den P.-N. Bliz oder Bližej (auf Rügen P.-N. Bliese) d. i. der Nahe, nämlich Verwandte oder Nachbar, von asl. blizŭ, tsch. blizý nahe. Vgl. Bližice Mähr., Bližejov Böhm., Bližnice Reg.-Bez. Marienwerder u. a.
 

Cemerstorp

eingeg. Dorf bei Siebeneichen, Z., wie das meckl. wüste Cimerstorp b. Gressow vermutlich benannt nach einem S’cimir, tsch. Ctimír = Ehrberühmt. Der P.-N. ist wie tsch. Ctibor, p. S’cibor, urk. auch Cybor, aus asl. čĭstĭ, tsch. čest’, p. cześć Ehre und mir, mĕr Ruhm gebildet. Vgl. Ctimeřice Böhm.

Collow

Z. Coledowe, setzt wie Kölleda Thür., Colditz Sachs., Kalitz urk. Coldiz in Prov. Sachs. einen fem. P.-N. Koleda voraus, der sich zu den tsch. P.-N. Boneda, Beneda, Benada, p. Bienieda stellt, oder mask. P.-N. Kolad, wie Sirad, Krąpad; als Stammwort ist vielleicht asl. kolją, tsch. koli, wend. kolić

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stechen, schlachten, töten anzunehmen. Collow wäre demnach Gut des Kolad oder der Koleda, Stechersdorf.

Culpin

Z. Cvlpin, wie das lausitzische Dorf Kolpen, wend. maskul. Kołpin, 4 Kölpin Meckl., urk. Colpin, Colpyn, Culpin, sowie Kiełpin Pol., = polab. Kolpin, Besitz des Kolp, Schwanheim; denn der P.-N. stammt von polab. kolp, wend. kołp, kassub. kełp Schwan.

Dargow

Z. Dargowe = polab. Dargowe, p. Dragowo, Dorf des Darg (mit Metathesis Drag), Liebsdorf. P.-N. Darg, Drag, Dragan, Dragon und viele andere von ursl. dorgŭ, asl. dragŭ, p. drogi teuer, lieb. Ebendaher auch

Dargenowe

ehemals b. Lehsten, = Darganowe oder Dargonowe, wofür sonst Draganowe, Dragonowe, Besitz des Dargan, -on = Liebkindshof. Vgl. Draganowa Galiz., Drahonice Böhm. u. v. a., auch Dargun Meckl.


Dermin

Z. Dormin, wie Daromin Pol. – Gut der Daroma, Geschenkheim. Der weibliche P.-N. Daroma ist wie Radoma, Kostroma, Jstoma gebildet und zwar aus asl. darŭ, p. tsch. dar Geschenk, Gabe, indem das Kind als Geschnek des Himmels betrachtet wird; vgl. Donatus. Ebenso stammt von Radoma das feminine Radomina Pol.


Dechow

1194, 1277 Degowe, Z. Dechowe, wie das eingegangene Dorf Dechowe b. Dudinghausen Meckl. und Dechowa Galiz. vom P.-N. Dech, dieser vom p. tsch. dech = Atem, Lebenshauch aus der Wurzel dŭch, woher auch das zu mehreren P.-N. verwendete duša Seele.

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Drüsen

Z. Drvsen, stellt wohl den P.-N. Družen dar, und zwar dessen Adjektivform Družeň (Družen . ju), von asl. drugŭ, tsch. druh, frb. drug Freund, Genosse, also = Freundhof; vgl. Druženice Böhm., Drüsewitz, urk. Drusewitz Meckl.


Düchelsdorf

scheint das Dorf eines Dêchla zu sein. Der P.-N. ist wohl Kurzform für Dêtochla und dies mit Doppelsuffix gebildet aus asl. dêti, tsch. dítĕ Kind; ebenso wurde P.-N. Radochla zu Rachla, Boguchla zu Buchla. Vgl. Dĕtochov Böhm., Dzechlin p. Dziechlino Reg.-Bez. Köslin.


Dutzow

1230 Dvzowe, 1291 Duzowe (Meckl.), vermutlich = Dušove, Gut der Duša, Duše, wie Dütschow Meckl., urk. Duzekowe, von einem Dušek. Beide P.-N. stammen von asl. duša, tsch. duša, duše, p. dusza Seele, in dem Sinne von: meine Seele, liebe Seele. Vgl. Duszowo Pol., Duškovci Serb.

Farchau

Z. Verchowe, meckl. Urk. Vergowe = polab. Vårchowe, tsch. Vrchove, d. i. Besitz des Werch, Varch, Vrch, = Hochsdorf. Die P.-N. tsch. Vrch, Werch, p. Wirzch, Virchow, tsch. Vrchata u.s.w. kommen von ursl. verchŭ, tsch. vrch, p. wierzch, polab. vårch = Höhe, Gipfel, enthalten also den Wunsch des Großwerdens. Vgl. Werchôwci Galiz., Vrchotice Böhm. u. a.

Fitzen

Z. Vitsin, gleichwie Witzin Meckl., urk. Wetzin, Witzin = polab. Vicin statt Vitín (s. oben t zu c), Besitz des Vit oder der Vita. Den P.-N. Vit oder Vít, Víta, Vitoň, Vitek und zahlreichen andern liegt ein Stammwort vit zu Grunde, über dessen Bedeutung man noch im Zweifel ist, vielleicht bezeichnet

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es Gewinn und Sieg. Vgl. Wettin an der Saale, urk. Witin, 3 Vitín Böhm.

Göldenitz

Z. Guldenize, wie meckl. Göldenitz und 2 Goldenitz, urk. Goldeniz, -isse, mit eingeschobenem d (s. o. Goldensee), ursprünglich Plur. Golenici, die Leute, die Sippe des Golen, Kahlendorf. Von dem oben erwähnten golŭ, goły nackt, kahl, arm und bloß stammen zahlreiche P.-N., so Golan, Golen, Goliš, Golisza, Golec, tsch. Holen, Holata, Holec u. a. Hierher gehört auch

Gültzow

Z. Gvltsowe, ebenso wie Gülzow b. Stavenhagen, urk. 1226 Golisowe, 1235 Gholisowe, 1248 Golessowe, und Gülzow b. Crivitz im 14. Jahrh. Gultzowe = Golišove, Gut des Goliš, Kahlenhof; vgl. Holišov Böhm.

Göttin

urk. Guthin, muß auf dasselbe Stammwort zurückgeführt werden wie die meckl. O.-N. Göthen, urk. tor Chůten, Gotthun, urk. Gottun, Gottin, urk. Chutun, Gottune, Gottin, sowie das eingegangene Gottun, urk. Chutune, Cuthune, nämlich auf asl. chotĭ, tsch. chut’, p. chuć Luft, Begier, Sehnsucht, tsch. auch chot’ Bräutigam u. Braut, Gatte u. Gattin, woher die P.-N. Chot, Chotĕn, Chotuň u. a. Göttin = Chotin, Besitz des Chot, etwa Bräutigamshof; vgl. Chotyń Galiz.

Grienau

urk. Grinowe, läßt sich anschließen an Hřín Böhm. und urk. Waz. grini, Woz. grinie Sachs. Aus asl. igra, p. gra, tsch. wend. hra Spiel und Tanz, wend. Adj. hriny gingen, wie es scheint, die P.-N. Grin, Hřin, Všegrin (immer spielend) hervor, sodaß Grienau oder Grinowe das Gut des Grin, Spieligshof sein mag.

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Grönau

Z. Gronowe, kann wie Grünow Meckl., urk. Grůnowe, Gronowe Besitz der Grono sein. P.-N. Grono, Gronko, Hronĕta leiten sich her von p. grono, klruss. hrono Traube, p. gronko Träubchen, Nebenform zu asl. groznŭ, tsch. hrozen, klr. hrozno, welche ebenfalls P.-N. bilden. Vgl. Groń und Gronków Gal., Hronov und Hronĕtice Böhm. Die Möglichkeit, daß Grönau deutscher Herkunft sei, von ahd. grôni grün, ist dabei nicht ausgeschlossen.


Gudow

Z. Godowe, läßt sich gleich gut von zwei Stämmen ableiten. Bei Vergleichung mit meckl. Godow b. Neustadt und b. Rostock, urk. Ghodowe, Godowe, Godow, sowie mit Goddin b. Schwerin, urk. 1194 Godin, ist man geneigt, den O.-N. von dem P.-O. Goda herzuleiten, mit dem Begriff der Tauglichkeit, aus asl. goditi passend sein, taugen; vgl. Hodov, Hodovice Böhm. Dagegen weisen Goddin b. Ivenack in Meckl., 1300 Chodyn, und der häufige Übergang von ch in g bei baltischen O.-N. auf den P.-N. Chod, der sich auf das Laufenlernen des Kindes bezieht, denn choditi = gehen, tsch. chod’átko Kind, das zu gehen anfängt. Hierzu vgl. Chodov Böhm., Chodów Pol.

Güster

urk. Guztrade, ist der Plur. des P.-N. Gostirad, tsch. Hostirad oder Hostĕrad, also Gostirady = Gastfreunds; asl. gostiradŭ gastfroh, tsch. hostirád Gastfreund. Vgl. Güster im NW. von Rügen, urk. Gausterede und Gusteraditze, ferner Hostĕrady und Hostĕrádky Mähr., Hostĕradice Böhm., Hostiradice Mähr. u. a.


Karlow Meckl.

1158, 1230 Karlowe ist der Besitz eines K’arl. Der P.-N. stammt von dem aus ahd. karal = Mann entlehnten polab.

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k’arl Mann, p. karlę Kerlchen, Zwerg und ist vielleicht in dieser letzteren Bedeutung zu fassen.

Kehrsen

Z. Kerseme, fügt sich an das lausitzische Korzym’, deutsch Kirschau genannt, und ist der Plur. Korzymy des P.-N. p. Korzym, tsch. Kořim, mit dem Begriff der Demut. Von kora (po-kora) Demut, tsch. kořiti, p. korzyć demütigen ist der P.-N. mit dem asl. Suffix imŭ gebildet wie tsch. Bořim, p. Borzym, wovon Bořim Böhm., Borzymy Pol. Kehrsen also = Demutshof.
 

Klempau

Z. Climpowe, ist p. Klępowe, Gut der Klępa, dies = p. klępa eig. alte Kuh, dann Schlampe, nachlässiges Frauenzimmer (auf Rügen P.-N. Klempke). Ebendaher Klempin, p. Klępiny b. Danzig.

Köthel

urk. Cotle, ist zu verbinden mit Köthel b. Güstrow, urk. Kotelen, Kotel, Köthel Altenb., urk. Cottile und Kotelow b. Stargard, urk. Coytlowe, Coytlow, Kotelow, Cůtlowe, Kotlow. Hier liegt, wie Kühnel annimmt, der tschechisch belegte P.-N. Chytil vor, der von tsch. chytati, chytiti, p. chytać, chycić fangen, haschen abstammt, oder auch Chytal, wie tschech. chytal = Hascher, Fänger.

Krukow

Z. Crukowe, = Krukowe, Besitz des Kruk, d. i. asl. krukŭ, p. kruk Rabe, also Rabenhof; vgl. Krukanice Böhm., 2 Krukow Meckl.


Krumesse

urk. Crummesse, -esce, stammt von dem P.-N. Kromêšĭ, tsch. Kroměš (oder weibl. Kromêša) und ist wohl der Plur. Kromêšy, während das böhm. Kroměšín Adjektivform davon

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ist. Asl. kromêšĭnŭ draußen befindlich, auswärtig ergiebt als Bedeutung des P.-N. wohl Fremdling, Stammwort ist kroma Rand.
 

Krützen

Z. Krutsem, in p. Form. Krocym, wofür tsch. Krotim anzusetzen ist, nach der oben erwähnten Lautgewohnheit. Krotim oder Krocym ist P.-N. aus ursl. krotŭ, p. krotki, tsch. krotký zahm, kirre, sanftmütig, tsch. krotiti, p. krocić zähmen, bändigen, ebenso gebildet wie die schon genannten Kořim und Bořim, und ohne Veränderung als O.-N. verwendet. Vgl. Krotĕjov Böhm., Krotoszyn Galiz. und Reg.-Bez. Marienwerder.


Kühsen

Z. Kvcen, dürfte auf einen P.-N. Kus (belegt, auf Rügen P.-N. Kuse) oder Kusen zurückgehen, welcher in asl. kusǔ, p. kusy, tsch. kusý, olw. kuši = kurz, gestutzt, verstümmelt, seine Erklärung findet; dazu vgl. man Kusey und Kusisse Altmark und die meckl. Küssow, Kussewitz, Kuhs b. Kühnel. Die tsch. Kuzy und Kuzová sowie Kuzie Galiz. scheinen auf tsch. kuz = kyz Kies hinzuweisen. Auch an p. kuźnia, mähr. kuźňa Schmiede läßt sich Kühsen vielleicht anschließen; die Entscheidung ist in diesem Falle schwierig.
 

Lelecowe

eingegangenes Dorf b. Siebeneichen (Z.) = Lelekow, Besitztum des Lelek. Der P.-N. ist im Tschech. urk. belegt, daß appellative tsch. lelek bedeutet Nachtreiher, Nachtrabe, Nachtschwalbe, aber auch wie lelkář Gaffer, Maulaffe, p. ebenso lelek. Vgl. Lalchow Meckl. urk. Lelekowe, Lelkendorf Meckl. urk. Lilekes- und Lellekendorp, Lelecken p. Leleki (Plur.) Reg.-Bez. Gumbinnen, Lelekovice Mähr.
 

Logen

eingegangenes Dorf b. Breitenfelde, Z., scheint wie Lohenice oder Lohynice Böhm. von einem P.-N. Logen zu stammen;

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im Tsch. bietet sich zur Erklärung lohniti trinken, zechen, im Obl. wend. logan großer Kerl, Bengel.

Lüchow

Z. Lvchowe, wie Lüchow Meckl., urk. Luchowe, Lucho, Laucha Sachs. wend. Luchow, 1306 Luchowe = Gut des Luch. Dieser P.-N., in tsch. Form Lich, erscheint als Kurzname für Luboch, tsch. Liboch, asl. Ljubochŭ = Liebe, oder für Lutoch, Litoch, Ljutochŭ = Wilde, gleichwie Buch, Boch, Pach, Stach, u. a. für Budich, Boguch, Pavel, Stanislav u.s.w.


Lütau

Z. Lutowe und ein zweites Lvtowe in Sadelbandia = asl. Ljutovŭ, p. Lutow, tsch. Litov, Gut des Ljut, Lut (auf Rügen Lüth), d. i. Wilde, Grimm = Grimmshof; der P.-N. Ljut (belegt) stammt von asl. ljutŭ, tsch. lítý wild, grimmig, wie Lutyj, Lutan, Luten, Lutich u. a., die auch in vielen O.-N. enthalten und erhalten sind.
 

Manau

urk. Manowe, 1468 schon wüst, wie Manov in Böhm. urkundlich, vom P.-N. Man (belegt), der sich wohl mit dem aus dem Deutschen stammenden tsch. p. man = Lehnsmann erklärt, wenn nicht wie in den weiter gebildeten tsch. O.-N. Maňovice und Maňovičky tsch. maňa Schlingel, Bengel als P.-N. darin enthalten ist.
 

Maselwitz

Z. Mazleviz, eingegangenes Dorf in der Parochie Crumesse, hat Namensgenossen an Maslovice Böhm., Massowitz p. Masłowice Reg.-Bez. Köslin und ist das Dorf des Masla (belegt), d. i. Schmierer, Schmierfink. Zu Grunde liegt asl. tsch. mazati, p. olw. mazać schmieren, wovon maslo Öl, Salbe, tsch. mazač, mazal Schmierer, Klecker, russ. Mazepa Schmutzfink. Vgl. noch Masłow Pol., Maßlow b. Wismar, urk. Mazslowe,

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Mazlowe, Matzlow b. Parchim, urk. Maslowe, Matzelowe, sowie Mazalov Böhm., letzteres von einem Mazal.

Mechow Meckl.

b. Ratzeburg, 1194, 1230 Mechowe und Mechow b. Fürstenberg gleich Mĕchov Böhm., Miechów Pol., Meucha Altenb., urk. Michowe, Meychaw, = Dorf des Mêch. Dieser P.-N. hat wie Mêchęta, Mêchomir sein Stammwort in tsch. olw. měch, p. miech Sack, Bauch, und ist ein Spottname für einen Dicken (tsch. mêcháč Dickbauch, mĕchna dickes Frauenzimmer).
 

Molzahn Meckl.

urk. Mvltsan, Multsan, Molsan, stellt sich zu Molczany Pol. und Molczanówka Galiz., abstammend von dem P.-N. Molčan, d. i. Mol.ĭk. janŭ, Mottchen (Kosename), mit doppeltem Suffix gebildet aus asl. molĭ, p. w. tsch. mol Motte, Denim. molek.
 

Müssen

Z. Mussen, mag wohl, wenn man wegen des ersten Wortteils meckl. Müsselmow, urk. Musselmow d. i. Myslimov zur Vergleichung heranzieht, als Ableitung von dem P.-N. Myš zu betrachten sein. Dieser erklärt sich aus asl. myšĭ, p. mysz, tsch. myš Maus, als tändelnde Bezeichnung für das kleine Kind (vgl. Decius Mus), wie Myška = myška, myszka Mäuschen. Weitere O.-N. hiervon sind Myszyn Galiz., Myšyn oder Missen Ndlauf.; Myškov Böhm., Myszków Galiz., Mysken oder Myszki Reg.-Bez. Gumbinnen u. a.
 

Mustin

Z. Mustin liegt wie Mustin Meckl., urk. Mostyn, die Ableitung von most Brücke – vgl. Mostina Kroat. – sehr nahe, doch steht die Örtlichkeit wohl hindernd im Wege. Besser vergleicht man Mszyn, p. Mścin Reg.-Bez. Marienwerder und erklärt Mustin wie dieses = asl. Mĭstinŭ, tsch. Mstĭn, als mask. Adjektivnamen vom P.-N. Msta (belegt), welcher aus asl. mĭstĭ, tsch. msta Rache, p. mścić rächen, herstammt; zeigen doch einige

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der hiervon weiter gebildeten P.-N. nach dem anlautenden m ebenfalls den dunklen Vokal o: urk. p. Mosczyc, Mosticius, Mostignews.


Neschow Meckl.

urk. Nescowe, Nessecowe läßt sich wie Nössige Sachs., urk. Neskow, Nesgaw sowohl auf Nêžkov zurückführen, d. i. gut des Nêžek, als auch auf Nežichov, d. i. Gut des Nežich, wie Nežichov oder Neschikau b Pilsen i. B. Der P.-N. Nêžek ist wie serb. Nêžko, Neško Deminutiv von Nêg, aus asl. nêga zärtliche Kindespflege, tsch. něžba Zärtlichkeit, Freundlichkeit, Nežich aber ist die negierte Form von Žich, p. Žych (O.-N. Žychy, Zychów, Žychowo Pol., Žichov Böhm.), die ihrerseits als Kurzform zu Židislav erscheint, von asl. židati erwarten, hoffen.

Nüssau

Z. Nvssowe, ist möglicherweise = Njušove, Gut der Njuša, wenn einen solchen Namen aus p. niuch, tsch. ňuch, olw. nuch, nuchot Geruch, Schnüffeln, serb. njušiti schnüffeln zu erschließen gestattet ist, worauf auch der urk. Name Nuchterwitz zurückzugehen scheint. Oder sollte ein aus tsch. Januš, p. Janusz (von Joanŭ Johannes) gekürzter P.-N. Nuš hier vorliegen, wie Jašutbor tsch. zu Šutbor gekürzt ist? Januszowa giebt es in Galizien.
 

Nusse (lübisch)

1158 Nusce, 1194 Nutse, 1230 Nvsce ist vielleicht P.-N. Nosce = tsch. nosce Träger, Trägerin, dessen Stammwort nositi tragen noch anderen Namen zu Grunde zu liegen scheint, oder wie galiz. Nuszcze vom P.-N. Nuszek.


Pampau

Z. Pampowe = Pąpove, Gut des Pąp, Pamp. Der P.-N. stammt wie Pąporĭ, Pąpišĭ, Pępek, urk. Pampek, ohne Nasal Pup, Pupiš, Pupek u. a. von ursl. pompŭ, asl. pąpŭ, p. pępek, tsch. pup Nabel, wozu man Όμφάλη, Όμφαλίων vergleiche.

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Diese P.-N. sind teils Ausdrücke der Zärtlichkeit, teils beziehen sie sich auf die Größe des Nabels, sie erscheinen auch in den O.-N. Pampow, Pampin, Pamprin Meckl., Pempau b. Danzig u. s. w.

Panten Meckl.

urk. Pantin, Panthen, Panten, in asl. Form Pątenjŭ, p. Pąteń, ist der Besitz des Pąten, asl. Pątenŭ, tsch. Puten, latinisiert Panthenius. Diese P.-N., dazu Putim, Putjata, Puta, Putorad u.s.w. haben ihr Grundwort in asl. pątĭ, tsch. pout’ Weg, Wanderung, wie manche altdeutsche P.-N. auf sind = Weg, Reise zurückgehen.


Pötrau

urk. Pvtrowe, Puterowe ist = Pytarove zu fassen, d. i. Gut des Pytaŕ, Fragershof. Mit Pytaŕ ist wohl das Kind, welches viel fragt, bezeichnet, von asl. pytarĭ, olw. pytaŕ = tsch. pytač Frager, Sucher, asl. slovak. pytati, p. pytać fragen.


Ratzeburg

Die urkundlichen Formen des Stadtnamens, welche mir Herr Dr. Hellwig in willkommener Vollständigkeit und Übersichtlichkeit hat zugehen lassen, scheiden sich in zwei Gruppen, die eine mit der Hauptform Raceburg, die andere mit der Hauptform Razesburg. Zeitlich sind diese Gruppen nicht geschieden, in buntem Wechsel werden die Formen gebraucht, doch läßt sich behaupten, daß diejenigen der ersten Gattung gerade von solchen angewendet sind, welche die landesübliche Aussprache des Namens kennen konnten. Die ältesten Originalurkunden bieten folgende Formen: 1062 (Mecklenb. Urkundenbuch 27) Razesburg, 1154 (ebenda 56) Racezburc, 1158 (62) Razeburgensis und Raceburgensis, 1158 (65) Raceburg, Raceburgensis, 1160, 1162, 1167 (70, 75, 88) Raceburgensis, 1169 (90) Razenburg, Razesburg, Razeburgensis, 1170 (96) Razenburg, Razenburgensis, 1171 (100) Razesburg, Razesburgensis, 1171 (101)

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Razeburg, Razesburgensis, 1174 (113) Raceburg, Raceburgensis, 1186 (141) Razeburk, 1188 (143) Racesburch, Racesburgensis, 1188 (144) Racesburgensis, 1194 (154) Raceburgh, Raceburh, Raceburgensis. Die Formen mit s im ersten Wortteil vertreten ferner hauptsächlich die Geschichtsschreiber: Adam von Bremen, Helmold, Arnold von Lübeck und Albert von Stade, von denen der erstere nur Razzispurg bietet. Dagegen findet sich im Anfang der Legenda de Sancto Ansvero (Langebek, Script. rer. Danic. III, 582) die gräcisierte Form Racipolis, bei Boguphal von Posen (Sommersberg, Script. rer. Siles II, 24) die besonders wichtige Form Rathibor. Wenden wir uns nun zu der Feststellung der ursprünglichen Namensgestalt und deren Deutung, so ist vor allem rücksichtlich des ersten Wortteils jene oben erwähnte Lautregel geltend zu machen, wonach c, tz öfters im Westslavischen aus t hervorgegangen ist; so Fitzen Vitsin Vicin Vitín, Krützen Krutsem Krocym Krotim, Pogetz Pogatse Pogacie Pogatije, Ritzerau Ritserowe Rycerove Rytěrov, endlich auch Cikinize neben ciek, tekŭ und Cemerstorp wie Cimerstorp neben Ctimír. Was den zweiten Bestandteil des Stadtnamens betrifft, so ist an anderer Stelle *) von mir der Nachweis geführt worden, daß einige O.-N. auf –burg dies für das slav. bor eingetauscht haben. So gelangt man zu dem sl. P.-N. Ratibor, der aus asl. ratĭ Krieg und borŭ Streit, Kampf gebildet ist, = Kriegstreiter, ähnlich den deutschen weibl. P.-N. Hildigunda und Gundihild oder Gunhilde. In der That zeigen auf polnischem Gebiete verschiedene Namen dieses Stammes ratĭ die oben erwähnte Verwandlung: P.-N. Raciej neben Ratêj, Racibor und Raciborius neben Ratibor, O.-N. Racięcin, Racięcice, Raciszyn, Raciechowice, Racibory, Raciborz, Raciborsko, Raciborowice u. a. m. Nun ist aber Ratzeburg nicht ohne weiteres = Ratibor oder Racibor zu fassen, sondern als die männl. Adjektivform des P.-N. mit dem asl. Suffix ,

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*) Wissenschaftliche Beilage zur Leipziger Zeitung 1887, Nr. 20.

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welches in Verbindung mit r im Pol. die Lautgruppe rz (rs), im Tschech. ř (weiches rsch) bildet. Das so entstandene –borz oder –boř konnte in seinem weichen Auslaut von den Deutschen nicht entsprechend wiedergegeben werden und fand in sehr erklärlicher Weise in der Burggründungszeit durch das deutsche –burg seinen Ersatz. So wurde aus Braniborjŭ, p. Branibórz, tsch. Braniboř Brandenburg, aus Mrŭziborjŭ, p. Mierzibórz, tsch. Mrziboř Merseburg, von den P.-N. Branibor und Mrzibor, wie Lutobórz, Modliborz, Myśliborz, Cichobórz Pol., Litoboř, Slaviboř, Tuhoboř Böhm. und Mähr. aus den P.-N. Lutobor, Modlibor, Myslibor, Tichobor, Litobor, Slavibor, Tuhobor. Auf diese Weise ergiebt sich wohl mit unzweifelhafter Sicherheit, daß Ratzeburg sich deckt mit asl. Ratiborjŭ, p. Racibórz, tsch. Ratiboř und die Ansiedlung des Ratibor oder Racibor bezeichnet, ebenso wie das schles. Ratibor, p. Racibórz, Ratzebuhr in Pommern, Ratiboř Mähr. und 5 Ratiboř in Böhmen, entstellt zu Rothbern, Rothwurst und Radiwurz. Dieses Ursprungs war sich Bischof Boguphal (um 1250) noch wohl bewußt, wenn er die oben genannte Form Rathibor für Ratzeburg gebraucht, während von andern, denen dieses Verständnis mangelte, in volkstümlicher Etymologie eine Burg des Razzi, eine Razzesburg geschaffen wurde. Ob als Gründer des Ortes der Obotritenfürst Ratibor (+ 1042), dessen Name auch Radeburg, Racaeburgh und Rettibur geschrieben wird, oder schon ein älterer namensgenosse zu betrachten sei, darüber wird sich schwer eine Entscheidung fällen lassen.


Restorf Meckl.

Z. Ratistorp ist das Dorf des Ratiš = Kriegersdorf, von ratĭ Krieg.
 

Ritzerau (lübisch)

Z. Ritserowe, wie Ritzerow b. Stavenhagen, urk. Ricerow, Ritzerowe, ist der Besitz des Ryceŕ, Rittershof; das ahd. rîtâri, mhd. rîter wurde tsch. rytíř, rytĕř, p. rycerz, russ.

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rycarĭ. Vgl. Rycerka Galiz., Rytířov oder Rittersdorf b. Tetschen in Böhmen.


Röggelin Meckl.

1230 Rukelin, dann Rogghelin, Rocghelin, Roggelyn vermutlich, da auch sonst gg als Ersatz für ch erscheint, = Ruchalin, Besitztum des Ruchala. Der P.-N. kommt wie Ruchota, woher Ruchocin Pos., von p. tsch. ruch Bewegung, munteres Treiben und stellt sich zu einer größeren Zahl von P.-N. auf ala, die auf ein fehlerhaftes, tadelnswertes Thun sich beziehen.
 

Römnitz Meckl.

sehr arg entstellt, 1158 Rvdemoyzle, 1174, 1194 Rodemozle, dann Rodemoyzle, Rodemuszle, Rodemuzle, ebenso wie Rodameuschel Altenb., urk. Rodamuzla, Rothenmützel, Rodemüschel, und Röttelmisch, Altenb., urk. Rodemusle = p. Radomyśl oder Radomyśle, Dorf des Radomysl; vgl. Radomyśl Pol. u. Galiz., Radomyšl Böhm., d. i. Radomysl. jŭ. Der P.-N. ist zusammengesetzt aus radŭ froh, freudig und mysl Sinn, Geist, also = der Frohsinnige
 

Roseburg

Z. Rosborch, würde p. Rozborz, tsch. Rozboř zu schreiben sein, deckt sich also mit Rozborz Galiz. (dreimal) = Gut des Rozbor, d. i. Zerstörer, Einreißer, von tsch. rozebrati, rozbořiti zerstören, niederreißen. Die Bildung und Verwandlung ist dieselbe, wie bei Ratzeburg.
 

Rülau

verlangt gleiche Deutung wie Rühlow b. Stargard, 1298 Rvlow, dann Rülow, Rulouw, und Rułów Galiz., nämlich Besitz des Rul. Diesen P.-N. hat man wohl abzuleiten von asl. rŭvati, p. rwać, tsch. rváti, routi, olw. ruć raufen, Partic. ruł.

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Salem

Z. Salim, wie Salem b. Malchin in Meckl., urk. Salem, Zalme, vom P.-N. Zalim, d. i. Schmerzenskind, Schmerzenreich, von asl. žalĭ, p. tsch. žal Schmerz, Leid, wie Bořim, Krotim, Radim u. a. gebildet.

Samkow Meckl.

Z. Samekowe ist das Dorf des Samek, oder, wenn man 3 böhm. Samechov in Betracht zieht, des Samech. Bei den P.-N. Sam oder Samo (Slavenfürst), Demin. Samek, Samech, Samucha u.s.w. liegt asl. samŭ, p. sam, tsch. sám selbst, allein, zu Grunde, sie stimmen zu den altdeutschen P.-N. Selbo, Selba, Selbrat u. a., auch griechischen wie Αύτέας


Sandesneben

1230 Zanzegnewe, 1278 Schanczegnewe erklärt sich nebst dem im Cod. dipl. Polon. erwähnten O.-N. Sancigniow durch den ebendaselbst überlieferten P.-N. Sangnevus, Sangneus, Sanczneus = asl. Sądignêvŭ, p. Sędzigniéw, tsch. ohne Nasal Sudihnĕv, oder richtiger als Plural Sądignêvy, Familie Rechtszorn, Rechtsstrenge, von asl. sądŭ, p. sąd Gericht, und asl. gnêvŭ, p. gniéw Zorn. Vgl. die P.-N. Stojgniew, Mirogniew, Sieciegniew, Jarogniew, O.-N. Jarogniewy, Mierogniewice etc.


Sarnekow

1194 Scarnekowe, 1230 Tsarnekowe, wie 2 Zarnekow Meckl. = Čarnkove, p. Czarnkow, tsch. Černkov, Gut des Čarnek, Schwarzhof. Asl. črŭnŭ, p. czarny, tsch. černý schwarz bildet die P.-N. Čarn, Čorn, Černy, Demin. Čarnek, Zarncke d. i. der kleine Schwarze, u. v. a., wovon die O.-N. Czarnkow Pol., Černkov Böhm. u. a.


Schlagbrügge Meckl.

1194 Slaubrice, dann Slaubrize, Slabrvcke, Sclabruge ist das pluralische Patronymikum Slavoboricy, die Sippe des

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Slavobor. Der P.-N., p. Sławobor, urk. Slawoborius, tsch. Slavobor, urk. Zlauoborus, daneben auch tsch. Slavibor, zusammengesetzt aus slava Ruhm, Name und bor Kampf,
bedeutet sonach: Ruhm vom Kampfe habend, entsprechend den altdeutschen P.-N. Gundemar und Hildimar. Vgl. Slaviboř Mähr., besonders aber den Namen eines eingegangenen Dorfes auf Rügen: Slauboriz, Zlaboriz, womit die obengenannten urk. Formen gut ergänzt werden.

Schlagsdorf Meckl.

b. Ratzeburg, 1158 uilla Zlavti, 1194 Sclaveckestorp, dann Slaukestorp, Slavkestorph, Slavikestorpe, scheint ursprünglich Slavuty benannt worden zu sein, d. i. die Slavut (wie Białuty Pol.) = Ruhmreichs, von slava, woher auch p. Słavutowo, Słavutówko, deutsch Gr.- und Kl.-Schlatau Reg.-Bez. Danzig. In der Germanisierungszeit wurde der O.-N. an den gebräuchlicheren P.-N. Slavek, Demin. von Slav, Slava, angeschlossen, sodaß er zusammentraf mit Schlagstorf b. Wismar, Schlakendorf b. Gnoien und Schlakendorf b. Neukalen in Meckl., die urk. Slawekisthorpe, Slawekendorp etc. heißen.


Schmielau

1219, 1230 Smilowe ist das Gut des Smil, d. i. Liebreich, von asl. smilŭ lieb, gefällig. Der vielfach urk. belegte P.-N. steckt auch in Smilov Böhm. u. Mähr., S’miłow und S’miłowo Pol. = Liebsdorf.


Silke und Silkenburg

sind zweifelhaften Ursprungs. Vergleicht man Žilov Böhm., so möchte man einen P.-N. Žil, Demin. Žilek = Lebendig als zu Grunde liegend ansehen; Silkow, p. Zelkowo im Kreis Stolpe führt auf den Stamm zel- grün; auch deutsche Herkunft ist nicht ausgeschlossen.

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Talkau

Z. Telekowe = asl. Tolĭkovŭ, tsch. Tolkov, Gut des Tolĭkŭ, Tolek, vom ursl. Stamm tel, asl. toliti besänftigen, beruhigen, stillen (ein Kind). Dazu gehören die P.-N. Tol, Tolut, Tolęta und die O.-N. Netolice Böhm., Thallwitz Sachs. u. a.


Techin

1257 Dechin, scheint von dem P.-N. Těchěn oder Těchon zu stammen, von welch letzterem Těchonín Böhm.; das Stammwort dazu ist asl. têcha, tsch. útěcha Trost. Vgl. mehrere Techentin Meckl. vom P.-N. Têchęta.
 

Tespe, Tesperhude

Z. Toschope, deckt sich mit Tučapy Böhm., 2 Tuczapy Galiz., und erklärt sich als Plural des P.-N. Tučap. Der Vergleich mit tsch. tuzemec Inländer, von asl. tsch. p. tu da + země Land, ferner mit den O.-N. Tukleky, 4mal in Böhm., von tu + klekati knieen, = Daknieer, sowie mit dem nicht seltenen Tupadly, Tuppadel, Taupadel von tu + paditi fallen = Hinfaller (Kind), ergiebt für Tučap die Ableitung von tu + tsch. čapěti hocken, kauern, sich niederkauern, um seine Notdurft zu verrichten, also = Dahocker, Hinkaurer: So stellt sich Tučap zu den P.-N.
Počap (von po- in Zusammensetzung mit Verben = wiederholt, eine Weile, ein wenig + čapěti = Kind, das sich oft niederkauert), Počapl, femin. Počapla, Podčapl, und den hiervon stammenden O.-N. Poczapy und 2 Poczapińce Galiz., 4 Počaply, Podčap, Podčaply Böhm., Potschappel b. Dresden u. s. w. Die gleiche Natürlichkeit zeigen auch noch andere P.-N. und O.-N.

Thömen

Z. Tomene = Plur. Tominy, Familie Tomin = Plager. Die P. -N. Tom, Toman, Tomin, woher auch Tominovac Kroat., stammen von asl. tomiti plagen, mißhandeln, russ. tomitĭ ermüden.

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Thurow

1194 Tvrowe, Z. Turowe, ist das Gut des Tur, wie Thurow Meckl., Turov Böhm., Turów und Turowo Pol., Taura Sachs. = Auershof; denn der P.-N. Tur ist = asl. turŭ, tsch. olw. tur Auer, Auerochs. Von dem gleichen Stammworte kommt:
 

Toradestorp

eingegangenes Dorf in der Parochie Crumesse, ebenso Thorsdorf b. Grevesmühlen in Meckl., beide Z. Toradestorp, = Dorf des Turad, Auersdorf; daher auch Turady Galiz., Plural des P.-N.

Utecht lübisch

1230 Vtechowe, 1284 Uteche = Utêchove, Gut des Utêch, Trostheim, von těcha, útěcha Trost, Vergnügen, Ergötzen (s. o. Techin). Der P.-N. Utěch ist im Tschech. mehrfach belegt, Útěchov findet sich auch in Mähren.


Wotersen

Z. Wotartse, in ursprünglicher Gestalt Wotradza, asl. Otrad.ja, d. i. die weibliche Adjektivform des P.-N. Otrad, polab. mit vorgeschlagenem w Wotrad, mit dem Suffix , fem. ja gebildet, genau wie Nieradza Pol. von Nierad. Otrad erhält durch asl. otrada Erholung seine Erklärung und findet sich auch in den böhm. O.-N. Otradov und Otradovice wie im mähr. Otradice.

Zecher

1194 Scachere, 1230 Tsachere, schließt sich an Zacherin p. Czachryny Reg.-Bez. Marienwerder, Cachořice, Čachrov Böhm., Czachrów Galiz. und setzt wohl einen P.-N. Čachor voraus, dessen Bedeutung dunkel ist; die beiden letztgenannten O.-N. erinnern an das jüdisch-tschech. čachr Schacher.


Ziethen Meckl.

b. Ratzeburg, von 1158 ab urk. Ziethene, Cithene, Citene, Schytene (!), Cythene, Cytane u.s.w. darf mit ziemlicher
 

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Sicherheit als Plural des P.-N. tsch. Štitoň (urk.), p. Szczytoń betrachtet werden, welcher von asl. štitŭ, tsch. štít, p. szczyt Schild abstammt. Deutlich wird dies durch die O.-N. Ziethen, p. Szczytno Reg.-Bez. Marienwerder (Adjektivform), dem böhm. Štítné entsprechend, Zeiten auf Rügen, urk. Scyten, Zittow b. Schwerin, urk. Zuttecowe, Cithecowe, Zcithecow, welches dem böhm. O.-N. Štítkov entspricht und pol. Szczytkowo heißen würde, endlich durch böhm. Štítary, deutsch Schittarzen = die Schildmacher. Das p. szcz, tsch. št vereinfacht sich zu sch, c, z.

Hiermit ist der Vorrat an slavischen Ortsnamen in Lauenburg, wie uns scheint, erschöpft. Um aber die Vollständigkeit des eben Gebotenen möglichst außer Zweifel zu setzen, scheint es angemessen, noch einen kurzen Blick auf eine Reihe von Namen zu werfen, welche, wenigstens für den fernerstehenden Binnenländer, ein fremdartiges Aussehen haben und leicht die Vermutung slavischer Abkunst erregen, indessen als deutsche Benennungen bezeichnet werden müssen.

So ist Mölln, 1217 Mvlne, 1230 Mulne, 1225 Mulnensibus, nicht mit p. miel, tsch. měl seichte Stelle, (woher wohl Möln, urk. Melno auf Rügen), noch mit p. młyn, tsch. mlýn Mühle, sondern aus dem Deutschen zu erklären. Ahd. mulî, mulîn (aus lat. mola, molina), mhd. mülî Mühle liegt hier vor, wie in Mölln b. Stavenhagen, in Grevesmühlen, urk. Gnewes-mulne (der Genitiv des P.-N. Gnêv beweist hier die deutsche Abkunft des Wortes mulne), in den meckl. Flurnamen Mölln Bruch, Mölln Wiese, Möllndiek, Möllenbeck, Möllenfeld, ganz abgesehen von entsprechenden Namen im übrigen Deutschland.

Möhnsen, 1230 Manse fügt sich leicht zu Meensen in Hannover, 990 Manisi (von man = Mann?), während eine Ableitung aus dem Slavischen sich kaum ermitteln läßt.

Börnsen, 1217 Burnessem, Bornessum, Borntzem gehört zu der großen Zahl der O.-N., die, ursprünglich als Plural-Dative auf husum, husun = hausen ausgehend, dies
 

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in Verbindung mit vorangehender Genitivendung zu essum, essem, essun, essen, endlich zu sen verkürzt haben. S. Förstemann, Altdeutsches Namenbuch II, 879 f., Arnold, Ansiedelungen und Wanderungen deutscher Stämme 414-420. Der erste Wortteil ist der altdeutsche P.-N. Boran, Borno = Geborner, Kind, got. ahd. barn, der ganze Name also ursprünglich Bornishusum = Kindshausen.

Ebenso scheint auch in Glüsing ein altdeutscher P.-N. sich zu verbergen, worauf zum mindesten die Endung deutet. Der gleiche Name findet sich noch zweimal: Glüsig im Reg.-Bez. Magdeburg 1282 villa Glusinge, und ein eingegangenes Gluzinge in Niederdithmarschen.

Stubben in der Landvogtei Steinhorst findet sich etwa 13mal in meckl. Flurnamen wieder, als Bruch, Teich, Wiese, Koppel, Soll, und ist gewiß als deutscher Name zu fassen, nach Förstemann als Schaf- oder Schweinehürde.

Der Flurname die Krüh hat sicher die gleiche Erklärung zu finden wie die Krüch Wörde, der Kruck See, das Krückbruch (Wiese) in Mecklenburg, 1280 an der Crucken, 1320 Betekruchen, Bach Feltcrucha in Süddeutschland, von Krücke = Krümmung.

Gleiche Bedeutung hat Krümmel b. Gültzow. Nicht nur stellen sich hierzu aus Mecklenburg 3 Flurnamen Krümmel, sowie der Krümpel und hintern Krümpel, sondern auch aus Hessen-Nassau Krümmel oder Crummel, 1022 Crumbele, und der Krumbach (Fulda-Zufluß), urk. Crumelbeki, endlich der Klingelbach am Wiener Walde, urk. Chrumbilbach, alle von ahd. crumb, krumm. In Süddeutschland heißen krummlaufende Äcker noch jetzt Krümmlinge. Dagegen ist das meckl. Krümmel im Amt Wredenhagen slavisch, und zwar die urspr. Form Kromêmêr, urk. Crumemir, Crummere (P.-N. Fernberühmt oder Ohneruh) in das geläufigere und verständliche Wort umgemodelt worden.

Die Flurbezeichnung die Masch ist nichts andres als die Marsch = tief liegendes Ackerland, Bruchfeld, ebenso üblich in

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Mecklenburg, wo es bei Barsdorf eine „breite Masch“ giebt, wie auch im sächsischen Hessen und Schaumburgschen. Das Schwinden des r vor den Zischlauten ist ebenso in einer Menge slavischer O.-N. des Ostseegebietes zu bemerken.

In Grande hat man wie im hess. Grandenborn, bayr. Grantowa und dem Flußnamen Grande b. St. Goar das deutsche Grand, ahd. grant = Kies, Sand zu erkennen. Nach Dr. Hellwigs Ansicht steckt dies auch in Grambeck, 1194, 1230 Grambeke, = Grandbach, Sandbach.

Was Grove betrifft, so kann man kaum umhin, dasselbe mit dem hess. Grove und den von Förstemann genannten Hilises-grove, Schluis-grove, Esser-groeve u. a. zusammenzufassen, die mit Grube sich erklären.

Der von Waldhügeln umschlossene Garrensee, an welchem Gardensee (1230 Gardense) lag, trug ursprünglich selbst diesen Namen, der auf ahd. garto umfriedigter, umhegter Ort, Garten zurückgeht; er ist also der umhegte, eingeschlossene See. Man vergleiche dazu den Gardener See b. Dobbertin in Meckl., urk. see Gardene, stagnum Gardene, mit dem Bach Gardene, sowie Gertenbach an der Werra, urk. Gardenebike, einen Gardenbach auf dem Hundsrück, ein Gardivelt u. a.

An letzter Stelle sei noch Kuddewörde erwähnt, 1230 Kuthenworden, = Kathenwerder, Hütten auf erhöhtem Boden; dazu vgl. die Krüch Wörde, Olk Wörden b. Stargard, Hohenwöhrden, Landwürden.

Um nun zum Schluß noch einmal auf die slavischen O.-N. unseres Gebietes zurückzukommen und die Ergebnisse der Erklärung zusammenzufassen, so stellt sich mit einiger Sicherheit das folgende heraus. Von den behandelten 121 Namen entfallen 45 auf die appellativische Klasse, während 76 von Personennamen herrühren. In jener Gruppe werden in 9 Fällen die Bewohner nach Stand, Gewerbe und Wohnung bezeichnet: Leibeigene, Erdgräber, Schmiede, Borkenreißer (?), Mehlhändler, Häusler, Ufersassen, Waldsassen, Hinterbergler; 2 Namen gehen

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auf menschliche Einrichtungen: Köhlerei, Schießstelle; 1 auf Verwandtschaft: Brudershof; 6 beziehen sich auf die Tierwelt: Schwanteich, Froschbach, Barschbach, 2 Schleibach, Plötzensee; 11 betreffen die Pflanzenwelt: Buchheim, Kiefericht, Zwergkiefericht, Haslau, Radefeld, Blumenau, 2 Heidefeld, Brandhof, Stöckicht, Balken; 16 nehmen Bezug auf Boden und Wasser: 2 Hohenau, Steinsee, Sand, Lehmbach, Damm, Teich, Graben, Wässerchen, zusammenfließendes Gewässer, 3 Sumpf, Weißbach, Lauterbach, Zischelbach.

Als Gründer und erste Besitzer von Ansiedelungen bezeichnen uns die Namen der zweiten Gattung und zwar zumeist mit Sicherheit folgende Personen: Bazda, Bąd, Bêgan, 2 Bêla, Bliz?, Čachor, Čarnek, Chot, Chytil oder Chytal, Darg, Dargan, Daroma (weibl.), Dech, Dêchla, Družen, Duša, Goda (Chod?), Golen, Goliš, Gostirad, Grin?, Grono?, K’arl, Klępa (weibl.), Kolad, (Koleda?), Kolp, Korzym, Krocym, Kromêš, Kruk, Kus?, Lelek, Logen?, Luch, Lut, Man, Masla, Mêch, Molčan, Mosta, Myš, Nêžek (Nežich?), Njuša?, Nosce?, Parkęta, Pąp, Pąten, Pytaŕ, Radomysl, Ratibor, Ratiš, Rozbor, Ruchala, Rul, Ryceŕ, Samek (Samech), Sądignêv, S’cimir?, Slavobor, Slavut, Smil, Szczytoń (Štitoň), Têchên?, Tolek, Tomin, Tučap, Tur, Turad, Utêch, Werch, Wit, Wotrad, Žalim, 2 Žilek (?).

Muß auch an manchen Stellen, namentlich infolge mangelhafter urkundlicher Überlieferung, dem Zweifel Raum gelassen werden, so wird doch im großen und ganzen aus der vorliegenden Abhandlung ersichtlich, welch mannigfaltige Aufschlüsse uns bei eindringender, gewissenhafter Durchforschung der Namen geboten werden, welch reiche Fundgruße in dem so manchem tot erscheindenden Namenmaterial sich eröffnet, um wertvolle Beiträge für die älteste Ortsgeschichte zu liefern.


 


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