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Barber-Lyaschenko-Vertrag 1945 ('Gadebuscher Vertrag')

Kreisarchiv Herzogtum Lauenburg, Ratzeburg KA7797
Der Text folgt der Veröffentlichung: Richard Erich "Der Austausch von lauenburgischen
Grenzgebieten durch die Besatzungsmächte im November 1945". Lauenburgische
Heimat, Neue Folge, Heft 87, S. 34-52.

Das Barber-Ljaschtschenko-Abkommen (auch Barber-Lyaschenko-Abkommen) war ein Abkommen zur Grenzbereinigung im Bereich östlich des Ratzeburger Sees und des Schaalsees. Auf diese Weise kamen die Nachbargemeinden Ratzeburgs: Bäk, Ziethen, Mechow und Römnitz zum Kreis Herzogtum Lauenburg. Im Austausch kamen die lauenburgischen Gemeinden: Dechow, Groß und Klein Thurow und Lassahn zur sowjetischen Besatzungszone.


ANLAGE 1

A b s c h r i f t .
Vertrag.
Übersetzung.
13. November 1945

Wir, die Unterzeichneten, Vertreter des Ober-Kommandos der Roten Armee, Gen.-Maj. L y a s c h e n k o, einerseits, und Vertreter des Hauptquartiers der Brit. Rheinarmee, Kommandeur der 15. (Schottischen) Inf. Div., Gen.-Maj. B a r b e r, andererseits jeweils gebührend ausgestattet mit der besonderen Vollmacht, für das betr. Kommando zu handeln, haben den gegenwärtigen Vertrag abgefaßt über die zwischen den sich gegenüberstehenden Truppen der Roten Armee und den Truppen der Britischen Armee bestehende Grenze und haben vereinbart, folgende Änderungen durchzuführen:

1.) In dem Raum des Ratzeburger Sees und des Lankower Sees verläuft die Grenze entlang dem Ostufer des Ratzeburger Sees bis zur Brücke (1200 m südlich von Campow), südostwärts einem unbenannten Bach entlang bis zum Mechower See, entlang dem Westufer des Mechower-Sees, nördlich des bewohnten Gebietes von Wietingsbeck, entlang einem unbenannten Bach und danach entlang dem West- und Südufer des Lankower-Sees, entlang einem unbenannten Bach bis zu dessen Berührungspunkt mit der alten Grenze.

2.) In dem Raum 900 m südlich des Forst Schönberg-Goldensee verläuft die Grenze nach Osten zum Kulpiner-See, dem Nord- und Nordostufer des Kulpiner-Sees entlang und danach entlang einem unbenannten Bach zum Goldensee, entlang dem Westufer des Goldensees bis zu dessen Berührungspunkt mit der alten Grenze.

3.) In dem Raum des Waldes Dohlen - Marienstedt (südlich) verläuft die Grenze entlang dem Westrand des Waldes Dohlen entlang dem Westufer der unbenannten Insel und Halbinsel im Niendorfer Binnensee, entlang dem Schaalsee, dem Westufer der Insel Kampenwerder entlang und danach entlang dem Schaalsee bis zu einem Berührungspunkt mit der alten Grenze 700 m nordostwärts der Höhe 55,6.

4.) Die Räumung der Truppen der Roten Armee und der Britischen Armee auf die neue Grenzlinie muß am 28. November 1945 durchgeführt und am 28. November 1945 um 13.00 Uhr (Berliner Zeit) beendet sein.

5.) Der gegenwärtige Vertrag ist in Gadebusch (Mecklenburg) in zwei Ausfertigungen abgefaßt worden, jede in russischer und englischer Sprache. Beide Texte sind authentisch.

Anlage: Karte im Maßstab 1 : 50 000,

eine Kopie für jede Partei, gezeichnet von den gehörig bevollmächtigten Unterzeichnern des gegenwärtigen Vertrages.

Bevollmächtigt vom Oberkommando der Roten Armee Generalmajor Lyaschenko
Bevollmächtigt vom Hauptquartier der Brit. Rheinarmee Kdr. der 15. (Schott. Inf. Div.) Generalmajor Barber


 

 

ANLAGE 2

Beglaubigte Abschrift.
Übersetzung
Betreff:
Verwaltungsaustausch. S/1/614
GEHEIM !

An

den Herrn Landrat.

Informierung.

1. Gegenwärtig wird ein Vorschlag, die Zonengrenze im Ratzeburger Gebiet zu ändern, mit den Russen erörtert.

2. Es ist den Russen nahegelegt worden, daß die gegenwärtige britische Besatzungszone östlich des Schaalsees, welche gemäß Landkarte im Maßstab 1 : 25 000, Blatt 2331/131661 um die Küstenlinie am Ostufer des Niendorfer Binnensees gemäß Landkarte 118641 verläuft und hernach im geraden Laufe südlich um die Küstenlinie herum an der Westseite der Stintenburger Insel und dann südlich weitergeht gemäß Landkarte 109577 (im Nachfolgenden wird dieses Gebiet mit B benannt werden), in ihr Kontrollgebiet einverleibt werden soll.

3. Es ist ebenfalls vorgeschlagen worden, daß das Gebiet, welches gemäß Landkarte im Maßstabe 1 : 25 000, Blatt 2231 008724 im gerade Laufe östlich zum Kulpiner See, dann süd-östlich nach 109718, dann der Flußlinie nach 111712 folgend verläuft, in russische Kontrolle übergeben werden soll, welches Gebiet hernach mit A bezeichnet werden wird.

4. Im Austausch für das vorgenannte Gebiet wird die britische Besatzungsarmee die Aufsicht über das gegenwärtig russischbesetzte Gebiet übernehmen, welches östlich vom Ratzeburger See gemäß Landkarte 1 : 25 000, Blatt 2230 999768 der Flußlinie nach 008769 folgend, hernach süd-östlich unter Ausschluß von Neuhof nach 020766, dann südöstlich nach 031759, dann genau südlich nach 031750, dann unter Ausschluß des Mechower Sees rund um das Westufer des Mechower Sees nach 052729, dann süd-östlich nach 056726 einschließlich Witingsbek, dann rund um das Süd-Westufer des Lankower Sees unter Ausschluß des Lankower Sees nach 070721, dann östlich nach 073721, dann südlich nach 073720 verläuft. Dieses Gebiet wird hernach als Gebiet X bezeichnet werden.

 

Absicht.

1. Die Evakuierung aller deutschen Zivilpersonen, welche unter britischer Aufsicht verbleiben wollen, aus den Gebieten A und B.

2. Die Entblößung der Gebiete A und B von allen Viehbeständen, landwirtschaftlichen Geräten, Lebensmittelbeständen usw., mit den in meinen vorgeschlagenen Anwendungsparagraphen vorgesehenen Ausnahmen.

 

Anwendung.

1. Evakuierung von Viehbeständen.

(a) Die Bürgermeister in den Gebieten A und B sollen beauftragt werden, eine genaue Zählung aller Viehbestände bis 14.00 Uhr am 14. Nov. 1945 vorzunehmen.

(b) Die Listen sämtlicher Viehbestände sollen diesem Hauptquartier um 15.00 Uhr des 14. Nov. 1945 vorliegen.

(c) Aufnahmekoppeln sollen wie folgt eingerichtet werden:

(1) Gegenüber der Fähre auf der Stintenburger Insel.
(2) Gegenüber der Fähre an der Westseite des Schaalsees.
(3) Bei Mustin.

(d) Jede Koppel soll 25% des gesamten aus den betreffenden Gebieten zu evakuierenden Viehbestandes aufnehmen können.

(e) Jede Koppel soll bis zum D-Tag fertiggestellt sein.

(f) Beginn an D + 1 Tag werden 25% des Viehbestandes täglich in die Einfriedigungen getrieben werden.

(g) Die Auffangs-Einfriedigungen werden täglich geleert werden.

(h) Im Gebiet B wird das Vieh, das aus der Auffangs-Einfriedigung am Westufer des Schaalsees getrieben worden ist, zeitweilig auf den Nachbarhöfen untergebracht werden.

(j) Der Landrat muß eine Liste an die Mil. Reg. einreichen über die Besitzer des Viehs und wo sich das Vieh befindet.

            (k) Kein Bauer, der es vorzieht, unter RUSSISCHER Kontrolle zu bleiben, wird mehr als
            EINE KUH, 1 KALB, 1 PFERD  und 1 SCHAF behalten dürfen.

            (l) An D + 16 werden alle Viehbestände, die nach der Evakuierung zeitweilig untergebracht worden
            möglichst auf   Höfe im Gebiet X geschickt werden.

            Jedoch wird keine Bewegung vorgenommen werden ohne vorherige Anfrage bei der Mil. Reg.


2. Evakuierung von landwirtschaftlichen Geräten.

(a) Die Bürgermeister in den Gebieten A & B werden Anweisung erhalten, eine genaue Zählung ALLER landwirtschaftlichen Geräte im Gebiet A & B an D + 1 zu machen.

(b) Listen über alle landwirtschaftlichen Geräte, die evakuiert werden sollen, werden in dieser Dienststelle bis 14.00 Uhr an D + 1 eintreffen.

(c) Beginnend an D + 1 Tag werden 25% der gesamten landwirtschaftlichen Geräte, die evakuiert werden sollen, mit Anhängezetteln versehen werden und auf den benachbarten Höfen auf der BRITISCHEN Seite der Demarkationslinie gelagert werden; deshalb müssen an D + 8 - 22. Nov. 45 - alle landwirtschaftlichen Geräte evakuiert worden sein.

(d) Kein Bauer in den Gebieten A + B wird mehr als 1 PFLUG behalten dürfen, wenn er es vorzieht auf seinem Hof unter RUSSISCHER Kontrolle zu bleiben.

(e) An D + 16 werden alle landwirtschaftlichen Geräte, die zeitweilig nach der Evakuierung untergebracht worden waren, nach den Höfen im Gebiet X geschickt werden.


3. Evakuierung von Lebensmittelvorräten.

(a) Die Bürgermeister in den Gebieten A & B werden Anweisung erhalten, eine genaue Zählung aller Lebensmittelvorräte zu machen bis zum D + 2 16. Nov. 45, die in dieser Dienststelle bis 14.00 Uhr eintreffen sollen.

(b) Sie - der Landrat - wollen Lagerraum beschaffen für die Evakuierung der Lebensmittelvorräte, im Gebiet B auf der Westseite des Schaalsees und im Gebiet A in oder um Mustin herum.

(c) Sie - der Landrat - wollen veranlassen, daß genügend Transportmittel für die Wegschaffung der Lebensmittelvorräte zur Verfügung stehen.

(d) Benzin wird wenn nötig von der Kreisreserve genommen werden.

(e) Keiner Zivilperson wird es gestattet werden, mehr Reserven für seine oder ihre eigne Verwendung zurückzuhalten, vorausgesetzt, daß diese Reserven über nicht DREISSIG (30) TAGE hinausgehen.

(f) Angefangen D + 3 - 17. Nov. 45 - 50% der Lebensmittelvorräte werden täglich geräumt werden. Am D + 5 werden sich ALLE Vorräte auf der WESTseite befinden.

(g) An D + 9 muß aller frischgedroschener Weizen und Roggen geräumt sein.

 

4. Die Räumung von Fischerbooten und Angelgeräten.

(a) Die Bürgermeister der Gebiete A und B werden angewiesen werden eine genaue Liste aller Fischerboote und Angelgeräte an D + 10 - 24. Nov. 45 - aufzustellen.

(b) Alle Fischerboote und Angelgeräte werden entfernt werden und an der WESTseite des SCHAALSEES untergebracht werden im Bezirk B am D + 10 - 24. Nov. 45, 14.00 Uhr.

(c) Nach Ihrem Belieben - des Landrats - können die Fischerboote notfalls bei der Räumung verwendet werden.

 

5. Die Räumung der Zivilpersonen.

(a) Die Bürgermeister der Gebiete A + B werden angewiesen werden, eine genaue Liste der Zivilpersonen anzulegen, welche wünschen, am D-Tag evakuiert zu werden. Der Landrat soll diese Liste in diesem Amt um 14.00 Uhr am D-Tag einreichen.

(b) Es wird KEINEN, ich wiederhole KEINEN D.P's gestattet sein, in den Bezirken A oder B zu verbleiben.

(c) Die Listen aller Zivilpersonen, welche evakuiert zu werden wünschen, sind in diesem Hauptquartier am D-Tag um 14.00 Uhr herzureichen.

(d) Angefangen am D + 9 - 23. Nov. 45, 30% der Zivilpersonen, welche evakuiert zu werden wünschen, werden vorübergehend im Westen des SCHAALSEES im Falle des Bezirkes B und SÜDLICH von MUSTIN im Falle des Bezirkes A untergebracht werden. Die Evakuierung wird erfolgen wie nachstehend:

D + 10 30%   D + 11 30%   D + 12 10%

(e) Zum Zweck der Unterbringung der evakuierten Zivilpersonen wird das SCHMILAUER Aufnahme-Lager von ALLEN FLÜCHTLINGEN an D + 3 geräumt sein.

(f) Zum Zwecke der vorübergehenden Unterbringung der evakuierten Zivilpersonen werden der Schützenhof und der Ratskeller am D + 6 (20. November 1945) geräumt werden.

(g) Sie - Herr Landrat - werden dieses Amt am 19. November 1945 benachrichtigen, ob KRUMMESSE benötigt wird.

(h) Am D + 16 werden die evakuierten Zivilpersonen, lebendes Vieh, landwirtschaftliche Geräte etc., wenn möglich, dauernd im Gebiet X untergebracht werden.

(i) Sollte es nicht möglich sein, alle oben erwähnten Personen und Sachen im Gebiet X aufzunehmen, werden Sie, Herr Landrat, eine Unterbringung innerhalb des KREISES ermöglichen.

(j) Am D + 14 um 08,30 Uhr werden sich alle Evakuierungsbeamten zu einer letzten Übersicht geräumter Gebiete in Seedorf einfinden.

 

Verwaltung.

1. Sie werden für das zur Evakuierung nötige Personal sorgen.

2. Polizei, Bürgermeister, Bauern, Schreibkräfte usw. werden alle zur Hilfe benötigt werden.

3. Eine Versammlung aller Bürgermeister in den GEBIETEN A & B wird am D - 1 um 21.00 Uhr einberufen werden.

4. Ich werde behilflich sein bei Fragen, die Sie nicht beantworten können.

5. Ich habe um Freigabe von 6 DUKW und eines Floßes Nr. 40 zur Ergänzung des Fährdienstes vom GEBIET B zum WEST Ufer des SCHAALSEES gebeten. Ich werde Sie benachrichtigen, wenn diese freigegeben worden sind.

6. Bei Ihrer Versammlung der Bürgermeister der Gebiete A & B an D - 1 Tage werden Sie sie unterweisen, daß KEINE deutschen Zivilisten gezwungen werden, sein oder ihr Heim zu verlassen ohne daß er oder sie es wünschen.

7. Sie wollen für einen Zeitraum von 9 Tagen veranlassen, daß 12 (Zwölf) Fahrzeuge mit einer Tragfähigkeit von je 3 Tonnen zur Verfügung des Beamten stehen, den Sie zur Überwachung der Evakuierten ernennen.

8. Sie werden für den Beamten, den Sie zu Ihrem Vertreter ernennen, in Gr. Zecher am Fahrkopf an der Westseite des Schaalsees ein Telefon zur Verfügung haben.

9. Sie wollen die Telefonbehörden anweisen, daß alle Anrufe des obengenannten Beamten an Sie vorzugsweise durchzugeben sind, und wenn die Leitungen durch andere Personen besetzt sind, werden diese rücksichtslos abgeschaltet werden müssen.

10. Öffentliche Sicherheitsbeamte der MIL. REG. werden in Verbindung mit dem Polizeichef Seckendorf für die Ein- und Ausfahrt auf der Stintenburger Insel sorgen. Die Straße wird bis D + 14 Tage ständig unter polizeilicher Aufsicht durch Zivilpolizei stehen. Das Rathaus, der Schützenhof und das Lager Schmilau und wenn nötig das Auffanglager Krummesse müssen geräumt und Gemeinschaftsverpflegung an alle diesen Stellen bis D + 16 eingerichtet werden.

11. Ausgangsbeschränkung. Für die Teilnehmer an der Evakuierung wird die Ausgangsbeschränkung aufgehoben sein, aber sollten Unruhen entstehen, wird die Ausgangsbeschränkung wieder eingesetzt werden. Es ist daher im Interesse der deutschen Bevölkerung, darauf zu achten, daß die gesamte Operation in friedlicher und planmäßiger Weise vor sich geht.

12. Polizei. 50% der an der Räumung teilnehmenden Polizei hat die Erlaubnis, Waffen zu tragen. PS Offiziere der Militärregierung werden die nötigen Vorkehrungen treffen.

13. Ein Floß Nr. 40 wird am 19. November 1945 zum Schaalsee befördert werden.

Ratzeburg, 13. Nov. 45

gez. Edmund D. Ashworth Captain

Kommandeur 614 (K) Mil. Gov. Det.

Die Richtigkeit vorstehender Abschrift wird hiermit beglaubigt:      (Dahl)
Ratzeburg, den 29. März 1950                                                               Kreisinspektor


 

 

ANLAGE 3

Der Bürgermeister                                                                                                                              Lassahn, den 14. 11. 45.

An a l l e Einwohner der Gemeinde L a s s a h n

Durch ein Abkommen zwischen der engl. und russ. Militärregierung wird u. a. das Gebiet unser Gemeinde in der Nacht vom 27. auf den 28. November von russischen Truppen besetzt. Die gesamte Bevölkerung muß bis heute, den 14. 11.45., 11 Uhr eine mündliche Erklärung abgegeben haben, wer evakuiert werden will oder nicht. Die Erklärung ist endgültig und kann nicht rückgängig gemacht werden. Sowohl von der engl. Militärregierung, wie auch von dem Herrn Landrat habe ich die Zusicherung erhalten, daß sie uns bei der Evakuierung, einschl. der gesamten Habe jedes Einzelnen jede notwendige Unterstützung angedeihen lassen werden. Die Fahrbereitschaft in Ratzeburg wird täglich 20 Lastzüge zur Verfügung stellen. Es kann damit gerechnet werden, daß die engl. Militärregierung noch eine Fähre und eine größere Anzahl von Schwimmpanzern einsetzen wird. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, daß keiner das Gebiet ohne meine vorherige Aufforderung verlassen darf. Es wird betont, daß die Evakuierung freiwillig ist. Die ausl. Staatsangehörigen, die sich neulich bei dem engl. Kommandanten melden mußten, mit Ausnahme der russischen Staatangehörigen, dürfen nicht hierbleiben. Ihre Evakuierung wird evtl. zwangsweise durchgeführt.

Wer nicht evakuiert werden will, behält höchstens:
1 Pferd, 1 Kuh, 1 Schwein, 1 Schaf, 1 Wagen, 1 Egge, 1 Pflug,

also höchstens 1 Stück von jeder Sorte. Alle anderen Tiere und Sachen werden evtl. zwangsweise evakuiert. Die Hierbleibenden behalten höchstens für 30 Tage Lebensmittel, die überschüssigen Mengen werden abtransportiert. Die Evakuierung der Tiere muß bis zum 18. November 45 beendet sein, die Evakuierung der Personen beginnt am 23. November und muß am 26. November beendet sein. Sämtliche Tiere und Geräte müssen mit festen Namensschildern versehen werden. Die schlachtreifen Tiere werden zweckmäßig verkauft. Mit dem Dreschen der Halmfrüchte ist sofort zu beginnen, und ist an Händler abzuliefern. Eine Liste über die vorhandenen Tiere und Ackergeräte wird in Kürze verlangt. Es folgen noch nähere Anweisungen.

Ich weise darauf hin, daß meine Anordnungen zu befolgen sind. Die engl. Militärregierung wird zur Durchführung deutsche Polizei einsetzen. Sollte es zu Widerständen kommen, so wird bewaffnete engl. Feldpolizei eingesetzt. Plünderungen und Diebstahl werden schwerstens bestraft.

Zu dem Thema der Evakuierung unseres Gebietes wird heute vormittag um 10 Uhr der L a n d r a t zu der hiesigen Bevölkerung bei Gastwirt Pankow sprechen. Unnötige Fragen an den Herrn Landrat sind zu unterlassen, die Evakuierung ist beschlossene Sache, dagegen ist nichts zu machen, wir müssen uns damit abfinden.

Über die Unterbringung der Evakuierten, Tiere und Geräte können im Augenblick noch keine näheren Angaben gemacht werden, man wird aber versuchen, die Menschen, mit ihren Tieren und Geräten an einer Stelle unterzubringen.

Ich weise nochmals ausdrücklich darauf hin, daß die mündlichen Erklärungen über die Evakuierung spätestens um 11 Uhr bei mir abgegeben sein muß, die namentliche Liste muß schon um 13 Uhr beim Landrat in Ratzeburg sein.

Der Bürgermeister,
H. Helmers.


 

ANLAGE 4

DER LANDRAT des Kreises Herzogtum Lauenburg.                (24) Gr. Zecher, den 27. November 1945

- Evakuierungsleitung -
Dr. Wu/Ko

 

1.) An den Herrn Landrat des Kreises Herzgt. Lauenburg

- persönlich -

in Ratzeburg


Schlußbericht
Stand: 16.00 Uhr

1. Von gestern bis heute sind noch verschiedene Güter abgefahren, z. B. einige restliche Einrichtungen wie Bürgermeisterei, Schloß Stintenburg und sonstige Reste. Ferner sind noch restliche geringe Mengen an Getreide und Kartoffeln transportiert und vor allem Futtermittel (Stroh, Heu, Steckrüben). Insges. sind in der Berichtszeit rund 50 Lkw abgegangen und nunmehr alles abbefördert.

2. Gestern nachmittag sind die Gutstrecks Stintenburg und Bernstorf abgezogen. Heute vormittag Stintenburger Hütte.

3. In der Nacht und am heutigen Tage sind die restlichen landwirtschaftlichen Maschinen sowie die Dreschmaschinen übergesetzt, soweit diese in ihrer großen Menge noch brauchbar sind. Der Abtransport dieser großen Maschinen machte durch das gestern abend aufgetretene Glatteis auf den Straßen erhebliche technische Schwierigkeiten, die aber überwunden sind. Die Amphibien haben heute noch ausschließlich Steckrüben befördert.

4. Die gesamte Aktion ist nunmehr abgeschlossen, es ist von mir persönlich festgestellt, daß alle Vorräte an Getreide und Kartoffeln abbefördert sind bis auf eine kleine Miete in Stintenburger Hütte, die wegen der vorgeschrittenen Zeit nicht mehr gedroschen werden konnte. Es ist von Sachverständigen übrigens festgestellt, daß es sich hierbei um wenig gutes Korn handelt.

Abbefördert sind ferner sämtliche landwirtschaftliche Maschinen, die zu einem Teil in der Maschinenfabrik Warncke, Mölln untergestellt sind soweit es sich um kleinere Gegenstände handelt. Die größeren Maschinen stehen sämtlich auf dem Platz am Nordausgang des Dorfes Gr. Zecher.

5. Abbefördert ist endlich die gesamte Bevölkerung, soweit sie nicht freiwillig zurückgeblieben ist. Die Zahl wird im Augenblick noch ermittelt. Die Bevölkerung hat ihre gesamte bewegliche Habe durch reichliche Gestellung von Frachtraum mitnehmen können.

6. Zurückgeblieben ist lediglich ein Teil des vorhandenen Heus und Strohs sowie der Steck- und Futterrüben.

Über die Fähre sind insgesamt rund etwa 800 beladene Lastkraftwagen - zum größten Teil mit Anhänger - herübergegangen. Die gesamte Zufuhr an Laderaum ist ständig so reibungslos vor sich gegangen, daß die Fähren in ununterbrochener Folge beladene Fahrzeuge laden konnten.

Abbefördert sind (in runden Zahlen)

22 000 Ztr. Korn
17 000 Ztr. Kartoffeln
1 000 Ztr. Steckrüben
1 000 Stck. Rindvieh
400 Stck. Schafe
100 Stck. Schweine,

einige Lkw. mit Stroh und Heu, der gesamte Bestand an landw. Maschinen, dessen Zählung erst vorgenommen wird. (Molkereimaschinen, Fischerei-Gerätschaften und Boote).

7. Heute werden mehrere große Holzflöße der Kreisforstverwaltung und der Firma Hermann Rautenberg, Ratzeburg, überführt, die diese zusammengesetzt haben. Die Anzahl der so geborgenen fm Holz steht noch nicht fest.

8. Außerordentlich unterstützt worden ist die ganze Aktion durch den völlig freiwilligen und aus eigener Initiative erfolgten Einsatz der in den Dörfern Seedorf, Bresahn usw. stationierten Motorboote, welche behelfsmäßig als Fähren hergerichtet waren, sowie auch der zusammengekoppelten Fischerkähne, deren Besitzer Lindemann, Dossow u. Müller, Seedorf und Böttcher und Buuck aus Bernstorf in 11 -tägigem Einsatz von früh morgens bis in die späten Abendstunden in dem nördlichen Teil insbesondere Hausrat, Vorräte wie auch Heu und Stroh übergesetzt haben. Diese Behelfsfähren haben 6 Fahrten am Tage und mehr gemacht und insbesondere aus den Ortschaften Lassahn, Hakendorf u, Bernstorf erhebliche Mengen abtransportiert, die den Fährbetrieb ganz fühlbar entlastet haben. Auf diese Weise ist es auch gelungen, beträchtliche Mengen an Futtermitteln zusätzlich abzufahren. Alle durch diesen Fährbetrieb übergesetzten Mengen sind, soweit es sich insbesondere um Futtermittel handelt, in der obigen Aufstellung nicht mit erfaßt.

9. Zusammenfassend ist festzustellen, daß durch den restlosen Einsatz aller Beteiligten es gelungen ist, nicht nur die unbedingt vorgesehenen Gegenstände abzubefördern, sondern darüber hinaus auch noch sonst manche wertvollen Dinge, die der Wirtschaft bzw. Landwirtschaft des Kreises fehlen. Der ursprüngliche Voranschlag ist durch den ununterbrochenen Betrieb bei Tage und bei Nacht überschritten worden. Begünstigt wurde die ganze Aktion allerdings weitgehendst durch das Wetter.    

(Unterschrift)




ANLAGE 5

Kreisbauernschaft Mölln, 3. 12. 45
Herzgt. Lauenburg Hauptstr. 52

Bericht der Kreisbauernschaft über das neu angegliederte Gebiet.

Die Besichtigung des von den Russen geräumten Gebietes am Sonntag, d. 2. Dezember 1945 ergab folgendes Bild:

Auf der Domäne R ö m n i t z, deren früherer Pächter, Herr K r ü g e r, vor den Russen geflohen ist, war der Arbeiter Hagen als verantwortlicher Leiter und gleichzeitig als Bürgermeister eingesetzt. Ihm zur Seite standen zwei weitere Arbeiter und ein ostpreußischer Flüchtling, der die 5 gutseigenen Pferde und 8 Flüchtlingspferde betreute. An sonstigem lebenden Inventar waren 5 Milchkühe vorhanden, außerdem einige Kühe, die den Deputatfamilien gehörten. Sämtliches Getreide mußte abgedroschen und abgeliefert werden. Kartoffeln waren vorhanden, die evtl. für die Versorgung der jetzigen Belegschaft ausreichen würden, und Pflanzkartoffeln für 30 Morgen Land. Heu- und Strohmenge waren völlig unzureichend für die Haltung eines normalen Viehbestandes.

Der Hof selber befand sich in einem sehr verwahrlosten Zustand, angeblich weil mit der geringen Belegschaft ununterbrochen gedroschen, außerdem die Herbstbestellung erledigt und das gedroschene Getreide nach Schönberg abgefahren werden mußte.

Der Zustand der Maschinen war äußerst schlecht. - Größere Gebäudereparaturen sind erforderlich. - Das Wohnhaus war von Familie Hagen und einer Reihe von Flüchtlingen bewohnt. Ein Teil des Mobilars ist unter die Flüchtlingsfamilien verteilt worden.

Die Deputatarbeiter des Gutes sind fast alle noch nicht aus der Gefangenschaft zurückgekehrt, so daß die Wohnungen fast ausschließlich von Frauen und Kindern bewohnt werden. Um eine bessere Bewirtschaftung des Gutes zu erreichen, würde es erforderlich sein, daß einige Familien zusammenrücken, um Platz zu machen für voll einsatzfähige neu hereinzunehmende Arbeiterfamilien. Es wäre unbedingt richtig, den anwesenden männlichen Arbeitskräften den Anspruch auf ihren Arbeitsplatz auf der Domäne einzuräumen. Es darf in ihnen keineswegs das Gefühl aufkommen, daß sie nun, nachdem sie in dieser schweren Zeit dem Gut die Treue gehalten haben, durch andere verdrängt werden sollen.

Die Feldbesichtigung ergab, daß die Ländereien in Parzellen von ca. 20 Morgen aufgeteilt worden waren und an Handwerker, Arbeiter usw. durch Aushändigung einer Urkunde nach Anzahlung verschiedener hoher Geldbeträge bei etwa RM 150.- herum, vergeben waren. Die Aufteilung ist unzweckmäßig weil

1. die meisten angesetzten Siedler lieber auf diese Siedlung verzichten würden und lieber sehen, wenn der Gutsbetrieb in seiner ursprünglichen Größe und Form wieder fortgesetzt würde,

2. weil geeignete Gebäude für die Vielzahl der angesetzten Siedler nicht vorhanden sind,

3. weil die Siedler weder Inventar, noch Ackergeräte, die zu der Bewirtschaftung erforderlich sind, haben und

4. weil sie für die Volksernährung direkt schädlich ist.

Die bezahlten Beträge müßten den Siedlern wieder zurückerstattet werden.

Außerdem ergab die Feldbesichtigung, daß noch einige 100 Morgen Land vor Eintritt des Winters gepflügt werden müssen. Die Saatbestellung ist soeben beendet. Rübsen ist gesät, aber viel zu spät.

Von der in der russischen Zone verbleibenden Domäne N e u h o f befinden sich ca. 400 Morgen in dem jetzt zurückgegliederten Gebiet. Aus wirtschaftlichen Gründen wird vorgeschlagen, daß dieses Land zur Domäne Römnitz kommt, denn nur von hier aus kann eine ordnungsgemäße Bewirtschaftung gewährleistet werden.

Es wurde uns berichtet, daß auf dem Neuhofer Land noch ca. 30 Morgen Rüben in der Erde sind, die schleunigst geerntet werden müssen. Pflugarbeiten sind hier nicht geleistet.

Ca. 200 Morgen Land des Dorfes  C a m p o w, das ebenfalls in der russischen Zone verblieben ist, sollen auch an uns zurückkommen. Dieses Land könnte zum Teil von den Bauern der Ortschaft Hohenleuchte übernommen werden. Das übrige Land müßte vielleicht ebenfalls an die Domäne Römnitz fallen. Diese Frage wird in der nächsten Zeit von uns an Ort und Stelle geprüft werden.

Zwei hervorragende, tüchtige Landwirte aus dem abgegebenen Gebiet des Kreises Lauenburg stehen für die Übernahme der Domäne Römitz zur Verfügung: Herr Berkemeyer von Gr. Thurow und Herr Stamer von Stintenburger-Hütte. Aus sachlicher Erwägung heraus müßte Herrn Berkemeyer der Vorrang eingeräumt werden, weil Herr Berkemeyer das in Römnitz fehlende Rauhfutter an Heu und Stroh aus Gr. Thurow mit herausgebracht hat, während Herr Stamer, Stintenburger-Hütte, dieses aus Mangel an Zeit dort belassen mußte.

Das Dorf B ä k  wird größtenteils von solchen Leuten bewohnt, die im Hauptberuf Handwerker sind und nebenberuflich eine kleine Landwirtschaft betreiben. Es ist nicht zweckmäßig, wegen Mangel an Gebäuden, Geräte, Maschinen und Vieh, diesen Leuten das Land zu belassen. Im Interesse der allgemeinen Ernährungslage wäre es unbedingt richtig, dieses Land als ganzes bei der Domäne R ö m n i t z verbleiben zu lassen. Auch dieses Dorf hat eine große Fläche Land für Siedlungszwecke von der Domäne Römnitz erhalten.

Die Domäne M e c h o w wurde in einem verhältnismäßig guten Zustand vorgefunden. Der Pächter, Herr Eichblatt, war anwesend. Auch hier mußte sämtliches Getreide abgedroschen und abgeliefert werden, es fehlt somit an Futtergetreide und Saathafer. Auch hier ist noch erhebliche Pflugarbeit zu leisten. In den Deputatwohnungen befinden sich eine Reihe von Flüchtlingsfamilien, die gegen voll einsatzfähige Landarbeiterfamilien ausgetauscht werden müßten.

In Z i e t h e n waren die Verhältnisse als normal zu bezeichnen, mit Ausnahme von Getreidevorräten, das auch hier restlos abgedroschen und abgeliefert worden ist. Alle Bauern waren auf ihren Höfen.

Der Kreisbauernvorsteher

(Bruhn)


 

ANLAGE 6

Bericht

über die Ablieferung an landwirtschaftlichen Erzeugnissen
in den Gemeinden Ziethen, Bäk, Römnitz und Mechow
während der russischen Besatzungszeit.

 

1. Allgemein.

Es war nach der Überführung obiger Gemeinden in die englische Besatzungszone auffallend, daß sämtliche Betriebe die Kreisbauernschaft angingen, für sofortige Futtermittelbereitstellung in erster Linie für die Pferde zu sorgen, da nicht die geringsten Futtermittelvorräte vorhanden seien. Ferner wurden wir darauf aufmerksam gemacht, daß ohne unsere Hilfe eine Frühjahrbestellung unmöglich wäre, weil es an dem notwendigen Saatgut fehlte. Neben dem Abtransport wichtigster Erzeugungsgrundlagen ist das Fehlen einer allgemeinen richtigen Wirtschaftsführung ins Gewicht fallend; dadurch nämlich, daß nach der Ernte die landwirtschaftlichen Betriebe mit Fuhrleistungen und ständigem Ausdrusch beschäftigt wurden, konnte die Herbstbestellung nur mangelhaft und die vor dem Winter unbedingt notwendigen Feldarbeiten überhaupt nicht durchgeführt werden. Die im russischen Sektor gemeldeten Zahlen über Bestellungs- und Pflügearbeiten standen lediglich auf dem Papier. Diese Tatsache wird sich bei der nächsten Ernte empfindlich auswirken.

2. Abtransport.

Die Landwirtschaft hatte eine offizielle Ablieferpflicht bis einschließlich Dezember 1945 zu erfüllen, die restlos und rücksichtslos bis zum Räumungstermin eingefordert wurde. Dabei überstiegen diese Ablieferungsquoten das Jahres-Liefersoll der englischen Zone vor allem bei Futtergetreide ganz erheblich und sind praktisch nur zu leisten, wenn eine totale Abgabe ohne Rücksicht auf die Weiterführung des Betriebes erfolgt. Daneben waren den Gemeinden Ablieferungsverpflichtungen zur örtlichen Versorgung russischer Einheiten auferlegt, die bedeutenden Umfang annahmen und vor allem bei Fleisch nur unter schwerstem Eingriff in die Viehbestände erfüllt werden konnten. Im einzelnen mußten die nach beiliegender Liste aufgeführten Mengen zur Ablieferung kommen.

3. Sonstige Leistungen.

Daneben kamen zur laufendenVersorgung der Truppe eine Unmenge von Eiern, Milch und Gemüse regelmäßig zur Ablieferung. Eine Bezahlung dieser Leistungen kam genau so wenig infrage, wie für den Großteil der offiziellen Ablieferung.

Erheblich war auch die Holzabfuhr aus „Sande". Es waren täglich bis zu 200 Fuhrwerke und auch Lastzüge unterwegs, um das bereits geschlagene Holz restlos abzufahren. Es handelt sich hier um über 1000 rm Holz, wovon 150 fm auf Lichtmasten, 150 fm auf Grubenholz und 75 fm auf Eichenstammholz entfallen.

In jeder Gemeinde fehlen Milchwagen, Kutschwagen und auch einige Ackerwagen sowie Geräte für den Holzeinschlag. Auch der Möbelabtransport war bedeutend.

Bei den Ablieferungsmengen ist zu berücksichtigen, daß es sich um durchweg kleinere Gemeinden handelt. So hat

Ziethen 20 kleinere und mittlere Bauernbetriebe,
Bäk 13 kleinere und mittlere Bauernbetriebe,
Römnitz 1 Domäne und einige Kleinbetriebe,
Mechow 1 Domäne und einige Kleinbetriebe.

Von dem gesamten Gebiet ist bis zur neuen Ernte nicht die geringste Ablieferung zu erwarten; im Gegenteil, es müssen neben der Versorgung der Bevölkerung, Futtermittel und Saatgut aus dem Kreise zur Verfügung gestellt werden. Das aus dem Lassahner Gebiet zurückgeführte Saatgut reicht hierzu nicht aus, von den aus diesem Gebiet erhaltenen Futtermittelmengen ganz zu schweigen.

Mölln i. Lbg., den 18. 1. 46.

(Unterschrift)

 

Anlage zum Bericht vom 18. 1. 46.

Warenart Ziethen
dz

Bäk
dz

Römnitz
dz

Mechow
dz

zusammen
dz

Roggen

1.000

665 232

691

2.588
Weizen

409

229 228

413

1.279
Gerste

92

29 214

266

604
Hafer

888

619 222

462

2.191
Gemenge

170

34 266

138

608
Kartoffeln

1.814

1.091 440

1.280

4.625
Raps

32

- 95

208

461
Heu

316

129 112

270

827
Stroh

308

111 77

142

638
Steckrüben

265

- 280

895

1.440
Zuckerrüben

-

- -

1.016

1.016
Hülsenfrüchte

18

- -

42

60
Rinder

46 St.

19 St. 80 St.

24 St.

169 St.
Schweine

52 St.

38 St. 64 St.

37 St.

191 St.
Schafe

6 St.

- St. 20 St.

66+)

92 St.
Pferde

3 St.

- St. 10 St.

-

13 St.
Wolle

17 kg

26 kg 26 kg

439 kg

521 kg

+) Gestohlen 48



 

ANLAGE 7

Abschrift                     An den Herrn Landrat in Ratzeburg

Allgemeiner Bericht über die neu in die britische Zone eingegliederten Gemeinden Ziethen, Mechow, Bäk und Römnitz.

Durch die zwischen der britischen und russischen Besatzungsbehörde vereinbarten Grenzberichtigung sind die Gemeinden Ziethen, Mechow, Bäk und Römnitz, die bisher zum Kreise Schönberg/Mecklenburg gehörten, unter britische Besatzung gekommen und sind in den Kreis Herzogtum Lauenburg eingegliedert worden. Sie wurden weiter der Bezirks-Bürgermeisterei Ratzeburg zugeteilt. Nach Abtransport derjenigen Personen, die nach dem 26. Oktober 45 aus der russischen Zone in dieses Gebiet eingewandert sind,
verbleiben in den Gemeinden folgende Einwohner:

Ziethen: Eingesessene Bevölkerung

268

Umquartierte Bevölkerung

340

Mechow: Eingesessene Bevölkerung

104

Umquartierte Bevölkerung

126

Bäk: Eingesessene Bevölkerung

250

Umquartierte Bevölkerung

204

Römnitz: Eingesessene Bevölkerung

51

Umquartierte Bevölkerung

40

zusammen: 1.383 Bewohner

Durch 2 Kommissionen der Bezirksbürgermeisterei Ratzeburg sind die 4 Gemeinden hinsichtlich der Unterbringungsmöglichkeiten überprüft worden. Hierbei ergab sich, daß noch untergebracht werden können:

In Ziethen 80 bis 90 Personen
in Mechow 26 Personen
in Bäk 85 Personen
in Römnitz 15 Personen

Die freigemachten Quartiere sind zu einem großen Teil bereits belegt und zwar in der Hauptsache mit Flüchtlingen aus dem Schaalseegebiet, die noch in den Lägern Ratskeller und Schützenhof in Ratzeburg untergebracht waren.


Struktur der Gemeinden.

Ziethen.             Vorhanden sind:
                           
                         
4 Großbauernstellen mit über 200 Morgen Land

5 Bauernstellen von 100-200 Morgen Land

14 Bauernstellen bis 100 Morgen Land

 

Gewerbliche Betriebe:

1 Schmied
2 Bauunternehmer
1 Maschinenbauer
1 Tischler
1 Mühlenbetrieb
1 Schneider
1 Schneiderin
1 Lastfuhrunternehmen (Kraftfahrzeuge)
1 Fuhrunternehmen (Pferdefuhrwerke)
1 Bäcker verbunden mit Nebenbetrieb
1 Kolonialwarenhandlung
1 Fischerei
3 Gastwirtschaften ...

 

Mechow

Hier ist vorhanden 1 Gut (Domäne) mit 1000 Morgen Land, ferner

2 Bauernstellen von 160 Morgen Land

2 Bauernstellen von 180 Morgen Land

und 1 Bauernstelle von 60 Morgen Land

Bei der Bodenreform ist das Gut in 37 Teile von je 20 - 25 Morgen aufgeteilt worden. Die Zuteilung ist erfolgt, zur Hälfte an Bodenständige, zur Hälfte an Flüchtlinge. Der Rest ist Gemeinschaftsweide und Gemeinschaftswiese.

Als landwirtschaftlicher Nebenbetrieb ist vorhanden: 1 Schäferei.

Gewerbliche Betriebe

1 Schuhmacher
1 Schmied
1 Kolonialwarenhandlung

Der Neueinsatz von Betrieben ist in Mechow nicht möglich.

 

Bäk

Die landwirtschaftlichen Betriebe in Bäk sind nach und nach entstanden durch Abtrennung von Land und von den Dömänen Römnitz und Mechow. Es sind jetzt vorhanden

7 Bauernstellen von 50 - 100 Morgen
4 Bauernstellen von 30 Morgen

Gewerbliche Betriebe
2 Stellmacher
1 Tischler
1 Bäckerei
1 Viehhandlung
1 Kolonialwarenhandlung
3 Gastwirtschaften ...

 

Römnitz

Hier ist vorhanden 1 Domäne mit 780 Morgen Land. Diese Domäne ist im Wege der Bodenreform aufgeteilt worden und zwar in

29 Stellen je 25 Morgen Land,

der Rest Weide und Wiesen für die gemeinschaftliche Benutzung. 8 der Siedler wohnen in Bäk und 21 in Römnitz. Von letzteren sind 8 bodenständig und 13 Flüchtlinge.

Durch die Grenzziehung im Norden des Bezirkes fallen 400 Morgen von Gut Neuhof an die britische Zone, dazu 80 Morgen von Ländereien der Gemeinde Campow. Diese 80 Morgen sind den beiden Bauern in Hohenleuchte mit je 40 Morgen zugeteilt worden. Über die Verwendung der 400 Morgen muß noch verfügt werden ...


gez. Stimming

 


 


ANLAGE 8

Copy

Tele: Kiel 47 Ext. 354                                         A & LG Section

312/A&LG/8601.                                                 IA & C Branch

                                                                                HQ Mil Gov,

To: The Ministerpräsident                                 SCHLESWIG-HOLSTEIN Region,
Land Schleswig-Holstein,                                  Kiel,
Landespräsidium                                                 312 HQ CCG,
KIEL.                                                                     7. December, 1946

SUBJECT: Settlement of Refugee Farmers.

1. Application has been received from the Landesbauernschaft for assistance and advice in settling fifteen farmers, part of a group of forty one, who left an area of land transferred to the Russian zone in the autumn of last year and moved into Kreis Lauenburg.

2. The Landesbauernschaft is now authorised to take action in accordance with section 3 (a) of Reichsleistungsgesetz (RGBl. page 1685 and 1863) to cancel existing lease contracts and to issue orders to owners of land in question to let this land an lease to farmers from Schaalsee.

(signature)
der Gouverneur von Schleswig-Holstein.

 

KIEL.
RJC/JG copies to: (file 2)

Schleswig-Holstein Regional Food Team,
(ref. your RFT/4829/446 of 4 Dec, 1946).
Legal Branch, HQ Mil Gov,
Schleswig-Holstein Region
(ref your 312/Leg/363/115 of 27. Nov. 1946)

 

Abschrift

312 GQ CCG BAOR
7.12.46.

An den
Ministerpräsidenten von
Schleswig-Holstein, Landespräsidium,

KIEL

Betr.: Ansiedlung von Flüchtlings-Landwirten.

1. Von der Lbsch. ist ein Antrag auf Hilfe und Beratung in der Ansiedlung von 15 Landwirten eingegangen, die ein Teil der Gruppe von 41 sind, die das Gebiet, das im Herbst letzten Jahres an die russische Zone abgetreten wurde, verließen und jetzt im Kreise Lauenburg sind.

2. Die Lbsch. ist jetzt ermächtigt, das Weitere in Übereinstimmung mit Paragraph 3 (a) des Reichsleistungsgesetz (RGBl. S. 1685 und 1863) zu veranlassen, bestehende Pachtverträge zu lösen und Anweisungen an in Frage kommende Landeigentümer herauszugeben, dies Land an Bauern vom Schaalsee zu verpachten.


gez. Unterschrift



Quellennachweis

1.) Dieter Melms-Liepen, „Die Notzeit 1943 - 1950"
(Schriftenreihe des Heimatbundes und Geschichtsvereins Herzogtum Lauenburg, Band 15, 1970).

2.) Kerstin Schöpp, Mölln, „Die Zonengrenze als Problem für den Kreis Herzogtum Lauenburg nach dem 2. Weltkrieg" - April 1975 - (Schriftliche Hausarbeit zur ersten Staatsprüfung für das Lehramt an Grund- und Hauptschulen in Schleswig-Holstein).

3.) Akten der Kreisverwaltung - Liegenschaftsamt -.

4.) Akten der Kreisbauernschaft im Kreisarchiv.